Kein Workflow ohne PDF, Photoshop & Co.:
Software-Riese Adobe im FORMAT-Porträt

  • Mit drei Industriestandards zur hochprofitablen Firma
  • Microsoft für Adobe-Chef Chizen als Vertriebs-Vorbild

Adobe ist ein Hidden Star unter den US-Technologiekonzernen. Die Firma verschwindet in der öffentlichen Wahrnehmung öfter hinter Topstars wie Microsoft, Cisco oder Google. Dabei hat die vor bald einem Vierteljahrhundert im kalifornischen San Jose gegründete Company vorgezeigt, wie sich mit der Nische Pictures & Publishing hochprofitabel leben lässt.

Adobe gelang es, gleich drei De-facto-Industriestandards zu platzieren: Mit der Druckersprache PostScript (1982) wurde der Grundstein des Erfolges gelegt, Photoshop ist zum Office der Kreativbranche geworden, und mit der Entwicklung des universell lesbaren Dateiformats PDF schaffte man 1993 den größten Coup. In der Vermarktung hat sich Adobe die besten Lektionen bei Microsoft geholt: Praktisch auf jedem verkauften PC ist eine Acrobat-Standardsoftware vorinstalliert. Als digitale 1:1-Kopie ist PDF das bekannteste Dokumentenformat des Internets und das wichtigste für Dokumentenaustausch. Die kostenpflichtigen Acrobat-Versionen zur Erstellung und Bearbeitung von PDFs bescheren Adobe bis heute ein Viertel seines Zwei-Milliarden-Dollar-Umsatzes. Daran konnten selbst Hunderte "Klon"-Versionen, mit denen ebenfalls PDFs erstellt werden, bislang nichts ändern.

Rückschlag "InDesign"
Doch auch bei Adobe war der Erfolg nicht immer ein Selbstläufer. Die Erstauflage des Publishingsystems InDesign 1999 wurde ein echter Reinfall. Dann dürfte sich Bruce Chizen, ab 2000 im Chefsessel von Adobe, auf seine gesammelten Erfahrungen im Microsoft-Vertrieb besonnen haben und passte die Strategie an. Er erweiterte das Geschäft hin zu Privatverbrauchern, die mit dem digitalen Foto-und Videoboom bereit für Photoshop waren.

"All-In-One"-Kreativität
Im Profisegment trickste er den Quasimonopolisten Quark aus, indem er sich dessen "Arroganz" und Preispolitik zunutze machte. Ganz im Stile Microsofts bündelte Chizen die wichtigsten Programme für Grafikprofis ab 2003 in einem Paket - Creative Suite (Bildbearbeitung: Photoshop; Vektorgrafik: Illustrator; Web-Publishing: GoLive; Layouts: InDesign). Das Package ist mit rund 1.800 Euro billiger und offenbar besser als die Konkurrenz. Besonders clever von Chizen war es, nicht eine Heerschar billiger Entwickler in Indien zu beschäftigen wie Quark, sondern die Endkunden - Layouter, Fotografen und Verleger - eng in die Produktgestaltung einzubinden. Mit Erfolg: Auf einen Quark-Verkauf kommen derzeit schon vier Adobe-Lizenzen.

(FORMAT/red)

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