"Russischer Bär" als schlafender Riese: Vorgänger Sowjetunion holte 1. EM-Titel

  • Porträt: Geschichte des russischen Verbandes
  • PLUS: Steckbrief und die größten Stars des Landes

Guus Hiddink hat den "russischen Bären" wieder geweckt. Unter dem niederländischen Star-Coach kickten die Erben der Sowjetunion England aus dem Rennen und schafften den Sprung zur EM-Endrunde 2008. Das flächenmäßig größte Land der Welt vertraut dabei auf eine Equipe, deren Akteure fast durchgehend in der heimischen Premjer-Liga engagiert sind. Begünstigt durch finanzkräftige Investoren hatte diese einen nicht unwesentlichen Anteil am Aufschwung der Nationalelf.

Investitionen in Stadien und Infrastruktur wurden ebenso getätigt wie Transfers teils sündteurer Spitzenprofis aus Brasilien. Auch aus Österreich suchten in jüngster Vergangenheit zwei Profis ihr Glück in Moskau. Nachdem schon Emanuel Pogatetz den Sprung auf die Insel über den Umweg Spartak Moskau geschafft hatte, ist mit Martin Stranzl derzeit ein weiterer ÖFB-Teamverteidiger beim Hauptstadtclub engagiert. Mit Alfred Tatar werkt ein weiterer Österreicher als Co-Trainer bei Erstligist Amkar Perm.

Gern gesehener Gast
Zuletzt waren die Russen bei Großereignissen ein gern gesehener Gast - vor allem für die jeweiligen Gegner. Bei den EM-Endrunden 1996 und 2004 scheiterte die "Sbornaja" ebenso in der Vorrunde wie bei den WM-Teilnahmen 1994 und 2002. Dabei war der Vorläufer der Russischen Föderation bei der ersten Europameisterschaft der große Sieger. 1960 in Frankreich durfte die Sowjetunion um Torhüter-Legende Lew Jaschin den Titel bejubeln. 1964, 1972 und 1988 mussten sich die Sowjets jeweils mit dem zweiten Platz begnügen.

Unter Hiddink soll die "Perestroika" (Umstrukturierung) des russischen Teams vom Mitläufer zur Fußball-Großmacht vergangener Tage nun wieder geschafft werden. Der 61-jährige Niederländer folgte im Juli 2006 dem Ruf aus Moskau, und unterschrieb für ein kolportiertes Jahresgehalt von zwei Mio. Euro einen Vertrag bis 2008. Als offenes Geheimnis gilt, dass Chelsea-Clubboss Roman Abramowitsch als Gönner des Verbandes im Hintergrund agiert.

Wie auch als Teamchef der Südkoreaner (WM-Halbfinale) und Australier (WM-Achtelfinale) vertraut der Erfolgscoach auf ein konditionell starkes Kollektiv ohne wirkliche Stars. Vor einer sattelfesten Verteidigung setzt Russland auf ein laufstarkes Mittelfeld sowie mit Arschawin und Kerschakow auf ein pfeilschnelles Angriffsduo. In Russland liegen sie dem auch bei Sozialprojekten engagierten Hiddink, der seinen Kontrakt bereits im Oktober vorzeitig um zwei weitere Jahre verlängert hatte, nun zu Füßen. Er soll seine Schützlinge auch zur WM 2010 nach Südafrika führen.

(apa/red)

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29.11.2007 16:56
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