Deutschland trotz Finalniederlage mit EM-Verlauf zufrieden: "Stolz auf die Mannschaft"
- Blick geht jetzt schon in Richtung WM-Qualifikation
- DFB-Präsident Zwanziger mit Auftritt auch zufrieden

Deutschlands Fußball-Nationalteam hat trotz der 0:1-EM-Finalniederlage gegen Spanien am Sonntagabend in Wien ein durchaus positives Turnierresümee gezogen. "Wir können insgesamt zufrieden sein, die Mannschaft hat in den 45 Tagen, in denen sie zusammen war, Großartiges geleistet", betonte DFB-Teamchef Joachim Löw. Die Niederlage müsse man akzeptieren. "Es wird für uns Ansporn sein, die nächsten zwei Jahre hart zu arbeiten, Dinge voranzutreiben, zu verbessern, um uns für die WM zu qualifizieren und ein ähnliches Ergebnis zu erreichen wie bei der EM", sagte der 48-Jährige.
Eine genaue Analyse wird der DFB-Betreuerstab erst in den nächsten Tagen machen, eines steht für Löw aber schon jetzt fest. "Die Spieler haben kämpferisch und läuferisch alles, aber nicht immer die hohe spielerische Qualität, abrufen können. Für uns war es eine große Leistung, dass wir das Finale erreicht haben", so der Ex-Austria- und Tirol-Coach. Die Qualifikation und das Turnier hätten gezeigt, "dass wir in Europa ganz weit vorne und auch in der Lage sind, schnellen, guten Kombinationsfußball zu spielen".
Wie jenes vom Coach fiel auch das Resümee von Kapitän Michael Ballack positiv aus. "Es ist immer enttäuschend, ein Finale zu verlieren. Die Mannschaft hat aber eine großartige EM gespielt. Wenn man das Niveau der Mannschaft betrachtet, hat sie sich hervorragend verkauft, wir können stolz sein", merkte der 31-Jährige an. EM-Doppeltorschütze Bastian Schweinsteiger war vor allem froh, dass der dreifache Europameister viel mehr erreichte, als die Medien im Vorfeld erwartet hatten. "Das ist schon einmal ein großer Sieg. Und uns macht auch stolz, dass wir in Deutschland wieder eine Euphorie entfacht, den Leuten schöne Tage besorgt haben", sagte der 23-Jährige.
Finale ist Erfolg
Und Philipp Lahm fügte hinzu: "Wenn man im Finale einer Europameisterschaft steht, kann man sicher von einer erfolgreichen EM sprechen." Das sah auch der Bremer Torsten Frings so. "Wir standen im Finale und das war gut. Das lassen wir uns auch nicht nehmen, da sind wir stolz drauf, das muss man erst einmal schaffen." Natürlich hätte der Teamkollege der beiden ÖFB-Teamspieler Martin Harnik und Sebastian Prödl beim deutschen Vizemeister gerne das "i-Tüpfelchen" gesetzt. "Aber leider hat es nicht geklappt."
Aufmunternde Worte bekamen die besiegten DFB-Kicker jedenfalls auch vom Verbandschef. "Wir sind stolz auf diese Mannschaft und ihr Umfeld. Sie hat Unglaubliches geleistet und wie schon bei der Weltmeisterschaft 2006 eine enorme Begeisterung in Deutschland ausgelöst", freute sich DFB-Präsident Theo Zwanziger. Der Blick ist ab Montag nach den abschließenden Fan-Feierlichkeiten in Berlin bereits auf die im September beginnende WM-Qualifikation gerichtet. Der dreifache Weltmeister trifft dabei in der Gruppe 4 auf EM-Halbfinalist Russland, Wales, Aserbaidschan, Finnland und Liechtenstein. "Es steht eine WM-Qualifikation an, die wir schaffen wollen und auch werden", betonte Lahm.
Weltermeisteschaft 2010 als Ziel
Und so mancher träumt bereits schon vom Finale in Südafrika. "Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die jetzt schon einmal Dritter (WM 2006) und Zweiter geworden ist. Demzufolge müssten wir beim nächsten Mal an der Reihe sein", gab sich Schweinsteiger optimistisch. Dafür wird allerdings schon eine gehörige Leistungssteigerung nötig sein. "Wir haben sehr viel Potenzial", wies Thomas Hitzlsperger hin.
Und Per Mertesacker ist sich sicher, dass die DFB-Elf nach dem verpassten Gipfelsieg auf der selbst ernannten "Bergtour 2008" noch nicht an ihrem Leistungszenit angelangt ist. "Wir sind zum ersten Mal durch so ein Finale gegangen, werden uns daher sicher noch weiterentwickeln. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir noch nicht am Ende sind", sagte der Innenverteidiger. Deshalb sei es wichtig, ständig an der Entwicklung der Mannschaft zu arbeiten. "Wir wissen, dass wir nicht die Energie und Kraft verlieren dürfen, an gewissen Dingen zu arbeiten und zu feilen", wies Löw hin.
(apa/red)
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