Für Sastre hat sich ein Bubentraum erfüllt -
Tour-Sieger bleibt aber dennoch bescheiden

  • Spanier hat die "Chance des Lebens" ergriffen
  • Kletterte in L'Alpe d'Huez auf den ersten Platz

Carlos Sastre hat die Serie spanischer Erfolge bei der Tour de France fortgesetzt. Nach Oscar Pereiro und Alberto Contador verewigte sich erneut ein Außenseiter in der Liste der Gewinner des bedeutendsten Radrennens der Welt. Als Co-Kapitän des Teams CSC-Saxo Bank von Bjarne Riis gestartet, kletterte der 33-Jährige auf der 17. Etappe nach L'Alpe d'Huez alleine an die Spitze und übernahm erstmals das Gelbe Trikot. "Von einem Sieg bei der Tour habe ich geträumt, seit ich Rad fahre, jetzt kann ich meine Emotionen kaum beschreiben", sagte der zweifache Familienvater.

Sastre hat nichts vom Gehabe eines Stars. Dazu gab es bisher auch keinen Anlass, sein Sieg in L'Alpe d'Huez war erst der zweite bei der Tour nach 2003 (Ax-Trois Domaines) und der insgesamt vierte der Karriere. Aber er katapultierte den Co-Kapitän von Platz vier an die Spitze, ehe er im Zeitfahren am Samstag auch den Topfavoriten Cadel Evans (AUS) verblüffte.

Den Sieg stellte der zweifache Familienvater als eine Co-Produktion des CSC-Rennstalls dar. "Ich habe dank des Vertrauens gewonnen, das Bjarne Riis, die Sportlichen Leiter und meine Teamkollegen in mich gesetzt haben", erklärte Sastre. "Alle haben hundertprozentig an mich geglaubt."

Wenig Zuversicht vor Zeitfahren
Bei seiner achten Tour-Teilnahme gelang dem Vorjahrs-Zweiten der Vuelta der große Coup. "Ich habe vor Tour-Beginn gewusst, dass es die Chance meines Lebens ist, aber vor dem Zeitfahren habe ich fast nicht mehr daran geglaubt", sagte der Kastilier, nach dem nun in seiner Heimatstadt eine Straße benannt wird.

Sastre begann seine Profikarriere 1998 im Once-Rennstall, war später dort ein Kollege von Peter Luttenberger. Seine "Inspiration" habe er vom Franzosen Laurent Jalabert bezogen, betonte Sastre. "Als ich mit ihm gemeinsam (ab 2002, Anm.) bei CSC gefahren bin, habe ich eine neue Art Radsport entdeckt. Ich habe von ihm gelernt, Spaß am Rad fahren zu haben."

Vom Helfer zum großen Sieger
Zuvor war der 1,73 m große und 61 kg leichte Kletter-Spezialist meist Helfer im Rennstall von Carlos Saiz gewesen, der später in der Blutdoping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes traurige Berühmtheit erlangte. "Ich habe von Saiz gelernt, wie man trainiert und wie man leidet. Aber seit ich das Team verlassen habe (2001, Anm.), habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen, wir haben verschiedene Ansichten", sagte Sastre, der von spanischen Medien "Don Limpio" (Saubermann) genannt wird.

Siege waren bisher rar in der Laufbahn Sastres. Der erste gelang ihm 2001 bei der Burgos-Tour. "Dort war ich erstmals Kapitän und habe gemerkt, dass ich auch gewinnen kann. Das gab mir Selbstvertrauen." Riis gab ihm die Chance, sich voll auf die Tour zu konzentrieren und die Form genau zu planen. Im Zeitfahren am überraschte der Profi seinen Chef mit einer tollen Darbietung. "Er hat genau das gemacht, was wir besprochen hatten. Es ist fantastisch", lobte Riis. Die CSC-Saxo-Equipe holte nicht nur das Gelbe Trikot, sondern auch das Weiße des besten Jungprofis (Andy Schleck) sowie den Sieg in der Teamwertung.

Sastre gedachte in seiner größten Stunde, als er nach dem Zeitfahren über die Linie rollte, mit einer speziellen Geste seinem vor einigen Jahren verstorbenen Schwager, dem Ex-Profi Jose Maria Jimenez. "Ich habe auch für ihn gewonnen, denn er hatte den selben Traum vom Sieg in der Tour de France. Heute war er bei mir." (apa/red)

27.7.2008 19:22
Artikel bookmarken bei: ? Hilfe
Das Wetter morgen: