Der harte Kampf um Faymanns Wohlwollen:
Dichand und Fellner werben um seine Gunst

  • Kommentar auf news.at zu Politik und Medien
  • Zum strittigen Verhältnis von Medien und Wahlkampf

Jeder weiß über die Intimitäten zwischen Faymann und Dichand Bescheid. Spätestens nach dem Leserbrief ist man unterrichtet über Venedigreisen, Inseratkampagnen und mögliche und unmögliche Verwandtschaftsverhältnisse. Der designierte SPÖ-Spitzenkandidat wird als langjähriger Günstling des Medienchefs gehandelt. Eine Beziehung, die zwischen Onkelhaftem und Väterlichem nicht eindeutig fest zu machen ist.

Doch Hans Dichand bekommt nun Konkurrenz: Wolfgang Fellner, Herausgeber der Tageszeitung "Österreich", ist schon seit geraumer Zeit Teil des Netzwerks Faymann. Auch er macht nun Rechte am SPÖ-Politiker geltend. Zwei österreichische Tageszeitungen, die um die Gunst des Spitzenkandidaten buhlen.

Fellners Kommentar
In der Wochenendausgabe der Tageszeitung Österreich wurde von Faymann enthüllt, dass er nun doch für ein Vorziehen der Steuerreform eintrete. Eine Kehrtwende der SPÖ, da ja erst vor ein paar Monaten Gegenteiliges mit der ÖVP vereinbart wurde. Nun, wo die Koalition aufgekündigt ist, steht die SPÖ scheinbar auf dem Standpunkt, dass Pakte nicht mehr zu befolgen sind. Fellner setzte sofort nach. In einem Kommentar seiner Tageszeitung stellte er fest, dass auch "Österreich" für eine Vorverlegung der Steuerreform eintrete. Fellner stärkt seinem langjährigen Freund den Rücken.

Auch die Gratis-Tageszeitung Österreich pflegt enge Verbindungen zum Umfeld Faymanns. Schließlich teilt der Geschäftsführer des Blattes, Wolfgang Jansky, Tisch und Bett mit der Wahlkampfleiterin der SPÖ, Doris Bures. Eine Verbindung, die sich in Zeiten politischer Mobilisierung günstig für die Partei auswirken kann.

Damit kündigt sich Unheilvolles an: Ein Wahlkampf, in dem zwei Tageszeitungen um die Gunst eines Spitzenkandidaten ringen, gehört nicht zum guten Umgangston westeuropäischer, politischer Systeme. Medien können Positionen beziehen. Sie können auch parteipolitische Positionen einnehmen. Doch wenn sich Medien gegenseitig aufschaukeln, um einem begünstigenden Wettlauf um Spitzenpolitiker zu fröhnen, nimmt dies Züge einer Groteske an.

Medien und Politik
Politische Machtpositionen müssen vom Wähler abgesegnet werden. Der Wähler jedoch wird von Medien beeinflusst. Ein Kreislauf, in dem sich der dominante Pol erst herausstellen muss: Medien oder Politik. Faymann selbst lehnt sich zurück und genießt. Doch er muss Acht geben: Ein allzu penetrantes Spiel um seine Gunst kann sich auch als Schuss nach hinten erweisen.
(Sebastian Baryli)

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