Fleißige Bienchen als Wirtschaftsfaktor: Arbeit ist jährlich bis zu 3 Milliarden wert
- Auch wilde Artgenossen können Pflanzen bestäuben
- Gibt 700 verschiedene Wildbienenarten in Österreich
"Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr..." - so ein Zitat von Albert Einstein, dass angesichts des massenhaften Sterbens der Honigbienen in manchen Ländern an keine rosige Zukunft denken lässt. Laut einem Experten bringt die Arbeit der von Imkern gezüchteten Insekten in Österreich je nach Ernte zwischen rund 0,4 und drei Milliarden Euro. Die Bestäubungsarbeit der Honigbiene könne allerdings auch durch ihre wild lebenden Artgenossen übernommen werden.
Wie wichtig die Arbeit der Honigbiene wirtschaftlich gesehen ist, verdeutlichen folgende Zahlen: Je nach Ertrag werden in Österreich schätzungsweise zwischen 4.500 und 7.000 Tonnen Honig pro Jahr produziert, berichtete der Imkerei Dachverband "Biene Österreich" der APA. Diese werden laut Rudolf Moosbeckhofer vom Ages-Institut für Bienenkunde zu einem Durchschnittspreis von acht Euro pro kg verkauft. Umgerechnet bringt das einen Wert von 36 bis 56 Millionen Euro.
Honigbiene ist wichtigster Bestäuber
Viel wertvoller ist allerdings die Bestäubungsleistung der Bienen, die je nach Saison das zehn- bis fünfzigfache des jährlichen Erntewerts, umgerechnet 360 Millionen bis 2,8 Milliarden Euro, beträgt. Die Bedeutung für Vögel und Wildtiere, denen Pflanzen durch die Bienen indirekt als Nahrung zur Verfügung stehen, sei in Geld kaum zu fassen.
Die Honigbiene sei mit Sicherheit ein wichtiger Bestäuber, ihre Funktion dürfe man allerdings nicht überbewerten, meinte ein Experte aus dem Naturhistorischen Museum (NHM) im APA-Gespräch. "Ich glaube, dass die Wildbiene die Funktionen übernehmen kann, und auch andere Insekten. Wenn es keine Imker gebe, würde es sicher noch Bienen geben." Viele Pflanzen, sämtliches Getreide oder Gräser, seien außerdem windbestäubt und würden gar keine Insekten benötigen. Auf ein Aussterben von Pflanzen, Tieren und auch Menschen kann also durch einen dramatischen Honigbienenverlust nicht direkt geschlossen werden.
700 verschiedene Wildbienenarten in Österreich
Neben der Honigbienen, die von Imkern gehalten werden, gibt es in Österreich knapp 700 verschiedene Wildbienenarten, zu der zum Beispiel auch die Hummel zählt, so der Wissenschafter. Zahlenmäßig gebe es deutlich mehr wild lebende Exemplare als Honigbienen, jährlich werden etwa ein bis zwei neue Arten entdeckt. Viele der nicht von Imkern gezüchteten Tiere seien sehr klein und unauffällig, würden jedoch überall - im Hochgebirge wie in der Stadt - vorkommen. Ein wahres Bienen-Mekka ist die Stadt Wien, dort lebend dank des vielfältigen Lebensraums um die 350 verschiedenen Arten.
Im Gegensatz zur Honigbiene, die mehrjährige Staaten bildet und die ganze warme Saison ausfliegt, würden ihre wild lebenden Artgenossen grundsätzlich sehr früh und nur wenige Wochen fliegen, berichtete der Experte. Ein Großteil lebe einzeln, ohne Familienbund. Einige seien sehr spezialisiert und würden nur bestimmte Pflanzenarten als Nahrungsquelle nutzen. Die Honigbienen hingegen sei ein ideales Nutzinsekt, das mit "wenig Aufwand das meiste Futter" sammle.
Im Erwerbsanbau seien die gezüchteten Insekten, deren Stöcke überall hin transportiert werden können, sicher für einen überwiegenden Teil der Bestäubung verantwortlich, erklärte Moosbeckhofer. Da Sammelscharen bis zum Versiegen immer die gleichen Futterquellen anfliegen, übernehmen die Insekten für die Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Denn durch diese Verhaltensweise könne sichergestellt werden, dass Apfelpollen wieder auf einer Apfelblüte landen und alle Samenanlagen gleichmäßig befruchtet werden. Dies sei notwendig, damit gleichmäßige und schöne Früchte entstehen, die gut verkauft werden können.
Selbstbefruchtende Pflanzen als Alternative
Um bei der Bestäubung nicht von Bienen abhängig zu sein, könnten auch selbstbefruchtende Pflanzen gezüchtet werden, berichtete Moosbeckhofer. Wie sehr die Arbeit der Insekten geschätzt wird, zeige allerdings die Anwendung von Apparaten, die den Bienen künstlich gesammelten Pollen an den Körper heften. Diesen verteilen die Insekten dann auf Blüten. Eine Handbestäubung hingegen sei sehr aufwendig und nur in Einzelfällen zum Beispiel bei Züchtungen sinnvoll. (apa/red)








