Microsoft zieht jetzt Yahoo-Angebot zurück:
Angebot war laut Internetportal zu niedrig

  • Softwareriese bot Unternehmen 33 Dollar je Aktie
  • Preis nicht einziger Stolperstein für die Übernahme

Nach dreimonatigem Ringen hat Microsoft die milliardenschwere Übernahme von Yahoo vorerst aufgegeben. Der weltgrößte Softwarekonzern zog nach eigenen Angaben sein Gebot für das Internetunternehmen zurück. Microsoft-CEO Steve Ballmer erklärte in einem Brief an Yahoo-Chef Jerry Yang zur Begründung, Yahoo habe auch ein um fünf Milliarden auf 47,5 Mrd. Dollar (30,7 Mrd. Euro) aufgestocktes Angebot abgelehnt. Als weiteren Grund nannte Ballmer die Pläne Yahoos, mit dem Konkurrenten Google eine Allianz eingehen zu wollen.

"Nach eingehender Überlegung glauben wir, dass die von Yahoo verlangten wirtschaftlichen Forderungen für uns keinen Sinn ergeben", schrieb Ballmer. "Und wir denken daher, dass es im Interesse der Microsoft-Aktionäre, Mitarbeiter und der anderen Beteiligten ist, unser Angebot zurückzuziehen." Yahoos Direktoriumsvorsitzender Roy Bostock erklärte, der Internetkonzern sei von Anfang an der Meinung gewesen, durch das Angebot Microsofts unterbewertet worden zu sein.

Microsoft hatte ursprünglich 31 Dollar je Aktie für Yahoo geboten und dies dann auf 33 Dollar je Aktie aufgestockt. Yahoo habe jedoch 37 Dollar je Aktie verlangt, schrieb Ballmer. Einige Microsoft-Aktionäre hatten die Fusion wegen der hohen Kosten und unklaren Vorteilen infrage gestellt. Ballmer betonte, ausschlaggebend für ihn sei auch die Annäherung zwischen Yahoo und Google gewesen. Ein Übereinkommen mit dem dominierenden Suchmaschinenanbieter würde einen Kauf Yahoos für Microsoft nicht mehr wünschenswert machen. Microsoft wollte mit der Übernahme vor allem seine Position gegen Google stärken.

Anzeigen-Partnerschaft mit Google
Kreisen zufolge könnte Yahoo eine Partnerschaft mit Google im Anzeigengeschäft schon bald bekanntgeben. Bostock erklärte, Yahoo verfolge "strategische Chancen". Einzelheiten dazu nannte er nicht. Yahoo hat auch mögliche Übereinkommen mit Time Warners Internetsparte AOL und dem News Corps-Internetnetzwerk Facebook in Betracht gezogen.

Yahoo-Chef Yang müsse nun schnell mit einer strategischen Alternative aufwarten, sagte David Garrity von Dinosaur Research. "Es wird einen gewissen Anteil an Aktieninhabern geben, die darauf brennen, Klagen einzureichen." Bostock argumentierte dagegen, viele Anteilseigner Yahoos hätten das Angebot Microsofts ebenfalls als zu niedrig erachtet.

Analysten gehen jedoch davon aus, dass Yahoo mit seiner abwehrenden Haltung gegenüber Microsoft überzogen hat und erwarten, dass der Konzern dies mit einem Wertverlust seiner Aktien von 30 Prozent bezahlen wird. "Wow. Ich bin geschockt, dass Yahoo nicht vernünftiger war", sagte Walter Price von der RCM-Vermögensverwaltung in San Francisco, die sowohl Microsoft- als auch Yahoo-Aktien hält. Es sei zudem überraschend, dass Ballmer keine feindliche Übernahme für 33 Dollar je Aktie versucht habe.

Strategische Gründe für Rückzug
Andere Analysten glauben indes, dass Microsoft sein Gebot aus strategischen Gründen zurückgezogen haben könnte. Damit verstärke der Softwarekonzern den Druck auf Yahoo, ein künftiges Angebot anzunehmen. Die Gespräche könnten immer noch wieder aufgenommen werden, wenn sich die Umstände ändern sollten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Kreisen zufolge brachte Microsofts Drohung mit einer feindlichen Übernahme Yahoo bereits dazu, seine ursprüngliche Forderung von 40 Dollar je Aktie auf 38 Dollar je Aktie zu senken. Zuletzt hätten Yang und der Yahoo-Mitbegründer David Filo der Microsoft-Spitze ein Angebot des Direktoriums von 37 Dollar je Aktie überbracht, sich selbst jedoch weiterhin für einen Preis von 38 Dollar je Anteilsschein ausgesprochen. Nachdem keine Einigung erzielt worden sei, seien Filo und Yang in Erwartung eines Gegenangebots von 37 Dollar je Aktie nach Kalifornien zurückgeflogen.

Preis nicht einziges Hindernis
Der Preis sei jedoch nicht das einzige Hindernis in den Verhandlungen gewesen, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Microsoft habe kartellrechtliche Bedenken Yahoos nicht ausräumen können. Zudem habe Yahoo eine Garantie dafür gefordert, dass das Angebot Microsofts bis zu einer möglichen Übernahme unverändert bleibe.

Nach dem vorläufigen Scheitern betonten beide Seiten, auch ohne den jeweils anderen gut auskommen zu können. Nun könne Yahoo wieder all seine Energien auf den wichtigsten Wandel in der Geschichte des Konzerns richten, erklärte Yang. Ballmer schrieb in einem Brief an die Microsoft-Angestellten, zwar hätte der Kauf von Yahoo die Strategie für das Anzeigengeschäft und die Internetdienste des Konzerns beschleunigt. Er sei jedoch zuversichtlich, dass Microsoft seine Ziele auch ohne Yahoo erreichen könne.

(apa/red)

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