Gastgeber der EURO 2008 zogen positive
Bilanz: Jetzt hoffen auf "Fußball-Boom"

  • Fußballfest trug Teil zur europäischen Integration bei
  • Schweizer und Österreicher sehen sich als Gewinner

Der große Gewinner der EURO 2008 ist der Fußball selbst - auch in den beiden Gastgeber-Ländern. Das bestätigten ÖFB-Präsident Friedrich Stickler und sein Schweizer Kollege Ralph Zloczower vor dem Finale in einer Pressekonferenz in Wien. Auch die Vertreter der Gastgeberländer zogen eine positive Bilanz. "Die 13. EM war ein Glück für Österreich und die Schweiz. Viele unserer Hoffnungen sind in Erfüllung gegangen", sagte Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.

Der Kanzler betonte ebenso wie der Schweizer Bundesrat Samuel Schmid das völkerverbindende Element, das das drittgrößte wiederkehrende Sportereignis der Welt in sich getragen hatte. "Es war ein echtes Fest der europäischen Integration", erklärte Gusenbauer. Dem Regierungschef war es bei den sonst so pünktlich beginnenden UEFA-Medienkonferenzen sogar nachgesehen worden, wegen eines Krisengipfels in der Koalition mit zehn Minuten Verspätung im Ernst-Happel-Stadion eingetroffen zu sein.

Gusenbauer betonte, dass im Vorfeld in der Bevölkerung zu Unrecht Ängste geschürt worden waren. "Angekündigte Negativ-Szenarien haben nicht stattgefunden", erklärte der Bundeskanzler und verwies darauf, dass die Veranstalter sowohl die Hooligan-Problematik, die Verkehrsströme, als auch die Fan-Massen in den Innenstädten im Griff gehabt haben. "Ich denke, wir waren charmante und kompetente Gastgeber", sagte Gusenbauer.

Fairness stand im Vordergrund
Selbst die mäßigen Erfolge der beiden Gastgeber-Teams sowie das immer wieder schlechte Wetter hätten der Stimmung keinen Abbruch getan. "Außerdem freuen wir uns über hohe sportliche Qualität und große Fairness." Gusenbauer lobte vor allem die Zusammenarbeit mit der Schweiz. "Aus Nachbarn sind Freunde geworden", erklärte der Bundeskanzler. Der Schweizer Bundesrat Schmid ergänzte die Notwendigkeit: "Die Schweiz könnte ein Event dieser Größe nicht alleine durchführen."

Während die Politiker die ökonomische Nachhaltigkeit der EURO betonten, hob Stickler den langfristigen Nutzen für den Sport hervor. "Es identifizieren sich nun wesentlich mehr Menschen mit Fußball. Diese EURO hat vielen Menschen den Fußball wieder nahe gebracht, die sich sonst eher distanziert verhalten", meinte der ÖFB-Präsident, der die Vereine im größten österreichischen Sportverband auf einen möglicherweise größeren Zulauf von Kindern und Jugendlichen gut vorbereitet sieht.

Sommermärchen für Verbände
"Diese EM war ein Traum für beide Verbände. Es war sogar ein bisschen Sommermärchen", sagte Stickler. "Wir haben in vielen Bereichen neue Standards gesetzt." Etwa im Bereich der TV-Zuschauer, wo die Zahlen der EURO 2004 in Portugal noch einmal übertroffen wurden. Jedes einzelne Spiel war weltweit von mehr als 150 Mio. Menschen verfolgt worden. Selbst das Krisenmanagement habe gut funktioniert, ergänzte Zloczower mit Hinweis auf den Rasen-Wechsel in Basel vor dem Viertelfinale.

"Auch diese Bewährungsprobe haben wir bestanden", sagte Zloczower, der die 5.000 freiwilligen Helfer als "das Gesicht der EURO 2008" hervorhob. Auch die beiden Verbandschefs lobten die Kooperation, Stickler gab sogar eine "Liebeserklärung an die Schweiz" ab. "Ich denke, man kann mit niemandem besser zusammenarbeiten", sagte der ÖFB-Präsident. "Die EURO war eine friedliche Massenbewegung - und der Fußball stand im Mittelpunkt." Und das ist schließlich das Entscheidende.
(apa/red)

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