Radovan Karadzic in Belgrad geschnappt:
"Meilenstein" für Kriegsverbrechertribunal

  • 63-Jähriger zuletzt in einer Privatpraxis als Arzt tätig
  • "Aktion der serbischen Sicherheitsdienste" erfolgreich
    "Wichtige Etappe" bei Annäherung Serbiens an die EU

Der Ex-Präsident der Republika Srpska, Radovan Karadzic, der als einer der meist gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher in Ex-Jugoslawien gilt, ist von serbischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Der Pressedienst des serbischen Präsidenten Tadic teilte mit, dass der 63-Jährige "in einer Aktion der serbischen Sicherheitsdienste aufgespürt und festgenommen" worden sei.

Karadzic hatte im Sommer 1996 unter internationalem Druck den Posten des bosnisch-serbischen Präsidenten und dann auch die Führung der von ihm gegründeten Serbischen Demokratischen Partei aufgegeben. Kurz danach war er untergetaucht. Die Festnahme erfolgte nur rund zwei Wochen nach dem Amtsantritt der neuen serbischen Regierung und vier Tage nach dem Personalwechsel an der Spitze des Geheimdienstes BIA.

Wie bekannt wurde, hat Radovan Karadzic hat als Arzt in einer Privatpraxis in Belgrad gearbeitet. Dies teilte der für die Kooperation mit dem UNO-Tribunal zuständige serbische Arbeitsminister Rasim Ljajic in Belgrad bei einer Pressekonferenz mit.

Von Sondergericht verhört
Noch in der Nacht wurde der wegen Kriegsverbrechen während des Bosnien-Krieges (1992-1995) angeklagte Karadzic in einem Belgrader Sondergericht verhört. Ein Anwalt Karadzics erklärte, dass der Angeklagte vor dem Ermittlungsrichter angegeben habe, bereits am Freitagabend in einem städtischen Bus festgenommen worden zu sein. Dann sei er in einem Raum eingesperrt gewesen, wurde Karadzic von seinem Anwalt zitiert. Der serbische Nationalrat für Sicherheit hatte mitgeteilt, dass die Festnahme am Montag erfolgt sei.

Anwalt nennt Festnahme "Farce"
Karadzic Anwalt Svetozar Vujacic kündigte an, dass er gegen die Auslieferung seines Mandanten an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Einspruch einlegen werde. Karadzic sei bei der Festnahme "irgendein Hut über den Kopf" gezogen worden. Deshalb wisse er nicht, wer ihn dingfest gemacht habe, erklärte der Anwalt. Vor dem Ermittlungsrichter, dem er in der Nacht auf heute erstmals vorgeführt wurde, habe er geschwiegen. Den ganzen Fall nannte er eine "Farce". Der früher korpulente 63-Jährige sei abgemagert und verweigere jegliche Nahrung. Ein Arzt habe festgestellt, dass Karadzic gesund sei.

Brammertz spricht von "Meilenstein"
Der Chefankläger des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Serge Brammertz, hat die Festnahme begrüßt. Brammertz beglückwünschte die serbischen Behörden für die "erfolgreiche Aktion" und sprach von einem "Meilenstein" bei der Kooperation Belgrads mit dem Haager Gericht. EU-Kommissionspräsident Barroso begrüßte die Festnahme von Karadzic. "Das ist auch sehr wichtig für Serbiens europäische Bestrebungen", betonte Barroso. Die NATO sprach von einer "guten Nachricht", auf die man lange gewartet habe. Die US-Regierung erklärte, die Festnahme Karadzics sei "eine wichtige Demonstration der Entschlossenheit der serbischen Regierung, ihrem Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal nachzukommen".
(apa/red)

22.7.2008 12:48
Artikel bookmarken bei: ? Hilfe

Das Wetter heute: