Spanier Xavi Hernandez zum Spieler des Turniers gewählt: Ehrung kommt von UEFA
- 28-jähriger Mittelfeldmotor führte Spanien zum Titel
- Seit dem Nachwuchs geht er bereits auf Pokaljagd

Mittelfeldspieler Xavi Hernandez ist nach dem Finale in Wien vom technischen Team der UEFA zum besten Spieler der EURO 2008 erklärt worden. Der 28-Jährige vom FC Barcelona hatte Spanien als Spielmacher zum zweiten EM-Titel nach 1964 geführt.
Xavi Hernandez i Creus ist der "Spieler des Turniers" der EURO 2008. Eine logische Entscheidung. Der Katalane ist seit Jahren die "Unruh" in Spaniens Mittelfeld, das bei der "EURO 2008 wie ein perfektes Uhrwerk funktionierte. Weil letztlich auch im Finale gegen Deutschland in Wien alles wieder "wie ein Glöckerl" lief, wurde ein neues Zeitalter eingeläutet: Eines, in dem sich Spanien auf seine eigene Stärken und Tugenden verlassen kann, und nicht mehr von Viertelfinal-Flüchen, "22. Juni-Gespenstern" oder Unglück bringenden Besuchen von Regierungschefs abhängig ist.
"Xavi" (geboren am 25. Jänner 1980 in Terrassa) zählt zudem zu einer Generation von Spielern, die das Titelhamstern schon gewohnt sind. Bis Sonntag auf der Ebene der Nationalmannschaft freilich nur im Nachwuchsbereich. Im April 1999 wurde Xavi in Nigeria U20-Weltmeister - Gemeinsam mit den heutigen Teamkollegen Iker Casillas und Carlos Marchena.
Seit acht Jahren im Team
In der "seleccion absoluta" ist er seit November 2000 (1:2 gegen die Niederlande) fast immer ein fixer Bestandteil. Er ist geradezu die personifizierte Verkörperung der Entwicklung, welche die "seleccion" in den vergangenen Jahren durchmachte. Er war bei den WM-Endrunden 2002 und 2006 ebenso dabei wie bei der EURO 2004. Alle Turniere verliefen für Spanien letztlich enttäuschend.
Er machte also alle Tiefen mit, sowohl mit dem Team als auch persönlich (Kreuzbandriss 2005), ehe Ende Juni 2008 doch noch eine Höhe kam und der Gipfel Europas erklommen wurde: Das Finale gegen Deutschland (1:0-Sieg durch ein Tor von Fernando Torres/33.) war sein 63. Länderspiel, in denen er acht Treffer erzielte. Den wahrscheinlich wichtigsten markierte er im Halbfinale gegen Russland.
Lieber ein Pass als Schuss
Es war das vorentscheidende 1:0 (50.) beim letztlich klaren 3:0-Sieg. Das Tor zum Finale und letztlich großen Triumph war damit offen. Dabei kann Xavi gerade beim Thema Toreschießen durchaus selbstkritisch sein: "Ich müsste mehr Treffer erzielen. Aber wenn ich zum Strafraum komme, entscheide ich mich fast immer für einen Pass und nicht für einen Schuss aufs Tor."
Obwohl Xavis Leistungen im Team trotzdem meist eher untadelig waren, lag der Schwerpunkt der medialen Berichterstattung in den vergangenen Monaten auf einem vermeintlichen Zwist zwischen ihm und seinem katalanischen Landsmann Cesc Fabregas, der wegen ihm im spanischen Team an sich nicht zur Standardelf gehört. Auch im Finale durfte Cesc nur deshalb von Anpfiff an ran, weil Torschützenkönig David Villa mit einer Oberschenkelblessur w.o. geben musste.
Mit Fabregas alles in Ordnung
Das vermeintliche Missverhältnis mit Fabregas war für Xavi aber eigentlich nie ein großes Thema: "Wir verstehen uns ausgezeichnet. Daher brauchen wir auch kein klärendes Gespräch führen", sagte er vor der EURO 2008. Auch im EURO-Teamcamp der Spanier in Neustift im Stubaital wurden entsprechende Journalistenfragen von den Kollegen eher mit Verwunderung registriert: "Beide frühstücken gemeinsam, und manchmal spielen sie auch Karten. Wo soll es da ein Problem geben?"
Wie im Team ist Xavi Hernandez mit seiner Ruhe und Übersicht auch beim FC Barcelona eine Art "Perpetuum mobile" inmitten des kurzen Passspiels ("tiqui taca", sprich "tiki taka"). Daher hatte er in der Grundformation bei Luis Aragones meist die besseren Karten als Fabregas, weil dieser bei Arsenal ein anderes System gewohnt ist. Außerdem sprach auch die Anciennität für Xavi. Er ist 28 und damit sieben Jahre älter als Cesc. Und meist hat er seine Sache ja gut gemacht.
Barelona-"mas que un club"
Im Gegensatz zu Fabregas setzte er sich beim FC Barcelona durch, wo beide - in unterschiedlichen Jahrgängen - bereits von frühester Jugend an spielten. Der Jüngere machte freilich erst in London die große Karriere, während Xavi seit zehn Jahren zur Standard-Belegschaft des katalanischen Spitzenclubs zählt. Dabei war Klein-Xavi als Bub familienbedingt Anhänger des Stadtrivalen Espanyol gewesen. Dann feierte er aber bei Barca Erfolge: Meister 1999, 2005, 2006 und Sieg in der Champions League 2006.
Sollte es überhaupt jemals tatsächliche Eifersüchteleien zwischen Fabregas und Xavi gegeben haben, dann sind sie spätestens jetzt kein Thema mehr. Beide sind mit der Eroberung des zweiten EM-Titels für Spaniens bereits ein Teil der dortigen Fußball-Geschichte.
Verdienter Sieger
Wobei Xavi, der auch schon einige "Länderspiele" für die "Nationalmannschaft" von Katalonien bestritten hat, den totalen Triumph von "La Roja" komplettierte: Sie holten den EM-Pokal, gewann dabei alle Spiele (gegen Italien freilich erst im Elferschießen), schoss mit 12 Treffern die meisten Tore, stellte mit David Villa (vier Treffer) den Torschützenkönig und mit Xavi auch noch den "Spieler des Turniers."
Steckbrief:
Voller Name: Xavier Hernandez i Creus
Geboren: 25. Jänner 1980 in Terrassa/Katalonien
Größe: 1,70 m
Gewicht: 68 kg
Position: zentrales Mittelfeld
Verein: FC Barcelona (seit 1991/Jugend, Vertrag bis 2010)
Länderspiele: 63 Spiele (5 bei der EURO 2008)
Tore im Nationalteam: 8 Tore (1 bei der EURO 2008)
Debüt im Nationalteam: 15. November 2000 in einem Testspiel in
Sevilla gegen die Niederlande (1:2)
Größte Erfolge:
* Europameister 2008 mit Spanien
* Spieler des Turniers EM 2008
* U20-Weltmeister 1999 mit Spanien
* Olympia-Zweiter 2000 mit Spanien
* Champions-League-Sieger 2006 mit Barcelona
* Spanischer Meister 1999, 2005 und 2006 mit Barcelona
* Spieler des Jahres 2005 in der spanischen Primera Division
(apa/red)
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