Viereinhalb Jahrzehnte Militärherrschaft: Burmas langer Leidensweg als Chronologie

  • Demokratiebewegung 1988 in Blutbad ertränkt

Burma (Myanmar) wurde von einer verheerenden Wirbelsturmkatastrophe mit Zehntausenden von Toten und Millionen Obdachlosen heimgesucht. Das rohstoffreiche südostasiatische Land, einstmals größter Reisexporteur der Welt, steht seit mehr als viereinhalb Jahrzehnten unter Militärherrschaft und ist unter der Diktatur völlig verelendet. Ein kurzer historischer Abriss:

11. Jahrhundert: Die aus dem tibetischen Raum eingewanderten Burmesen gründen unter König Anoratha im fruchtbaren Irrawaddy-Delta ein mächtiges Reich mit der Hauptstadt Pagan, das im 13. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Entfaltung erlebt. 1287 wird es von den Mongolen zerschlagen. Nach mehreren Jahrhunderten der Wirren richtet König Alaungpaya 1752 das Reich wieder auf.

1824: Beginn der britischen Eroberung.

1886: Der letzte burmesische König, Thibaw, wird mit seiner Familie von den Briten nach Indien deportiert. Burma wird an Britisch-Indien angeschlossen. Vernichtungsfeldzüge gegen aufständische Bevölkerungsteile.

1937: Beginn der Kampagne des zivilen Ungehorsams gegen die Kolonialmacht.

1942/43: Burma kommt unter japanische Herrschaft und wird nominell unabhängig.

1945: Die burmesische Befreiungsarmee unter der Führung von General Aung San, Chef der "Anti-Fascist People's Freedom League" (AFPFL), verbündet sich im Kampf gegen die Japaner mit den Alliierten. Nach Kriegsende erobern britische Truppen Burma zurück.

1947: Aung San wird Ministerpräsident und stirbt mit fast seinem gesamten Kabinett bei einem Terroranschlag. Die AFPFL einigt sich in Verhandlungen mit der britischen Labour-Regierung auf die Unabhängigkeit ohne Zugehörigkeit zum Commonwealth.

4. Jänner 1948: Unabhängigkeitserklärung der Burmesischen Union unter Ministerpräsident U Nu, der außenpolitisch einen blockfreien Kurs steuert. Ethnische Minderheiten (Karen, Kachin, Shan u.a.) streben die Bildung eigener Staaten an und lehnen sich mit separatistischen Milizen gegen die Zentralregierung in Rangun auf. Der Buddhismus wird zur Staatsreligion erklärt, wodurch die zentrifugalen Tendenzen Auftrieb erhalten.

1962: Militärputsch von General Ne Win, der einen "burmesischen Weg zum Sozialismus" mit einem autarken Wirtschaftssystem entwirft. Die Verstaatlichungspolitik des Regimes hat Misswirtschaft und Verelendung des Landes zur Folge.

1974: Autoritäre Verfassung mit Einheitspartei ("Sozialistische Programm-Partei").

1981: Ne Win tritt nominell als Staatsoberhaupt zurück, bleibt aber als Parteichef der eigentliche Machthaber.

1987/88: Regimefeindliche Demonstrationen. Ne Win tritt ab, Wiederzulassung privater Unternehmen, neuerlicher Militärputsch unter General Saw Maung. Die Armee zerschlägt die Demokratiebewegung, Tausende sterben oder werden verschleppt.

1989: Die Militärjunta dekretiert die Staatsbezeichnung "Myanmar" auch in Fremdsprachen. Aung San Suu Kyi, Tochter von Aung San, tritt an die Spitze der neugegründeten Nationalen Liga für Demokratie (NLD) und wird von den Machthabern unter Hausarrest gestellt.

1990: Die Junta lässt Wahlen zu einer konstituierenden Nationalversammlung abhalten: Erdrutschsieg der NLD, das Militär verweigert die Machtübergabe und verschärft die Repression.

1991: Aung San Suu Kyi erhält den Friedensnobelpreis, den ihre Söhne für sie in Oslo entgegennehmen.

1992: General Than Shwe löst General Saw Maung als Juntachef ab. Die Armee intensiviert ihre Feldzüge gegen Minderheitenvölker (300.000 muslimische Rohingya flüchten nach Bangladesch, 100.000 Karen nach Thailand).

1995: NLD zieht sich aus einem von der Junta gebildeten "Verfassungskonvent" zurück.

1997: Ungeachtet heftiger westlicher Proteste wird Burma als Vollmitglied in die Südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN aufgenommen.

2003: Der langjährige Geheimdienstchef General Khin Nyunt wird Premierminister und kündigt einen siebenstufigen "Demokratie-Fahrplan" und Liberalisierungsmaßnahmen an.

2004: Khin Nyunt wird von den "Hardlinern" unter Vize-Juntachef General Maung Aye gestürzt und inhaftiert. Maung Aye gilt als enger Vertrauensmann Pekings. Neuer "Verfassungskonvent" ohne Teilnahme oppositioneller Vertreter.

2006: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gibt bekannt, dass das burmesische Militärregime sämtliche Besuche von Gefangenen untersagt. US-Resolutionsentwurf gegen burmesische Junta scheitert im UNO-Sicherheitsrat am Veto Russlands und Chinas.

2007: Die Junta verlegt den Regierungssitz in die neu errichtete Hauptstadt Naypyidaw bei Pyinmana im Zentrum des Landes, 400 Kilometer nördlich von Rangun. Drastische Erhöhungen der Treibstoffpreise führen zu wochenlangen Protesten, denen sich auch die buddhistische Geistlichkeit anschließt. Die Proteste werden vom Regime im September rücksichtslos niedergeschlagen. Im Weltsicherheitsrat verhindert China jegliche Verurteilung des Vorgehens der Junta. Thailand schlägt ohne Erfolg multilaterale Burma-Gespräche unter Einbeziehung von China und Indien vor.

2008: Die Junta legt einen Verfassungsentwurf vor, der die Macht des Militärs absichern soll. Der Text soll in einem Referendum am 10. Mai angenommen werden.

(apa)

7.5.2008 14:22
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