Immer weniger Geld in der Tasche: FORMAT
über teuren Alltag und leidenden Konsum
- Das Realeinkommen der Österreicher ist im Sinkflug
- Gedrückte Kauflaune und Kampf um höhere Gehälter

Autofahrer müssen bei ihren Tankstellenbesuchen noch nie gekannte Summen zahlen. Auch bei anderen Artikeln des täglichen Bedarfs ist die Teuerung längst außer Rand und Band. Die letzte offizielle Inflationsrate aus dem Mai von 3,7 Prozent wird im Juni schon bei vier Prozent liegen. Selbst der Mittelstand spürt, dass er sich weniger leisten kann als bisher.
Das Gefühl, dass die Preise weit schneller steigen als offiziell berechnet, ist keine bloße Einbildung. Tatsächlich ist die spürbare Inflation auch nach Berechnungen von Experten deutlich höher. So kalkulierte die Oesterreichische Nationalbank für den Mai einen Wert von 5,7 Prozent, im April kamen die OeNB-Statistiker sogar auf eine "wahrgenommene Inflation" von 7,1 Prozent.
Teuerung steigt mit dem Einkommen
Mit zunehmendem Einkommen sinkt der Anteil, der für Lebensmittel ausgegeben wird, während zum Beispiel das Autofahren oder Reisen relativ mehr Geld verschlingt. Bei der Berechnung des Einkommenseffekts auf die individuelle Inflationsrate für FORMAT kam die Arbeiterkammer Wien zu einem überraschenden Ergebnis: Während normalerweise vermutet wird, dass Geringverdiener mit der höchsten Inflationsrate zu kämpfen haben, steigt die individuelle Inflationsrate mit dem Einkommen an. Basis war die Berechnung der wichtigen Posten Ernährung, Wohnen, Energie und Verkehr, die gemeinsam über die Hälfte des Haushaltsbudgets ausmachen.
Kaufkraft sinkt heuer um 0,7 Prozent
Tatsächlich müssen heuer die meisten Arbeitnehmer den Gürtel enger schnallen. Das liegt nicht nur an der Inflation, sondern auch an der kalten Progression, also dem Effekt, dass durch die Teuerung immer mehr Österreicher in höhere Steuertarifstufen gelangen, ohne real besser zu verdienen. Einziger Gewinner ist der Finanzminister. Dieser Einbruch der Kaufkraft ist umso erstaunlicher, da die Lohn- und Gehaltsverhandlungen für das Jahr 2008 auf den ersten Blick mit kräftigen Steigerungen endeten.
Gedrückte Kauflaune
Dass die Kundschaft sparen muss, spürt der Handel am deutlichsten. So nimmt der private Konsum deutlich geringer zu als das Wirtschaftswachstum. Hannes Mraz, Geschäftsführer der Handelssparte der Bundeswirtschaftskammer, lakonisch stellt fest: "Die Menschen haben einfach weniger Geld im Börsel zum Einkaufen." Und das macht sich vor allem bei Produkten bemerkbar, die nicht essenziell sind. Fritz Aichinger, Handelsobmann der Wiener Wirtschaftskammer: "Was über die Grundbedürfnisse hinausgeht, wird weniger gekauft." Da auch beim Notwendigsten gespart wird, erkennt man eine Umsatzsteigerung bei Diskondprodukten und Eigenmarken
Das Problem der Inflation
Die hohe Inflation, ein weltweites Problem, drückt nicht nur auf die Stimmung im Handel. Langsam sackt die Konjunktur - auch wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten - generell ab. Weil im Sommer mit Inflationsraten über vier Prozent gerechnet wird und die Reallöhne sinken, werden die Gewerkschaften besonders aggressiv in die Lohnverhandlungen im Herbst gehen. Um diesem Szenario zu entgehen, schlagen die Arbeitgeber vor, nicht die "normale" Inflationsrate, sondern die Kerninflationsrate als Grundlage der Verhandlungen heranzuziehen. Diese beträgt derzeit nur 2,5 Prozent, weil sie die Energiepreise nicht beinhaltet.
Den gesamten Bericht lesen Sie im neuen FORMAT 28/2008








