Milliarden-Einsparungen: Siemens-Konzern
streicht weltweit 16.750 Stellen bis 2010

  • In Österreich werden 500 Arbeitsplätze abgebaut
  • GPA: "Werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen"

Siemens setzt radikal den Rotstift an: Der Elektrokonzern will weltweit fast 17.000 Arbeitsplätze streichen, 5.250 sollen in Deutschland wegfallen, 500 in Österreich. In Vertrieb und Verwaltung sollen die Kosten um 1,2 Mrd. Euro gesenkt werden, dort sollen bis 2010 rund 12.600 Stellen abgebaut werden. Die übrigen 4.150 der insgesamt 16.750 betroffenen Stellen fielen im Zuge des Umbaus von Geschäftsbereichen weg, kündigte der Vorstand in München an. In Deutschland seien besonders die größten Siemens-Standorte Erlangen, München, Nürnberg und Berlin betroffen.

Siemens-Österreich muss 500 von seinen bisher 8.000 Stellen streichen. Der Personalabbau wird im Vertriebs- und Verwaltungsbereich stattfinden und soll möglichst sozialverträglich durchgeführt werden, sagte ein Konzernsprecher von Siemens-Österreic. Maßnahmen, wie dies erreicht werden kann, umfassen Pensionierungen, Altersteilzeit, Outsourcing und bevorzugte Vermittlung innerhalb des Konzerns. Auch ein Sozialplan sei möglich, sagte der Sprecher. In der Siemens-Region Zentral- und Osteuropa sollen weitere 50 Jobs abgebaut werden.

Siemens-Österreich-Betriebsratschef Fritz Hagl erklärte, er könne sich nicht vorstellen, wo Siemens-Österreich 500 Stellen einsparen könne. Das Konzern-Management werde ihm dies bei den Gesprächen in den kommenden Wochen genau erklären müssen. GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian kündigte an, "um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen" zu wollen.

Widerstand in Bayern
In Deutschland kündigte die IG Metall in Bayern Widerstand an. Die Gewerkschaft und die Betriebsräte wollten möglichst bald gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, laut Mitteilung. "Sollte es nötig werden, sind in der Folge unterschiedliche Formen des Protestes und des Widerstands möglich", erläuterte er.

Siemens-Konzernchef Löscher hingegen verteidigte die Stellenkürzungspläne: "Die Geschwindigkeit, mit der sich das Geschäft weltweit verändert, hat erheblich zugenommen, wir stellen Siemens darauf ein." Er betonte: "Wir müssen jetzt handeln und unsere Kosten verringern, damit wir uns dann, wenn der Kampf um die Kunden härter wird, voll darauf konzentrieren können."

Erlangen am stärksten betroffen
Der Siemens-Standort in Erlangen ist am stärksten betroffen. Dort sollen nach vorläufigen Planungen rund 1.350 Stellen wegfallen, weitere rund 1.000 Arbeitsplätze sind in München betroffen. In Nürnberg will Siemens etwa 550 Jobs streichen und in Berlin rund 350. Genaue Zahlen sollen erst nach den Verhandlungen genannt werden.

Der Siemens-Konzern beschäftigt weltweit etwa 420.000 Mitarbeiter, davon rund 130.000 in Deutschland. Vom Stellenabbau sind alle drei der großen Sektoren des Konzerns betroffen, also die Energiesparte, die Medizintechnik und der Industriesektor.

"Herrscht viel Frust"
In Deutschland reagierten Gewerkschafter, Betriebsräte und Kommunalpolitiker mit Empörung und Unverständnis auf die Kürzungspläne. "Es herrscht sehr viel Frust", sagte der Nürnberger IG Metall- Sekretär Rudi Lutz. Der Erlanger IG-Metall-Chef Wolfgang Niclas nannte die Pläne "inakzeptabel für ein Unternehmen mit Milliardenergebnissen und überfüllten Auftragsbüchern". (apa/red)

8.7.2008 19:08
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