Vom Gendarmen zum Landeshauptmann: Platter im zweiten Anlauf zum Traumberuf

  • Ist mit 54 Jahren an seinem Karriereziel angelangt
  • Stationen im NR, Tiroler LReg und Innenministerium

Klein angefangen, groß herausgekommen. Günther Platter, gelernter Gendarm, ist mit 54 Jahren an seinem Karriereziel angelangt. Nach Stationen im Nationalrat, der Tiroler Landesregierung, im Verteidigungs- und im Innenministerium hat der gebürtige Zamser seine Nominierung als Landeshauptmann-Kandidat der ÖVP sicher. Bei seinem ersten Anlauf war er noch in einer Kampfabstimmung an Herwig van Staa gescheitert, den er nun ablöst.

Während der Innenminister in Tirol durchaus beliebt ist, gilt er in Wien nicht unbedingt als Top-Mann der ÖVP-Regierungsriege. Zu hölzern wirkt Platter oft, zu eingelernt seine Stehsätze. In der Ausländer-Politik positionierte er sich immer mehr als Hardliner. Keine Gnade kannte Platter etwa im Fall Zogaj. Monatlich lässt er per Presseaussendung bejubeln, wenn Asyl- oder Einbürgerungszahlen zurückgehen. Bei der Integrationsdebatte hebt er lieber Pflichten als Rechte von Zuwanderern hervor.

Freundlich im Umgang
Dabei ist der Zamser einer jener Politiker, gegen die im persönlichen Umgang nur wenige etwas haben. Kerniger Akzent, freundlich im Umgang, manchmal sogar humorvoll und loyal - dieses Image haftet Platter in der Politszene an. Er beherrscht aber auch durchaus die Orgeln der politischen Machtspiele. Als er bei den letzten Koalitionsverhandlungen geopfert werden sollte, rettete er mit der Tiroler Landespartei und dem ÖAAB seinen Kopf und entkam sogar dem von ihm nicht gar so geliebten Verteidigungsministerium ins deutlich prestigeträchtigere Innenressort.

Hardliner in der Ausländer-Politik
Dort beschäftigt sich der Minister bevorzugt mit Sicherheits- und Polizeithemen. Seine Rolle als Hardliner in der Ausländer-Politik gefällt dem eher harmoniefreudigen Platter dem Vernehmen nicht allzu sehr. Relativ unbeschadet kam er bisher aus der Ministerien-Affäre hervor, die nach den Aussagen des von ihm abgelösten Bundeskriminalamtschefs Herwig Haidinger sogar zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss geführt hatte.

Seine größten Erfolge
Bundespolitisch Platters größter Erfolg lag freilich im Verteidigungsressort. Mit der Wahl von Helmut Zilk zum Vorsitzenden der Bundesheer-Kommission gelang dem Verteidigungsminister ein Coup. Gemeinsam schaffte man es völlig unerwartet, das Verständnis aller für den Abschlussbericht zu bekommen - freilich stockt die Umsetzung der Reform mittlerweile. Mit der Eurofighter-Typenentscheidung hatte Platter nichts zu tun, allerdings musste er den Kaufvertrag unterschreiben. Ein ständiger Streit mit Opposition und SPÖ begleitet ihn seither.

Intermezzo in Tiroler LReg
Dass Platter nach einem Intermezzo in der Tiroler Landesregierung überhaupt wieder nach Wien kam, hatte einen landespolitischen Grund. Landeshauptmann Van Staa wollte seinen ewigen Kontrahenten aus dem Land los werden, nachdem der lokale ÖAAB-Obmann ihm ja in einer Kampfabstimmung nur knapp im Duell um den Landeschef unterlegen war. So war auch Van Staas massiver Einsatz zu erklären, dass Platter auch unter Rot-Schwarz einen schönen Posten in Wien behält.

Sein Werdegang
Platter wurde am 7. Juni 1954 in Zams im Tiroler Oberland geboren. 1969 begann er eine Buchdruckerlehre, die er vier Jahre später mit der Gesellenprüfung abschloss. Zwei Jahre lang übte Platter den Beruf des Buchdruckers aus, ehe er 1976 seine Tätigkeit als Exekutivbeamter aufnahm, die er bis 1994 ausübte. 1978 heiratete Platter, der Ehe entstammen zwei mittlerweile erwachsene Kinder.

In den 80er-Jahren begann Platter seine politische Karriere, zuerst als Gemeinderat (1986-1989), dann als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Zams (1989-2000). 1994 kam er als Abgeordneter erstmals politisch nach Wien, ging 2000 als Sport- und Kulturlandesrat zurück nach Tirol, wurde dort ÖAAB-Chef und unterlag Van Staa in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz, was wiederum seine zweite Wiener Periode einleitete.

Seine Hobbys
Privat fährt der künftige Landeshauptmann gerne Ski und stürmt die Berge. Auch das Gitarre-Spielen und der Gesang haben es ihm angetan, wie Platter gerne und medienwirksam bei Truppenbesuchen im Ausland unter Beweis stellte.

(apa/red)

23.6.2008 19:20
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