Obama bekräftigt US-Allianz mit Israel:
Warnung vor Hoffnung auf raschen Frieden

  • Gespräche mit Olmert und Abbas auf Tagesordnung
  • Kritik von Israelis und US-Wählern an Obamas Reise

Der designierte demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat sich bei seinem Nahost-Besuch zur engen Bindung seines Landes zu Israel bekannt. "Ich bin hier, um die besondere Beziehung zwischen Israel und den Vereinigten Staaten zu bekräftigen - einer Beziehung, die nicht zerstört werden kann", sagte Obama. Im Falle seiner Wahl werde er an den Sicherheitszusagen der USA festzuhalten, so Obama bei einem Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres in Jerusalem.

Obama betonte: Israel sei ein "Wunder", das seit 60 Jahren blühe und gedeihe. Er hoffe, sich an den Bemühungen beteiligen zu können, "einen dauerhafteren Frieden in der Region herbeizuführen". "Es ist meine Hoffnung, dass ich als effektiver Partner dienen kann, sei es nun als Senator oder Präsident." Peres sagte, er könne Obama als Kandidat nur einen Rat geben: "Seien Sie ein hervorragender Präsident der Vereinigten Staaten." Die Welt brauche dringend "eine Vision und eine Führung". Die drängendsten Fragen weltweit seien gegenwärtig Terror und Hunger. Die Sicherheit Israels werde für ihn höchste Priorität haben, versicherte Obama auch seinen anderen Gesprächspartnern, Verteidigungsminister Ehud Barak und Oppositionsführer Benjamin Netanyahu.

Baraks Ministerium veröffentlichte nach dem Treffen mit Obama die kurze Mitteilung, die beiden Politiker hätten "alle relevanten Fragen" und die "zukünftigen Herausforderungen" diskutiert, die Israel und der Region bevorstünden. Netanyahu sagte, er habe mit Obama darin übereingestimmt, dass der Iran keine Atommacht werden dürfe.

Besuch der Holocaust-Gedenkstätte
Bei einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bezeichnete Obama die Judenverfolgung im Dritten Reich als Mahnung an die Fähigkeit des Menschen, Böses zu tun, aber auch sich zu dessen Bekämpfung zusammenzuschließen. In das Gästebuch der Gedenkstätte schrieb er: "Lasst unsere Kinder hierher kommen und von dieser Geschichte erfahren, damit ihre Stimmen in den Ausruf 'nie wieder' einstimmen können."

Treffen mit Mahmoud Abbas
Danach kam Obama in Ramallah im Westjordanland mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas und dem amtierenden Ministerpräsidenten Salam Fayyad sowie anderen Repräsentanten zusammen. Die Palästinenser wollten Obama unter anderem über die israelischen Siedlungsaktivitäten im Westjordanland informieren. Weitere Treffen waren mit Israels Regierungschef Ehud Olmert und Außenministerin Tzipi Livni geplant. Auf Obamas Programm stand zudem ein Besuch in der Stadt Sderot an der Grenze zum Gaza-Streifen, die von militanten Palästinensern regelmäßig mit Raketen beschossen wird. Der Senator wolle einen Eindruck der täglichen Probleme der Einwohner bekommen, sagte seine Beraterin Susan Rice.

Obama verurteilt Anschlag
Bei seiner Ankunft in Israel verurteilte er den wenige Stunden zuvor verübten Anschlag, bei dem ein Palästinenser in Jerusalem mit einem Bagger drei Autos und einen Bus rammte und 16 Menschen zum Teil schwer verletzte. Der Mann wurde schließlich von einem Passanten und einem Polizisten erschossen. "Es ist eine weitere Erinnerung daran, warum wir gewissenhaft, schnell und mit vereinten Kräften daran arbeiten müssen, den Terrorismus zu besiegen", sagte er. "Es gibt keine Entschuldigungen." Der Anschlag wurde in der Nähe des King David Hotels verübt, wo Obama während seines Aufenthalts wohnt.

Obama, dessen republikanischer Rivale John McCain sich die größere außenpolitische Erfahrung zugutehält, will mit seinem Israel-Besuch nicht zuletzt Zweifel an seinem Einsatz für die Interessen des Landes zerstreuen. Überdies hatte er kürzlich bei den Palästinensern Unmut erregt, als er sich für Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Israels aussprach und damit einen der heikelsten Streitpunkte zwischen den Nahost-Konfliktparteien berührte. Obamas Reise, mit der er sein außenpolitisches Profil schärfen will, hat ihn bereits nach Afghanistan und in den Irak geführt. Am Donnerstag wird er in Deutschland erwartet.

(apa/red)

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