Fan-Feiern ohne Happy End in Deutschland:
Krawalle in Magdeburg nach der Niederlage

  • Kleinere Zwischenfälle im Münchner Olympiastadion
  • Ansonsten friedliche und faire Stimmung unter Fans

Ganz Deutschland im Fußball-Rausch - und am Schluss trauerten Millionen Fans unter dem nächtlichen Sommerhimmel: Nach der Devise "Noch größer, noch bunter, noch lauter" hatten die deutschen Fans den ganzen EM-Final-Sonntag ein schwarz-rot-goldenes Fußball-Volksfest gefeiert. Nach dem Sieg Spaniens machte sich zwar große Enttäuschung breit, aber in den Fanzonen blieb es weitgehend friedlich.

Lediglich in Magdeburg zogen nach Spielende rund 100 Randalierer durch die Innenstadt, zündeten Müllcontainer an und warfen Steine und Flaschen auf Polizisten. Einsatzautos wurden beschädigt, Verletzte gab es nach Angaben der Polizei aber nicht. Im Münchner Olympiastadion gab es Reibereien, als enttäuschte Fans beim Public Viewing den Rasen stürmten. Bilanz: Einige Leichtverletzte.

Ansonsten meldeten die Polizeidienststellen in Deutschland übereinstimmend: Keine Zwischenfälle. "Die Fans zogen bisher sehr diszipliniert, sehr ruhig und sehr anständig als faire Verlierer von der Fan-Meile", hieß es in Berlin. Dort steht eine neue Fan-Party an. Die Nationalmannschaft will wie bei der WM 2006 gemeinsam mit den Berliner Fans feiern - trotz der Niederlage. Diesmal ist man immerhin "Vize" geworden, nachdem es vor zwei Jahren bei der Heim-WM "nur" zum dritten Platz gereicht hatte.

Als Vize nach Berlin
Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler tröstete die Nationalmannschaft und vor allem auch alle deutschen Fans. "Zum Fußball-Europameister 2008 hat es nicht ganz gereicht - aber das Endspiel erreicht zu haben, ist ein großer Erfolg, zu dem ich Joachim Löw und der Nationalmannschaft von Herzen gratuliere." Er sei sicher - so der Bundespräsident in einer Erklärung nach Spielschluss - "diese Mannschaft hat alle Möglichkeiten, noch mehr zu erreichen. Spätestens bei der WM 2010 in Südafrika."

Die Fan-Begeisterung in Deutschland war zunächst überdimensional. Viele Public-Viewing-Zonen mit ihren Millionen Fans waren bereits am Nachmittag aus allen Nähten geplatzt - einige mussten wegen des enormen Ansturms schon Stunden vor Spielbeginn geschlossen werden. Vor den TV-Geräten zu Hause sowie in den Lokalen und Vereinsheimen fieberten schätzungsweise 30 Millionen Menschen mit der deutschen Mannschaft.

Enorme Fanmassen am Start
Wie bei der Fußball-WM vor zwei Jahren im eigenen Land wurden die Feste zu einem "Sommermärchen" - vielfach war die Feierlaune noch größer, da Deutschland diesmal nicht nur im "kleinen Finale" stand. Nach dem 1:0 der Spanier in der 33. Minute machte sich dann aber Ernüchterung breit, und in den Schlussminuten gingen viele Fans bereits vorzeitig nach Hause.

Die Fußball-Volksfeststimmung war bei sommerlichen Temperaturen bereits Stunden vor dem Spiel und damit unerwartet früh ausgebrochen. Wegen des enormen Ansturms der Berliner schlossen die Sicherheitsbehörden die größte Fan-Meile Deutschlands - über drei Stunden vor Anpfiff um 20.45 Uhr. Mehr als 500.000 Menschen stimmten sich dort vor vier Riesenleinwänden singend und tanzend auf das Finale ein - und waren zu Beginn des Spiel kaum noch zu halten. "Alles dicht" hieß es auch in Hamburg und Hannover sowie im Ruhrgebiet. Mit mehr als 40.000 Menschen war das Gelände auf dem Hamburger Heiligengeistfeld "rappelvoll". In der Stuttgarter Innenstadt fieberten rund 80.000 Fans, in Frankfurt am Main 50.000, in München insgesamt über 70.000. (apa/red)

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30.6.2008 11:02
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