Rehakles und seine "Fußball-Götter": Vom Schattendasein über Nacht in den Olymp

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Denkt man an Griechenland und Sport, denkt man automatisch an Olympia. An die Spiele der Antike und das mittlerweile daraus entstandene weltumfassende Spektakel der Neuzeit. Denkt man seit 2004 an Griechenland und Sport, denkt man auch an Fußball und an die Helden-Sage der Europameisterschaft in Portugal. An Otto Rehakles (Ableitung von Herakles, der in der griechischen Mythologie zwölf übermenschliche Taten vollbringt) und seine Fußball-Götter in Blau-Weiß, die mit dem Gewinn des EM-Titels ein Stück Sportgeschichte geschrieben haben.

Rehhagel führte die Griechen mit Fachwissen, Erfahrung und einer Portion Glück von einer Sensation zur nächsten und schließlich mit dem Titelgewinn zum wohl spektakulärsten Erfolg eines Außenseiters in der EM-Geschichte. Der Deutsche vermittelte deutsche Tugenden bei der Umsetzung seiner Strategie. Das griechische Chaos wurde in eine verschworene Einheit umgewandelt. Knallharte Manndeckung aus der Mottenkiste ausgegraben. Selten zuvor heiligten die Mittel so den Erfolg.

Im Schatten des Klub-Fußballs
Der Triumph von Lissabon überstrahlt in der griechischen Fußball-Historie alles andere, was in anbetracht der spärlichen internationalen Erfolge in der langen Tradition des 1926 gegründeten Verbandes nicht weiter verwundert. Nur einmal konnte man sich bis zum Gewinn 2004 für eine WM- (1994) und EM-Endrunde (1980) qualifizieren. Beide Male kam in der Vorrunde das Aus.

Lange Zeit fristete die Nationalmannschaft ein Schattendasein. Die Aufmerksamkeit und Leidenschaft der fußballverrückten Griechen konzentrierte sich auf den Klubfußball. Auf die Rivalität der großen Vereine Panathinaikos, AEK und Olympiakos. Eine Rivalität die so ausgeprägt ist, dass das griechische Nationalteam darunter litt. Die Spieler der konkurrierenden Klubs konnten auch im Team ihre Differenzen nicht beilegen. Gespielt wurde gegeneinander und nicht miteinander. Trotz guter Fußballer blieben nennenswerte Erfolge deshalb aus. Nicht so negative Schlagzeilen. Gewaltorgien von Fans und korrupte Schiedsrichter und Verbandspräsidenten projizierten ein chaotisches und wenig schmeichelhaftes Bild.

Suspendierung durch die FIFA
Den Tiefpunkt bildete die Suspendierung des nationalen Verbandes HFF und aller seiner Vereine, Spieler und Offizielle durch den Weltverband im Juli 2006. Die FIFA sprach die Sanktion gegen den HFF wegen unerlaubter Einflussnahme politischer Entscheidungsträger in Verbandsangelegenheiten aus. Griechenland war damit der erste europäische Vertreter, der von einer solch drastischen Maßnahme betroffen war. Bis dato waren lediglich die Verbände Kambodschas und Kenias suspendiert worden.

Der drohende Bann, Ausschluss aus allen internationalen Bewerben, stellte für den griechischen Fußball eine existenzbedrohende Gefahr dar, die erst in letzter Sekunde durch ein neues Sportgesetz abgewendet werden konnte. Auslöser für den harten Schritt der FIFA war ein Streit zwischen dem konservativen Sportminister Giorgos Orfanos und dem der oppositionellen Sozialisten nahe stehenden HFF-Präsidenten, Wassilis Gagatsis.

Orfanos versuchte, durch eine Gesetzesänderung Gagatsis abzusetzen. Außerdem drohte er, dass die HFF keine staatlichen Gelder mehr bekommen solle. Einmal mehr war der griechische Fußball zu einem Spielball der Mächtigen und persönlicher Eitelkeiten geworden.

(red)

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29.11.2007 16:58
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