Mehr als nur ein Einkaufs-Trip: Wenn das Shoppen schon glatt zur Besessenheit wird
- Deutschland bietet erste Therapie gegen Kaufsucht
- Bis acht Prozent der Bevölkerung kaufsuchtgefährdet

Das Uniklinikum Erlangen stellte die europaweit erste Therapie gegen Kaufsucht vor. Die Hälfte von 60 behandelten Frauen und Männern sei ein halbes Jahr nach Abschluss der Therapie nicht mehr rückfällig geworden, sagte Studienleiterin Astrid Müller. Von Heilung könne bei Sucht zwar nicht gesprochen werden, aber ihr Kaufverhalten habe sich normalisiert.
Das Uniklinikum Erlangen ist die einzige Einrichtung in Deutschland, die eine ambulante Behandlung für Betroffene anbietet. In einer Gruppe werden jeweils acht Patienten betreut. Die Therapie dauert zwölf Wochen mit einer 90-minütigen Sitzung pro Woche. Inzwischen gibt es schon eine Warteliste.
Mehr als nur eine Shoppingtour
Als Kaufsucht wird ein triebhaftes Kaufverhalten bezeichnet, bei dem die Betroffenen zu jeder Gelegenheit und ohne Notwendigkeit Dinge zum Teil auch mehrfach erwerben. Mit dem Kauf ist oft starke Erregung und Glücksgefühl verbunden. Krankhafte Kaufsucht sei strikt vom übersteigerten Konsum zu unterscheiden, betonte die Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung der Klinik, Martina de Zwaan. In den meisten Fällen trete Kaufsucht in Verbindung mit anderen psychischen Problemen wie Angstzuständen, Depressionen und Essstörungen auf.
Untersuchungen zufolge sind etwa fünf bis acht Prozent der Bevölkerung kaufsuchtgefährdet, und zwar quer durch alle Einkommens-und Bildungsschichten. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen, Jüngere jedoch häufiger als Ältere. Behandlungsbedürftig sei wohl nur ein kleiner Teil davon, sagte Müller. (apa/red)









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