Zum Scheitern verurteilt: Spanien und
Don Quijote, der Ritter der traurigen Gestalt

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Niemand wird gerne mit Don Quijote, dem Ritter der traurigen Gestalt, der um noble Dinge kämpft, dies aber stets vergebens tut, verglichen. Für die spanische Fußball-Nationalmannschaft passt dieser Vergleich aber wie die Faust aufs Aug. Denn kaum ein anderes Team auf der Welt verlässt ihr zu Hause mit edleren Ansätzen, um bei Großereignissen dann grandios zu scheitern.

Seit jeher ist das so. An zwölf Weltmeisterschaften hat Spanien bislang teilgenommen, ein vierter Rang 1950 steht als beste Platzierung zu Buche. Bei Europameisterschaften erging es den Spaniern trotz des EM-Sieges 1964, dem einzigen Titel in der Geschichte des 1913 gegründeten Verbandes, kaum besser. Und selbst dieser Triumph stand auf wackeligen Beinen, da die Auswahl zum politischen Spielball des Franco-Regimes wurde. Finalgegner 1964 in Spanien war die damalige Sowjetunion, ideologischer Erzfeind der Diktatur. Es bedurfter harter Arbeit, Franco davon zu überzeugen, das Endspiel stattfinden zu lassen.

Spaniens Nationalmannschaft hat eine vergleichsweise kurze Geschichte. Sie wurde erstmals anlässlich der Olympischen Spiele 1920 formiert. Das sehr erfolgreiche Abschneiden der Auswahl, sie kam aus Antwerpen mit einer stolz errungenen Silbermedaille zurück, trug im spanischen Königreich sehr zur Popularisierung des Fußballs bei. Nie zuvor und nie danach hat es für die Nationalelf eine derartige Hochachtung im Land gegeben wie in den 1920er-Jahren.

Stier oder Torero?
Seitdem hat sich allerdings das Gefühl der Enttäuschung kollektiv ins Gedächtnis der Spanier eingebrannt. Das Scheitern ihres Teams hat sich über Generationen hinweg in so vielfältiger Form manifestiert, dass es wohl unmöglich ist, einen einzigen Grund dafür herauszufiltern. Es gibt verschiedene Ansätze sich den Ursachen zu nähern. Argentiniens Fußball-Legende Cesar Luis Menotti soll einmal gesagt habe, die Spanier würden nie etwas gewinnen, solange sie sich nicht entscheiden könnten, ob sie der Stier oder der Torero sein wollen.

Der ehemalige Manager von Real Madrid, Jorge Valdano, hat seine eigenen Ansichten über die 'gespaltene' fußballerische Persönlichkeit Spaniens. "Spanien ist ein kulturelles Mosaik. Die baskische und andalusische Schule sind so unterschiedlich, wie es der südamerikanische und europäische Fußball sein können. In dem Moment, wo es darum geht, eine Meisterschaft zusammenzustellen, wertet eine derartige Vielzahl an Stilen die Attraktivität einer Liga enorm auf. Versucht man sie jedoch, in eine Mannschaft zu integrieren, kann man ein Problem bekommen."

Spaniens Regionalismus
Dazu kommt, dass regionale Identitäten in Spanien eine sehr große Rolle spielen. Es geht sogar soweit, dass fast jede Region eine eigene Auswahl stellt. Die legendärste davon ist sicherlich die baskische Mannschaft, die wie die katalonische oder andalusische allerdings keine offiziellen Länderspiele austragen darf. Seit Jahren kämpft man darum, an internationalen Bewerben teilnehmen zu können, bislang ohne Erfolg. Ein entsprechender Antrag diverser Regionalparteien im Parlament von Madrid wurde von den spanischen Großparteien abgeschmettert.

Der stark ausgeprägte Regionalismus musste selbstverständlich auch als Erklärung für den mangelnden Erfolg herhalten, doch man muss sich nicht einmal mit der Thematik der Nationalismen auseinandersetzen, um eine fehlende Identifikation der Spanier mit ihrer Nationalmannschaft festzustellen. Hinzu kommt die übermächtige Leidenschaft für den Klubfußball, gegen die die "Seleccion" nur schwer ankommt.

Vielen Anhängern wird nachgesagt, dass sie sich über Tore der Nationalelf nur dann freuen können, wenn sie von Spielern ihres Lieblingsklubs erzielt werden. Gräben, die sich in der Vergangenheit auch durch die Mannschaft selbst gezogen haben. Gruppenbildungen anhand der Vereinszugehörigkeit. Die Spieler von Real Madrid sitzen an einem Tisch, die des FC Barcelona oder des FC Sevilla an einem anderen.

(red)

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29.11.2007 16:55
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