Tödliche Gefahr für unsere fleißigen Bienen! Honigsammler sterben an Raps-Pestiziden

  • Zusammenhang ist jetzt wissenschaftlich bewiesen
  • Imker und Global 2000 fordern Verbot in Österreich

Eine neue, alte Gefahr bedroht die Bienen: Eine vor allem auf Mais und Raps verwendete Gruppe von Pestiziden, sogenannte Neonicotinoide, hat laut einer Erhebung der Imkerverbände heuer bereits 2.500 bis 3.000 Bienenvölker geschädigt. Österreichweit gibt es rund 300.000 Völker. Die Imker fordern nun gemeinsam mit Vertretern der Grünen und Global 2000 Maßnahmen von Landwirtschaftsminister Josef Pröll, die von einem Verbot der Präparate bis zu mehr Forschung reichen.

Die Präparate werden meist zur Beize von Saatgut eingesetzt. Das heißt, dass die Saatkörner mit den Mitteln durchtränkt werden. Nach dem Auswachsen ist die Pflanze dann mehr oder weniger vor Insektenfraß geschützt. Die betreffenden Mittel werden vom Hersteller als "nicht Bienen gefährdend" ausgewiesen, doch Josef Ulz, Präsident des Österreichischen Imkerbundes, und Josef Stich, Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes, bezweifeln das.

Bienenverluste rund um Rapsblüte
"Schon seit Jahren beobachten die österreichischen Imker in der Zeit rund um die Rapsblüte gehäuft auftretende Bienenverluste", berichtete Stich. Typisch seien zahlreiche krabbelnde und flugunfähige Bienen, die ansonsten aber keine klassischen Bienenkrankheiten aufweisen. Dafür zeigen sie für die Experten eindeutige Symptome von Vergiftungen. Letztendlich sterben die Flugbienen, im Stock werden kaum noch Nachwuchs und Honig produziert.

Zusammenhang: Pflanzenschutzmitteln & Bienensterben
Auch die Tatsache, dass die Schäden fast ausschließlich in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten beobachtet werden, ist für die Imkervertreter ein weiterer Hinweis auf einen direkten Zusammenhang zwischen den Pflanzenschutzmitteln und dem Bienensterben. Eine wissenschaftlich fundierter Nachweis für die Schädigung der Bienen durch die Präparate steht für Österreich allerdings noch aus. Untersuchungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) an betroffenen Tieren waren bisher negativ. Es sei allerdings fraglich, ob die Nachweismethoden sensibel genug seien, so Stich.

Für Süddeutschland konnte der Zusammenhang zwischen einem besonders dramatischen Bienensterben im heurigen Jahr und dem Wirkstoff Clothianidin aus der Gruppe der Neonicotinoide durch Experten des deutschen Julius Kühn Instituts wissenschaftlich belegt werden. Wegen des Maiswurzelbohrers, einem Käfer, der Maispflanzen schädigt, wurden teilweise die doppelten Dosen an Pestizid eingesetzt. Laut Global 2000 wurden zehntausende Bienenvölker vernichtet. Die Zulassung der Präparate sei zurückgezogen worden, teilweise allerdings mittlerweile wieder erteilt worden.

Imker & Global 2000 fordern Verbot
Imker und Global 2000 fordern daher für Österreich die Aufhebung der Zulassung neonicotinoidhaltiger Saatgutbeizmittel. Die Zeit dränge, da Ende August die Rapsaussaat anstehe. Ulz betonte weiters die Notwendigkeit für mehr Forschung. Die Ermittlung der Giftigkeit von Substanzen mittels des sogenannten "LC50"-Verfahrens, bei dem jene Dosis ermittelt wird, bei der die Hälfte der Tiere stirbt, sei nicht mehr zeitgemäß. Bereits im sublethalen Bereich - also lange bevor die Insekten sterben - hätten viele Mittel bereits Auswirkungen auf das Verhalten, die Leistungsfähigkeit oder auch auf das Immunsystem.

(apa/red)

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