Globale Krise schlägt sich auf Konjunktur: Wirtschaftswachstum in Österreich halbiert

  • Phase unterdurchschnittlichen Wachstums bis 2009
  • Anstieg des realen BIPs von 0,4 Prozent erwartet

Österreichs Wirtschaft wächst laut Oesterreichischer Nationalbank nun deutlich schwächer. Ab Jahresmitte wird die österreichische Wirtschaft "in eine Phase unterdurchschnittlichen Wachstums" eintreten, die bis ins Jahr 2009 hineinreichen wird, so OeNB-Direktor Josef Christl in einer Pressemitteilung. Im zweiten und dritten Quartal wird sich das Wachstum im Vergleich zum ersten Quartal 2008 fast halbieren. Der globale Gegenwind habe in den vergangenen Monaten an Stärke gewonnen und werde zu einer deutlichen Abkühlung in Österreich führen.

Vor dem Hintergrund der Finanzmarktturbulenzen und gestiegener Rohstoffpreise lasse der jüngste Konjunkturindikator der OeNB für das zweite und dritte Quartal einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal von jeweils 0,4 Prozent im zweiten und dritten Quartal erwarten. Im ersten Quartal 2008 war die Wirtschaft im Vergleich mit dem vorangegangen Quartal noch um 0,7 Prozent gewachsen.

Schwächstes Wachstum seit drei Jahren
Ähnlich schwache Wachstumsraten wurden zuletzt vor mehr als drei Jahren erreicht. Gegenüber der letzten Veröffentlichung des Konjunkturindikators vom März 2008 wurde die Wachstumsprognose für das zweite Quartal 2008 um 0,1 Prozentpunkt nach unten revidiert, heißt es in der Pressemitteilung der Nationalbank von heute, Dienstag.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal erwartet die OeNB für das zweite Quartal ein Wachstum von 2,4 Prozent und für das dritte Quartal eine Abschwächung auf 2,1 Prozent. Im ersten Quartal 2008 war Österreichs Wirtschaft im Vergleich zum ersten Quartal 2007 noch um 2,8 Prozent gewachsen.

Hohe Risiken
Das Risiko für die weitere Konjunkturentwicklung sei ungewöhnlich hoch. Das österreichische Finanzsystem sei von der Finanzmarktkrise zwar kaum direkt betroffen, die Folgen für die Weltwirtschaft ließen sich aber aus heutiger Sicht noch immer nicht endgültig abschätzen und stellten somit für die österreichische Wirtschaft ein potenzielles Abwärtsrisiko dar. Auch von einem weiteren Ansteigen der Rohstoffpreise und einer neuerlichen Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar könnten zusätzliche dämpfende Effekte auf die österreichische Wirtschaft ausgehen.

Zu Jahresbeginn zeigte sich das Wirtschaftswachstum im Euroraum - getrieben vor allem durch Österreichs wichtigsten Handelspartner Deutschland - erstaunlich robust. Gründe dafür waren unter anderem die überraschend gute Entwicklung in der Sachgüterindustrie und temporäre Faktoren wie der milde Winter.

Merkliche Abschwächung
Zahlreiche Vorlaufindikatoren signalisierten nun aber eine merkliche Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik in den kommenden Quartalen. In der Folge werde sich auch das Wachstum der österreichischen Exporte verringern. Aufgrund der hohen Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Exportwirtschaft und der großen Bedeutung der Wachstumsmärkte in Mittel- und Südosteuropa blieben die Exporte jedoch die wichtigste Konjunkturstütze. Dazu kämen die guten Aussichten für die Tourismuswirtschaft.

Als Reaktion auf die Abkühlung der internationalen Konjunktur hätten die österreichischen Unternehmen ihre Investitionspläne für das Jahr 2008 zurückgenommen. Allerdings sei wegen des sehr flachen Investitionsverlaufs in der Hochkonjunkturphase der letzten beiden Jahre kein deutlicher Einbruch des Investitionswachstums zu befürchten.

Schwacher privater Konsum
Weiterhin sehr gedämpft bleibe der private Konsum. Angesichts des starken Preisauftriebs bleibe den privaten Haushalten aber auch in den nächsten Monaten kein Spielraum, ihre Konsumausgaben auszudehnen.

Ein "konjunktureller Lichtblick" sei die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg im Juni um 2,8 Prozent. Für die zweite Jahreshälfte signalisiert die Entwicklung der offenen Stellen zwar eine Abflachung der Dynamik, trotzdem werden von der Beschäftigungsentwicklung aber noch bis zum Jahresende wichtige Impulse für das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte ausgehen.
(apa/red)

1.8.2008 14:29
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