Noch kein Ende der schweren Börsenkrise:
So überstehen Anleger weitere Kursverluste

  • US-Bankenkrise, Inflation und Ölpreis drücken Aktien
  • FORMAT: Rohstoffe und Edelmetalle bleiben profitabel

Wegen der Verunsicherung durch die aktuelle US-Hypothekenkrise fällt die Zwölfmonatsbilanz der Börsen sehr düster aus. Wiener Aktien verloren innerhalb der letzten zwölf Monate im Schnitt rund 34 Prozent an Wert. Gemessen an den von Morgan Stanley errechneten Länderindizes, sackten auch die Börsen Großbritanniens, Deutschlands sowie der USA auf Zwölfmonatssicht um mehr als 30 Prozent ab. Was dazukommt: Die steigende globalen Inflation, die der Internationale Währungsfonds IMF derzeit mit sechs Prozent beziffert, drückt ebenso auf die Aktienkurse wie die hohen Rohstoffpreise. Das stellt Investoren vor bange Fragen: Wie schnell gelingt es der Bankenwelt, ihre Probleme auszuräumen? Wann geht es an den Börsen wieder besser? Und welche Anlagetaktik schützt vor weiteren Kursverlusten?

Wegen der Brisanz der Lage hat die Spitze Amerikas alle Hände voll zu tun, um das Finanzsystem zu retten. Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke mussten die beiden führenden amerikanischen Hypothekenfinanzierer, Fannie Mae und Freddie Mac, die gemeinsam ein Volumen von 5.200 Milliarden US-Dollar an Hypothekarkrediten finanzieren und garantieren, vor dem Crash retten. Auf Betreiben des amerikanischen Kongresses öffnete Paulson den beiden Instituten, die zwischen Juli 2007 und Ende März 2008 einen Verlust von elf Milliarden Dollar eingefahren haben, den Zugang zu weiteren Krediten.

Anstelle der 2,25 Milliarden Dollar, die Banken für gewöhnlich als Kreditlimit offen stehen, werden Fannie Mae und Freddie Mac sogenannte Diskontfenster eingeräumt, die den Zugriff auf Gelder der US-Notenbank ermöglichen. Der Vorteil: Diese Ausleihungen können zum günstigen Diskontzinssatz von 2,25 Prozent erfolgen. Zusätzlich hat das Finanzministerium freie Hand, Aktien der beiden Banken in unbegrenzter Höhe zu kaufen.

Investments, die funktionieren
Entwarnung für die Börsen bedeutet das aber noch lange nicht. "Gold hat sich wieder einmal als Krisengewinner erwiesen", konstatiert Meinl-Investmentchef Wolfgang Matejka. Mitte März hat der Preis für das gelbe Metall die 1.000-Dollar-Marke je Feinunze übersprungen, der darauf folgende Preisrückgang wurde in den letzen Wochen aufgeholt. Aktuell stehen bereits wieder 980 Dollar je Feinunze zu Buche.

Generell hat Matejka weiterhin Rohstoffveranlagungen auf seiner Favoritenliste: "Die Preisspirale bei Rohstoffen verstärkt zwar die Inflation und drückt auf die Konjunktur. Aus Anlegersicht sind Rohstoffe aber noch immer eine Asset-Klasse, die gut funktioniert." Robert Doll, Aktienchef von BlackRock Investments, ergänzt: "Öl und andere Edelmetalle sind zwar bereits sehr teuer, langfristig bleiben die Investmentchancen intakt."

Abwarten als Strategie
Bei europäischen Aktien ist momentan Vorsicht geboten. Laut einer Analyse der Erste Bank weisen die Gewinnrevisionen europäischer Konzerne weiterhin eine negative Tendenz auf. Trotz der extrem günstigen Bewertung der im EuroStoxx50 vertretenen Papiere, die ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7 aufweisen, sollten sich Anleger für einen neuerlichen Einstieg noch Zeit lassen.

Das gilt auch für österreichische Aktien. Investmentchef Matejka: "Man sollte erst wieder kaufen, wenn sich die emotionale Spannung gelöst hat. Dass es sich jetzt um eine Übertreibung handelt, sieht man etwa an der Aktie von Semperit. Der Kurs hat etwa letzten Dienstag extrem nachgegeben, obwohl das Unternehmen seit 18 Jahren immer den Gewinn steigerte."

Futures-Fonds
Eine Alternative, die das Depot absichert und selbst dann Gewinne erlaubt, wenn es an den Börsen schlecht läuft, liefern Futures-Fonds. So hat etwa der smn Diversified Futures in den letzten zwölf Monaten plus 25,4 Prozent erwirtschaftet. Allein im Juni schaffte der Fonds mit Futures-Spekulationen auf Aktienindizes, Energie und Metalle knapp plus zehn Prozent. Der Nachteil für neue Investoren: Der Mindestbetrag, zu dem der Einstieg möglich ist, beträgt 12.500 Euro.

Wem das zu viel ist, der kann noch immer die Taktik der 204 von Merrill Lynch befragten Fondsmanager kopieren: Mehr als die Hälfte der Geldverwalter hat die kurzfristig am Geldmarkt veranlagte Bargeldquote stark nach oben gehievt. Eine Maßnahme, die sich selbst für Kleinanleger angesichts der hohen Zinsen für täglich fälliges Geld am Sparbuch lohnt. Das gibt zumindest so lange Sicherheit, bis sich der Sturm an den Börsen wieder gelegt hat.

Noch mehr über Finanzen und Börse im aktuellen FORMAT 29/08!

20.7.2008 22:48
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