Arzneieinnahme in der Schwangerschaft:
Absetzen der Medikation oft Risiko fürs Kind
- Depression kann zu Geburtskomplikationen führen
- Rückfall der Mutter gefährlich für das Ungeborene

Frauen mit psychischen Erkrankungen setzen bei einer Schwangerschaft häufig ihre Medikamente ab, um für das Ungeborene kein Risiko einzugehen. Auch manche Ärzte würden oft aus Unwissenheit dazu raten - das könne aber auch negative Folgen für Mutter und Kind haben, so Claudia Klier von der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters. "Meist ist das Risiko eines Rückfalls höher als das Risiko durch die Substanz."
"Es wäre sicher optimal, während der Schwangerschaft ohne Medikation auszukommen, hier besteht aber ein oft hohes Rückfallsrisiko", erklärte Klier. Das Risiko betrage etwa 20 bis 30 Prozent. Wird die laufende Medikation abgesetzt, erhöht sich die Häufigkeit erneuter Symptome laut der Expertin bei depressiven und schizophrenen Erkrankungen auf 50 bis 60 Prozent und bei bipolaren Störungen auf bis zu 85 Prozent.
Geburtskomplikation bis Kindstot
"Der Rückfall birgt aber auch Gefahren für das Ungeborene", so Klier. Dadurch verursachte Angst und Stress, ein möglicher erhöhter Konsum von Suchtgiften und Nikotin hätten Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf und auch auf die kindliche Entwicklung. Depressive Symptome könnten z.B. zu Geburtskomplikationen und Verhaltensauffälligkeiten der Kinder bis ins Schulalter führen. Im schlimmsten Fall könne ein Rückfall für das Kind auch tödlich enden. "So stellt die Psychopharmakologie in der Schwangerschaft eine komplexe und oft schwierige Aufgabe dar."
Expertenmeinung einholen!
Betroffene sollten auf jeden Fall zu einem Experten gehen. "Keine Entscheidung bei der Behandlung psychisch kranker Frauen in der Schwangerschaft ist risikolos", so Klier. Heutzutage könne man aber schon eine relativ gute "Risiko-Nutzen-Einschätzung" vornehmen. "Der Großteil der Medikamente ist ziemlich ungefährlich. Es gibt zwei Substanzen, die wirklich gefährlich sind: Valproinsäure und Carbamazepin." Sechs bis zehn Prozent der Kinder, deren Mütter Valproinsäure eingenommen haben, würden an Missbildungen leiden. (apa/red)









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