Völlig offene Suche nach neuem Trainer:
ÖFB-Teamchef soll bis Ende Juli feststehen

  • Ziel des neuen Coaches ist Qualifikation für WM 2010
  • Herzog für Prohaska geeigneter "Hicke"-Nachfolger

Einen Tag nach dem Rückzug von Josef Hickersberger als österreichischer Fußball-Teamchef hat das ÖFB-Präsidium über die Neubesetzung des höchsten Traineramts des Landes beraten. Wie ÖFB-Präsident Friedrich Stickler nach Sitzungsende bekanntgab, wird er sich gemeinsam mit Bundesliga-Präsident Martin Pucher auf die Suche nach einem "Hicke"-Nachfolger machen, der bis spätestens Ende Juli feststehen und einen Vertrag bis zum Ende der WM-Qualifkation erhalten soll. Im Falle einer Teilnahme am Turnier 2010 in Südafrika würde sich der Kontrakt automatisch für die Endrunde verlängern.

"Ende Juli ist der äußerste Zeitpunkt, dann wollen wir den neuen Teamchef haben. Es gibt aber eine bestehende Infrastruktur mit Andreas Herzog, der Vorbereitungen treffen und Spieler beobachten wird", sagte Stickler, der explizit keine Kandidaten nannte, aber einen Ausländer als künftigen Nationaltrainer nicht ausschloss: "Derzeit haben wir ein international gebildetes Reservoir von Spielern, dass ich mir auch bei einem englischsprachigen Trainer keine Sorgen mache. Wir wollen einen Trainer, der unsere Zielsetzungen erfüllt, wir wollen keinen Trainer, der in diesen Seilschaften drinnen hängt."

Gefahndet werde nach einem Coach, "der diese Mannschaft zur WM 2010 führt, wir haben also ein sehr ambitioniertes Ziel. Wir suchen dazu einen Mann, der entsprechend nationale und internationale Erfahrung hat. Wir wollen jemanden, der den Weg Hickersbergers einer sehr jungen und ambitionierten Mannschaft übernimmt und fortsetzt." Der neue Teamchef werde sorgsam ausgewählt, versprach Stickler. "Wir sind völlig offen in unserer Kandidatensuche, werden auf nationaler und auch internationaler Ebene Namen und Kandidaten suchen und schauen, möglichst schnell zu einer Short List zu kommen. Ich möchte niemanden ausschließen."

Eine zu geringe Auswahl an qualifizierten Betreuern für den Posten befürchtet Stickler nicht. "Es gibt eine Reihe sehr guter Trainer, die auf dem Markt sind oder sehr bald auf dem Markt sein werden."

Bundesliga wird weiter einbezogen
Der ÖFB-Chef, der von einer "konstruktiven Präsidiumssitzung" berichtete, in der es "keinen Krach" gegeben hätte, verteidigte die starke Einbindung der Bundesliga. "Ich kann mich an keine Teamchef-Bestellung erinnern, wo die Bundesliga kein Teil war. Ich habe damit überhaupt keine Probleme." An finanziellen Dingen werde die Verpflichtung wohl nicht scheitern. "Natürlich ist Geld ein dirigierender Faktor, wir werden uns nicht in Dimensionen wie große Vereine vorwagen können, aber der ÖFB wird alle Möglichkeiten ausschöpfen. Wir sind aufgrund dieser EM in gar keiner so schlechten Situation."

Deshalb sei auch ein Verbleib von Conditioning Coach Roger Spry nicht ausgeschlossen. "Das wird aber wesentlich vom neuen Teamchef abhängen. Über seine Arbeit haben wir sehr klar Auskunft gegeben, dass er sehr gut gearbeitet hat. Was wir auf jeden Fall fortsetzen wollen, ist diese Art der konditionellen Betreuung. Das war ein großer Erfolg, ich sehe unsere Mannschaft als eine der fittesten des Turniers."

"Waren mit Hickersberger sehr zufrieden"
Über den Abgang von Hickersberger zeigte sich Stickler betrübt. "Mit Bedauern habe ich das zur Kenntnis genommen, wir waren ja eigentlich einig mit ihm, weiterzumachen. Wir waren mit dem Weg, den er in den letzten Monaten eingeschlagen hat, sehr zufrieden. Ich glaube nach wie vor, dass er der richtige Mann gewesen wäre, diesen Weg fortzusetzen, den er jetzt mitten auf diesem Weg verlässt, und das bedauere ich." "Hickes" Saat werde aber schon bald aufgehen. "Ich glaube, dass das, was er entwickelt hat, uns noch viel Freude bereiten wird."

Mit dem Verlauf der EURO 2008 war Stickler trotz des Ausscheidens nach der Gruppenphase zufrieden. "Wir haben uns sehr tapfer geschlagen. Man soll ja nicht mit Hätte und Wäre argumentieren, aber wir waren ganz knapp dran. Ich glaube, dass die Vorstellung der Mannschaft besser war als der Stand am Abschluss in der Tabelle."

"Herzog könnte Weg am besten weiterführen"
Fußball-Legende Herbert Prohaska hält Andreas Herzog für einen geeigneten Kandidaten für die Nachfolge des zurückgetretenen Teamchefs Josef Hickersberger. "Herzog könnte den Weg am besten weiterführen. Vom Wissen und Können habe ich keinerlei Bedenken", meinte der 52-Jährige über den 39-jährigen bisherigen Assistenten von "Hicke".

Prohaska hat allerdings auch Zweifel, die aus Herzogs fehlender Routine als Coach resultieren: "Durch seine mangelnde Trainererfahrung ist er sehr leicht und schnell angreifbar." Prohaska selbst schließt eine Rückkehr auf den Teamchef-Stuhl kategorisch aus. Dort hatte "Schneckerl" ja zwischen 1993 und 1999 Platz genommen und das ÖFB-Team zur WM 1998 geführt.

Rahmenbedingungen wichtiger als Namen
Viel wichtiger als der Name des Trainers seien aber laut Prohaska die Rahmenbedingungen, die dem neuen Nationalcoach zur Verfügung stehen. "Das Wichtigste ist, dass sich der ÖFB deklariert, dass auch dem nächsten Teamchef ein so großes Betreuerteam zur Verfügung stehen wird. Es müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden." Denn für den nunmehrigen ORF-Chefanalytiker haben die Maßnahmen des ÖFB in den Jahren vor der EURO bereits teilweise gegriffen, "denn wir waren eine der fittesten Mannschaften des gesamten Turniers".

(apa/red)

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24.6.2008 16:09
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