EURO brachte fußballerisches Spektaktel: Viel Offensive, Fairplay und Überraschungen

  • Russland und die Türkei werden in Erinnerung bleiben
  • Kein absoluter Superstar, aber enttäuschte Gastgeber

Die EURO 2008 war nicht nur Werbung für Österreich und die Schweiz, sondern auch für den Fußball. Die 31 Spiele der 13. EM der Geschichte waren größtenteils von Offensivdrang und Tempo geprägt, die EURO avancierte damit zum spielerisch attraktivsten Fußball-Großereignis seit vielen Jahren. Folgerichtig hat sich mit Spanien in einem würdigen Finale gegen Deutschland auch ein Team durchgesetzt, das die turniertypischen Attribute verkörpert hat.

Für die beiden Gastgeberländer war das Turnier allerdings sportlich eher ein Reinfall. Österreich (1 Punkt) und die Schweiz (3 Punkte/als erstes der 16 Teams ohne Aufstiegschance) scheiterten bereits in der Gruppenphase. Die Schlagzeilen in den beiden Ländern waren nach dem "unglücklichen Scheitern" so gut wie ident. Beide Teams zeigten nämlich durchaus ansprechende Leistungen und orientierten sich am allgemeinen Offensivgeist.

Die Schwäche vor dem gegnerischen Tor war jedoch der Sargnagel der "Nati" und des ÖFB-Teams. Österreich schaffte nur einen einzigen Treffer. Dieser gelang Ivica Vastic gegen Polen durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit, mit dem er zum ältesten Torschützen der EM-Geschichte avancierte.

Wetter war nicht hochsommerlich
Mit hochsommerlichem Flair wie bei der WM 2006 in Deutschland konnte die EURO mehrheitlich nicht dienen, vor allem in der Schweiz waren die ersten Turniertage verregnet und trüb. Der Höhepunkt der Wetterkapriolen war die "Wasserschlacht" von Basel zwischen der Schweiz und der Türkei. Sintflutartige Regenfälle erzwangen beinahe einen Abbruch und schließlich einen Rasenwechsel im St. Jakob-Park.

Die Leistungen der Schiedsrichter waren durchwachsen, an der Spielweise der Akteure lag dies jedoch nicht. Diese hielten sich nämlich größtenteils vorbildlich ans UEFA-Fairplay-Turniermotto "Respect". Der Tiroler Konrad Plautz und seine Kollegen mussten nur 122 Gelbe und 3 Rote Karten verteilen. Eine der wohl skurrilsten Referee-Entscheidungen der EURO war der Platzverweis von Joachim Löw und Josef Hickersberger durch Manuel Mejuto Gonzales. Die Teamchefs Österreichs und Deutschlands mussten daraufhin den Rest des Schlüsselspiels um den Viertelfinaleinzug von der Tribüne aus verfolgen. Das galt für Löw aufgrund der folgenden Sperre auch im Viertelfinale gegen Portugal.

Portugal zu schwach
Portugal war eines von drei Teams, das trotz Platz eins in der Gruppenphase gleich in der ersten K.o.-Runde scheiterte. Dasselbe Schicksal ereilte nämlich auch Kroatien (gegen die Türkei) sowie die Niederlande (gegen Russland), die in der Vorrunde die WM-Finalisten Italien (3:0) und Frankreich (4:1) zerlegten und auf dem Weg zum Titel anfangs nicht zu stoppen schienen. Wie so oft wurden die Prognosen jedoch über den Haufen geschmissen. Die einzige Ausnahme stellten die Spanier dar, die nach dem Gruppensieg mit dem Punktmaximum weiter marschierten und schließlich sogar völlig verdient den Titel holten.

Teams, die nicht auf die Offensive setzten, wurden diesmal bereits früh ausgesiebt, allen voran Titelverteidiger Griechenland. Die Truppe von Teamchef Otto Rehhagel enttäuschte auf der ganzen Linie, verlor alle drei Partien gegen Schweden (0:2), Russland (0:1) und Spanien (1:2) und schied mit der schlechtesten Bilanz aller 16 EURO-Starter aus. Auch Weltmeister Italien wurde fürs "Mauern" beinhart bestraft. Die Italiener retteten sich ohne ihren kurz vor Turnierstart verletzten Kapitän Fabio Cannavaro mit Hängen und Würgen ins Viertelfinale und dort gegen Spanien mit Defensive pur ins Elferschießen. Dort kam dann jedoch das Aus.

Überraschungsteams Türkei und Russland
Ganz anders präsentierten sich die Überraschungsteams der EURO: die Türkei und Russland. Beide scheiterten erst im Halbfinale. Die Russen begeisterten durch erfrischenden und temporeichen Fußball, die Türken durch historische Steherqualitäten.

Ein wirklichen Superstar des Turniers wie einst Pele, Diego Maradona oder Ronaldo hat sich nicht herauskristallisiert. Ähnlich wie Brasiliens Ronaldinho bei der WM 2006 erfüllte auch Portugals Cristiano Ronaldo bei der EM 2008 die überdimensionalen Erwartungen der Öffentlichkeit in seine Person nicht. (apa/red)

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30.6.2008 11:37
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