Matura für die Winzer: NEWS über das 'Vinaria'-Ranking österreichischer Weine

  • Christoph Wagner zu Superlative und Geheimtipps
  • NEWS: 4 Newcomer in der Drei-Goldsterne-Kategorie

,Vinaria' aktuell. Was für Schüler die Reifeprüfung, ist für Österreichs Weine das alljährliche, Vinaria'-Ranking. Vorzugszeugnisse gibt's aber nur wenige.

Ein wahrer Früchtekorb tapeziert den Gaumen." "Ein burgundisch geprägter, salziger Wein mit kräftiger Holzdosis." "Saft, Kraft, Brombeeren, Kirschen und Beerenmus." "Noten von Biskuit, Renetten und zarter Exotik galoppieren gemeißelt, kraftvoll und mineralisch über die Zunge." "Die Textur ist von aristokratischem Honigschmelz, Kaffee-röstig und von geschliffener Mächtigkeit."

Wenn Weinkoster dermaßen poetisch und Winzer entsprechend euphorisch werden, so weiß der Kenner, dass ein neuer "Vinaria"-Guide erschienen ist. Und die Winzer, die mit so viel Aufwand an schmückenden Adjektiven in den (leider nicht erblichen) Adelsstand der Drei-Goldsterne-Kategorie erhoben wurden, sind heuer Karl Alphart aus Traiskirchen, Albert Gesellmann aus Deutschkreutz, Bernhard Ott aus Feuersbrunn und Willi Sattler aus Sernau.

Vorsichtige Koster, noble Winzer. Damit sind die vier (gar nicht mehr so neuen) Newcomer in die Gruppe der nur 26 Goldsternwinzer aufgenommen worden, auf die die Jury sich einstimmig einigen muss - was wohl auch der Grund ist, warum sich dort seit Jahren nur "sichere Banken" tummeln und junge, wilde Winzer es schwer haben, an die Spitze zu gelangen. Dazu kam, dass die "Vinaria"-Jury (sie gilt als unbestechlich, streng und konservativ) bei den heurigen Verkostungen eine Art Parallelslalom zwischen dem Jahrhundertjahrgang 2006 und dem regional recht durchwachsen, bisweilen auch zwielichtig ausgefallenen 2007er laufen musste.

Als Faustregel kann gelten: Rotweine aus dem Jahr 2007 liegen entweder noch in den Fässern oder können mit jenen von 2006 nicht mithalten. 2007 wiederum lieferte viele frische und leichte, witterungsbedingt aber wenige wirklich vollmundige und ziselierte Weine - was allerdings nicht für die vom Wettergott freundlich behandelte Südsteiermark und natürlich auch nicht für die Wachauer Top-Smaragde gilt.

Superlative und Geheimtipps
Trotz solch verschlungener Verkostungspfade ist den "Vinaria"-Machern Erwin Goldfuß und Peter Schleimer mit 2.400 verkosteten Weinen, 270 Weingütern und einem Umfang von 432 Seiten auch heuer ein "Guide der Superlative" gelungen. So schaffte etwa auch ein "bescheidener" Einsternwinzer wie Karl Kadlec eine Dreisternegranate wie den roten Lyss Cuvée '06 ("ein saftiger Wein, fast zum Kauen"). Herbert Zillinger aus Ebenthal, ebenfalls "einsternig", sahnte mit seinem Grünen Veltliner "Radikal" gleich drei goldene Sterne für einen Wein ab, "der rauchig-speckig durchzogen aus dem Glas dringt". Auch dem Traisentaler Einsterner Thomas Dockner gelang mit seinem Traminer Pletzengraben '07 ein Dreisternewein, der, "wäre er mit seinem betörenden Duftstrauß nicht gar so gut gelungen, als Karikatur seiner selbst durchgehen könnte".

Wie sich die Roten des Jahrgangs 2007 entwickelt haben, können die Koster erst im Herbst feststellen, wenn sie auf den Markt kommen. Dann darf weitergedichtet werden.

"Vinaria"-guide. Noch mehr Infos über die aktuellsten Ergebnisse des "Vinaria"-Guides sowie weitere interessante Gewächse aus Österreichs Rieden finden Sie unter www.news.at/magazin


Bild v.l.: Hannes Sattler. Der Chef des Sattlerhofs im südsteirischen Sernau ist einer der Aufsteiger '08; Karl Alphart. Der Winzer aus Traiskirchen wurde im neuen "Vinaria"-Guide mit einem Goldstern ausgezeichnet; Gerhard Markowitsch. Der Göttlesbrunner ist ebenfalls einer der "Vinaria"-Newcomer des Jahres.

Lesen Sie die gesamte Geschichte im NEWS 25/08!

Quelle: news.at

25.6.2008 17:31
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