Rettung für Fannie Mae und Freddie Mac:
US-Staat unterstützt Hypothekenfinanzierer
- Regierung und Notenbank beschließen Maßnahmen
- Signal um Vertrauen der Investoren herzustellen

Nach dem spektakulären Zusammenbruch der US-Bausparbank IndyMac hat die US-Regierung einen milliardenschweren Stützungsplan für die zwei angeschlagenen größten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac angekündigt. Die Rettungsaktion soll angesichts der neuen schweren Turbulenzen die ohnehin krisengeschüttelten Finanzmärkte beruhigen. Unterdessen drohen weitere Ausfälle von US-Banken. Die seit rund einem Jahr tobende Krise wird die Finanzwelt nach Einschätzung von Experten noch lange in Atem halten.
Fannie Mae and Freddie Mac stehen hinter mehr als der Hälfte aller US-Hypotheken. Ihr Zusammenbruch hätte für die gesamte Bankenbranche und die Märkte Experten zufolge unabsehbare Folgen. Die Institute sollen nun schnell auf dreifache Weise Hilfe bekommen. Die staatliche Kreditlinie für die Finanzierer soll "vorübergehend" deutlich erhöht werden, kündigte US-Finanzminister Henry Paulson in Washington an. Der Staat werde soweit erforderlich auch Aktien der zwei an der Börse massiv abgestürzten Gesellschaften kaufen. Die Notenbank gab überdies grünes Licht, beiden Instituten notfalls ihr Diskont-Kreditprogramm zu öffnen.
Etwa 7.500 Banken bedroht
Analysten sehen US-Medien zufolge rund 150 der landesweit etwa 7.500 Banken binnen der nächsten eineinhalb Jahre womöglich in Gefahr. Die Bankenaufsicht hatte im Frühjahr laut "New York Times" 90 bedrohte Institute gezählt. Die jetzt zusammengebrochene IndyMac habe dabei nicht auf der Liste gestanden. Mit nervöser Spannung wurde am Montag die Reaktion der US-Börsen erwartet. In Deutschland zeigten sich die Aktienmärkte zum Mittag im Plus.
Die Turbulenzen in der Finanzwelt könne zu massiven Umbrüchen in der Bankenlandschaft auch in Europa führen, sagte Banken-Experten Dirk Schiereck in einem dpa-Gespräch. "Die Krise ist keineswegs ausgestanden, sie wird uns das ganze zweite Halbjahr noch begleiten", sagte der Professor an der European Business School in Oestrich-Winkel im Rheingau.
Vertrauen in Finanzsystem
Paulson unterstrich in seiner Erklärung die Bedeutung von Fannie Mae und Freddie Mac für die Finanzwelt. Ihre Anleihen "werden von Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt gehalten", sagte er. "Ihre Stärke zu gewährleisten, ist wichtig, um Vertrauen und Stabilität in unserem Finanzsystem und unseren Finanzmärkten aufrecht zu erhalten."
Ein weiterer Belastungstest für die beiden krisengeschüttelten Hypothekenfinanzierer stand noch am Montag an: Freddie Mac wollte wie schon länger geplant kurzfristige Anleihen in Höhe von drei Mrd. Dollar (1,89 Mrd. Euro) ausgeben. In dieser Woche legen zudem große US-Banken wie Citigroup Quartalszahlen vor. Experten befürchten weitere Milliardenabschreibungen.
Aktion der Börsenaufsicht
Die US-Börsenaufsicht SEC verstärkt unterdessen in einer konzertierten Aktion den Kampf gegen kriminelle Manipulationen von Aktienkursen. Im Zuge der Finanzmarktkrise häuften sich zuletzt Fälle, in denen die Kurse von Banken nach Gerüchten über Liquiditätsprobleme dramatisch eingebrochen waren. Ab sofort würden zusätzliche Untersuchungen besonders im Zusammenhang mit bewusst gestreuten falschen Informationen und Gerüchten aufgenommen, teilte die SEC mit.
Die US-Kreditkrise hatte zuvor einen neuen dramatischen Höhepunkt erreicht. Mit der US-Hypotheken- und Bausparbank IndyMac brach einer der größten Immobilienfinanzierer des Landes zusammen. Nach dem Ansturm besorgter Kunden auf ihr Geld musste die US-Einlagensicherungsbehörde die Kontrolle über die Bank übernehmen. Den Behörden zufolge handelt es sich um den zweitgrößten Banken-Crash in der Geschichte der USA und den größten seit dem verschärften Ausbruch der Finanzmarktkrise vor einem Jahr.
(apa/red)








