Heldenepos unter der Halbmond-Flagge: Türkei im Taumel nach Überraschungssieg
- Nach 0:2 Rückstand gegen Tschechien aufgeholt
- Trainer Terim: "Wir haben immer daran geglaubt"

Es war eines der größten Comebacks in der Geschichte der Fußball-EM. Erneut hatte die Türkei in den Schlussminuten ein Spiel gedreht. Doch das 3:2 gegen Tschechien übertraf das 2:1 vier Tage davor gegen die Schweiz noch einmal um Welten. Niemand hätte bei zwei Toren Rückstand 15 Minuten vor Schluss noch einen Cent auf die Türken gesetzt - außer diese selbst.
"Wir haben immer daran geglaubt", versicherte Teamchef Fatih Terim. "Ich bin froh, dass ich eine Mannschaft habe, die niemals aufgibt - bis der Schiedsrichter pfeift." Der Anschlusstreffer von Arda Turan, der schon gegen die Schweiz in der Nachspielzeit das 2:1 erzielt hatte, setzte noch einmal neue Kräfte frei. Am Ende war es Kapitän Nihat, der erst von einem Patzer von Tschechien-Keeper Petr Cech profitierte (87.) und die Türkei zwei Minuten später in den siebenten Fußball-Himmel schoss.
Hoffnungsvoller Trainer
Bei einem Unentschieden hätte erstmals in der EM-Geschichte nach der Gruppenphase ein Elfmeterschießen über den Aufstieg entschieden. "Viele haben nach dem 2:2 ein Elfmeterschießen erwartet, aber ich habe der Mannschaft signalisiert, noch einmal nachzusetzen", erklärte Terim. "Wir haben der Welt gezeigt, wozu wir fähig sind. Ich bin ein Mensch, der nie die Hoffnung verliert."
Das taten auch seine Spieler nicht. Nach einer schwachen ersten Hälfte übernahmen die Türken nach der Pause das Kommando. "Der Trainer hat uns in der Pause einen Arschtritt gegeben. Das war auch bitter nötig", erklärte Außenverteidiger Hamit Altintop. Der Bayern-München-Legionär hatte zu allen drei Toren die Vorarbeit geleistet - wenngleich jene zum Ausgleich durch Nihat unter großer Mithilfe von Cech gestanden war.
Triumph der Fußballgeschichte
Hunderttausende hatten daraufhin in der Türkei auf den Straßen gefeiert. Die türkische Presse bejubelte einen der größten Triumphe ihrer Fußball-Historie. "Ein atemberaubendes Comeback. Die türkische Mannschaft hat Geschichte geschrieben", schrieb die Zeitung "Hürriyet". "Das ist wie ein Heldenepos", ergänzte die "Milliyet". "Das Selbstvertrauen ist am Höhepunkt. Diese Spieler werden sich nicht so bald besiegen lassen."
(apa/red)
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