Industrie erwartet schlechte Konjunktur: Pessimismus beherrscht heimische Firmen
- Barometer der Industriellenvereinigung sinkt auf 22
- Ende der Ausnahmekonjunktur wird befürchtet

Die heimische Industrie sieht eine "deutliche Konjunkturabschwächung", betont jedoch, dass keine Rezession vorliege. Gegenüber dem 1. Quartal ist das vierteljährlich vorgestellte Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung von 36 auf 22 Punkte zurückgegangen. "Das entspricht der größten Einbuße seit dem 3. Quartal 2001", sagte IV-Generalsekretär Markus Beyrer am Dienstag bei der Präsentation der IV-Konjunkturumfrage zum 2. Quartal 2008.
"Die österreichische Industrie stellt sich auf eine zumindest bis in das Jahr 2009 hineinreichende Phase erheblicher konjunktureller Turbulenzen ein", analysierte IV-Chefökonom Christian Helmenstein die Ergebnisse. Dennoch sei ein Konjunkturbarometer von 22 Punkten "noch immer über dem langfristigen Durchschnitt, der beträgt nämlich 17 Punkte", sagte der Chefökonom.
Ende der Ausnahmekonjunktur
Das aktuelle Bild sei von der Überzeugung geprägt, dass die rezessiven Tendenzen nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in einzelnen europäischen Ländern wie Dänemark und Italien die österreichische Ausnahmekonjunktur der beiden zurückliegenden Jahre an ihr jähes Ende geführt hätten, erklärte Beyrer. In Dänemark seien vor allem der Fachkräftemangel und das hohe Steuerniveau problematisch. Beyrer sprach von einem "Warnsignal, das man auch in Österreich ernst nehmen muss".
Als "besonders beunruhigend" bezeichnete Helmenstein die Erwartungskomponenten, also die Geschäftslage in sechs Monaten. Diese ist von einem bereits niedrigen Saldo von plus 6 Punkte auf minus 2 Punkte abgestürzt. Auch die derzeitige Geschäftslage wird von den 456 beteiligten Unternehmen nicht besonders gut gesehen. Die Lagekomponente hat sich um 20 Punkte (von 67 im 1. Quartal auf aktuell 47 Punkte) und damit bereits zum vierten Mal in Folge zurückgebildet.
Hoffnung auf politische Besonnenheit
Diese Entwicklung komme zu einem "politisch sensiblen Zeitpunkt", so Beyrer. Angesichts der anstehenden Neuwahlen dürfe die konjunkturelle Verunsicherung nicht durch wirtschaftspolitisch kontraproduktive Forderungen im Wahlkampf verstärkt werden. Darüber hinaus müsse die nächste Bundesregierung eine hoch-professionelle Wirtschafts- und Standortpolitik fahren, damit Österreich keinen Einbruch bei Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand erleidet, befindet der IV-Generalsekretär.
Die Auftragsbestände, die bis in das 1. Quartal hinein auf einem sehr guten Niveau waren, sind in den vergangenen Wochen eingebrochen. Sowohl die inländischen als auch die ausländischen Bestellungen haben sich schwächer entwickelt, so dass sich die Gesamtauftragsbestände um 21 Punkte auf einen Saldo von plus 47 Punkten verminderten, während der Saldo der Auslandsaufträge von plus 62 Punkten um 20 Punkte auf plus 42 Punkte abnahm. "Bei den Auslandsaufträgen schlägt sich der hohe Eurokurs voll nieder", sagte Helmenstein.
Rückgang bei Produktionserwartung
Die Produktionserwartungen (Zeithorizont: 3 Monate) sind von 12 auf 3 Punkte zurückgegangen. Helmenstein: "In saisonbereinigter Betrachtung wird das Produktionswachstum in den Sommermonaten nahezu zum Stillstand kommen."
Angesichts dieses "konjunkturellen Wetterumschlags" ist der Ausblick auf den Beschäftigungsstand in drei Monaten "bemerkenswert positiv", so Helmenstein. Die IV-Experten vermuten, dass der positive Beschäftigungstrend bis in die zweite Jahreshälfte hinein anhalten wird. Hierzulande würden Fachkräfte sofort vom Markt aufgesogen werden. Dies würde jedoch zugleich implizieren, dass dem Land aufgrund des Fachkräftemangels der vergangenen Jahre in nennenswertem Umfang Wachstum und Einkommen entgangen sei.
Hoher Wechselkurs
Das anhaltende hohe Niveau des Euro-Wechselkurses in Verbindung mit einer nachlassenden Mengenkonjunktur mindert nach Einschätzung der befragten Unternehmen die Chance, den erheblichen Kostendruck über höhere Verkaufspreise zumindest zum Teil weiterzugeben. Der Indikator der Verkaufspreise ist dementsprechend weiter um 4 Punkte bis auf die Nulllinie zurückgefallen.
Obwohl die hohe Kostendynamik bei wechselkurs- und nachfragebedingt erheblichem Margendruck die seit siebeneinhalb Jahren schärfste Revision der Ertragserwartungen im Vorquartal auslöste, ist der Indikator abermals leicht um 2 Punkte auf einen Saldo von nunmehr minus 1 Punkt zurückgegangen. Vor dem Hintergrund einer weiterhin stabilen Beschäftigungslage und einer höheren Kapitalausstattung signalisiere dies eine rapide abnehmende Investitionsrentabilität, die sich nunmehr auch in einer zurückhaltenden Beurteilung der gegenwärtigen Ertragslage niederschlägt (Saldo plus 32 nach plus 46). Dieser Befund gebe zu einer pessimistischen Prognose der nächstjährigen Investitionstätigkeit in der Industrie Anlass, hieß es.
(apa/red)








