Im Schatten von Korruption und Rowdys:
Polen gibt in Österreich & Schweiz EM-Debüt

  • Porträt: Geschichte des polnischen Fußballbundes
  • PLUS: Steckbrief und die größten Stars des Landes

Anders als Gastgeber Österreich wird Polen bereits vier Jahre vor der Heim-EM das Debüt bei der europäischen Kontinental-
Meisterschaft geben. In einer extrem schwierigen Gruppe mit den WM-Teilnehmern Portugal und Serbien sowie dem starken Außenseiter Finnland setzte sich das Team des Niederländers Leo Beenhakker in unerwartet souveräner Manier durch.

Das polnische Team, dessen größte Erfolge jeweils dritte Plätze in den WM-Turnieren 1974 und 1982 sind, bestach wie schon in der Vergangenheit auch im Quali-Rennen für die EURO 2008 durch ein starkes Kollektiv, in dem die wirklich großen Namen fehlen. Dementsprechend unscheinbar darf auch der Stil der "Bialo-czerwoni" ("Die Weiß-Roten") bezeichnet werden. Auch unter dem Niederländer Beenhakker (65), der nach einer enttäuschenden WM-Endrunde 2006 als erster Ausländer das Geschick des Nationalteams übernommen hatte, zeigen die Polen einen schnörkellosen, aber erfolgreichen Kick.

Lediglich beim 0:1 in Armenien sowie dem 1:3 daheim gegen Finnland leisteten sich die Polen Ausrutscher. Auch der große Gruppenfavorit Portugal biss sich in zwei Spielen (1:2 auswärts, 2:2 heim) die Zähne aus. Als Mannschaftsstützen gelten Torhüter Artur Boruc und Stürmer Maciej Zurawski, die beide bei Celtic Glasgow ihr Geld verdienen, Fernschütze Jacek Krzynowek (VfL Wolfsburg) sowie Euzebius Smolarek (Real Santander). Polen ist auch eines der wenigen Länder, die auf Legionäre aus der österreichischen Bundesliga zurückgreifen. Mit Abwehrchef Jacek Bak und dem derzeit verletzten Arek Radomski stehen zwei Defensivspieler bei der Wiener Austria unter Vertrag.

Korruption und Ausschreitungen als schwere Last
Schatten auf das durch sportliche Leistungen sowie der gemeinsamen Ausrichtung der EM 2012 mit der Ukraine geschaffene, positive Image des polnischen Fußballs werfen jedoch in erster Linie Korruption-Skandale sowie schwere Hooligan-Ausschreitungen. So hatten die Nachwehen eines Bestechungsskandals aus dem Jahr 2005, der bis in die erste Liga reichte, auch die FIFA beschäftigt. Nach der Absetzung der unter Korruptionsverdacht stehenden Verbandsspitze durch die Regierung hatte der Weltverband mit dem Ausschluss aus der EM-Quali gedroht. Verbandschef Michal Listkiewicz wurde daraufhin wieder eingesetzt.

Keine Werbung für Polens EM-Ausrichtung machten auch Hunderte "Fans" des Spitzenclubs Legia Warschau, die im UI-Cup-Auswärtsspiel in Vilnius Anfang Juli den Rasen gestürmt und die Polizei heftigst attackiert hatten. Die UEFA sperrte Legia für zwei Jahre von allen internationalen Bewerben aus. Im Umfeld des WM-Gruppenspiels 2006 zwischen Polen und Deutschland hatte es nach teils ausgemachten Straßenschlachten über 400 Festnahmen gegeben.

(apa/red)

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29.11.2007 16:56
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