Wien ist die CouchSurfer Welthauptstadt:
Urlaub auf fremden Sofas boomt weiter

  • 2.000 freie Couchen allein in der Bundeshauptstadt
  • Offene, lockere, junge Leute auf Abenteuersuche

Nächtigungen in privaten Betten zum Nulltarif - das Urlaubsmodell "Suche Sofa - biete Couch zum Übernachten" findet immer mehr Anhänger. Weltweit vermitteln drei Organisationen rund 500.000 Reisefreudige online und via Newsletter. So haben sich bei "CouchSurfing" seit der Gründung Anfang 2004 rund 200.000 Mitglieder registriert.

Die Zahl der Sofa-Surfer, die durch Begegnung mit anderen Kulturen ihren Horizont erweitern wollen, steige unaufhaltsam an, sagte der Wahl-Wiener und Mitglied der ersten Stunde, Marcus Eder, der APA. Wien rangiere mittlerweile unter den globalen Hauptstädten für alternativ reisende Weltenbummler. Laut Eder liegt Österreichs Bundeshauptstadt mit knapp 2.000 freien Sofas sogar unter den Top-Ten. Insgesamt bieten hier zu Lande rund 3.000 Couch-Surfer gratis Schlafgelegenheiten an.

Offen, locker und jung
Meist seien es Studenten - in jedem Fall "offene, lockere, junge Leute", die auf Reisen durch den Kontakt mit Einheimischen neue Sichtweisen erlangen wollen, beschrieb Eder die Weltenbummler. In drei Jahren haben sich mittlerweile 70 neue Bekannte im Gästebuch des Computertechnikers verewigt, bei denen er selbst geurlaubt hat oder die in seiner Wiener Wohnung Ferien gemacht haben. Der exotischste Reisende, der bisher auf seiner Couch genächtigt hat, war ein Offizier aus Bangladesh, berichtete er. Diese Bekanntschaft ermöglichte Eder sogar die Teilnahme an einer UN-Konferenz.

Quer durch die Sofas Amerikas
Selbst wurde der Couch-Surfer bereits von Mitgliedern in den USA und Deutschland beherbergt. In Schweden war Eder im Herbst auf einer Halloween-Party bei Community-Freunden zu Gast und in Salt Lake City braute er zusammen mit Studenten Bier. Demnächst werde er Europa mit dem Motorrad erkunden und in Rom, Paris und London bei Couch-Surfern Station machen. Der Gründer der Organisation, der 28-jährige Casey Fenton aus den USA, hat per Sofa-Hopping bisher 20 Mal die Vereinigten Staaten durchquert.

Rückschlag 2006
Urlaub bei Fremden boomt - und das, obwohl das CouchSurfing-Projekt Ende Juni 2006 einen herben Rückschlag hinnehmen musste. Eine Festplatte wurde zerstört und rund 15.000 Mitgliederprofile zunächst gelöscht. Der Zusammenhalt der Community habe sich durch diesen Computer-Crash aber noch mehr gefestigt, berichtete Eder, der bei der "Wiederauferstehung" der Website federführend beteiligt war.

Älteste Organisation 1949 gegründet
Derartige alternative Reise-Plattformen haben weltweit geschätzte 500.000 Mitglieder. Der "Hospitality Club", der im Jahr 2000 von einem Deutschen gegründet wurde, zählt rund 300.000 Profile, so Eder. Die älteste derartige Organisation, "Servas" existiert sei 1949 und hat etwa 15.000 Aktive. (apa/red)

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