"Grünes Reisen": Luxustourismus setzt auf Beruhigung des schlechten Öko-Gewissens

  • Öko-Manifest im 5-Sterne-Luxus-Hotel auf Thailand
  • "Barefoot Chic" oder zurück zur Natur und fair Trade

„Grünes Reisen“ ist zum wichtigen Marketinginstrument des gehobenen Tourismus geworden. Ob nachhaltiger Luxus-Urlaub auf Thailand oder ein Bäumchen-Verkauf an Bord einer Langstreckenmaschiene, es wird alles getan, damit das schlechte Öko-Gewissen der Urlauber ruhig gestellt wird.

Wenn Sie dieser Tage mit der trendigen britischen Fluglinie Virgin Atlantic etwa von London nach Amerika unterwegs sind, dann kann es geschehen, dass sich hoch über dem Atlantik die junge Flugbegleiterin in der engen weißen Bluse und dem knappen roten Rock über Sie beugt und fragt, ob Sie denn nicht einen Baum kaufen wollen. Nein, natürlich nicht jetzt und sofort und auch nicht einen ganzen und ausgewachsenen. Aber sie wird Sie im Verlauf des Bordverkaufs fragen, ob Sie denn nicht eine kleine Spende entrichten wollen, damit der CO2-Ausstoß, den Sie mit Ihrer Fliegerei unvermeidlich verursachen, durch die Anpflanzung von Bäumen ausgeglichen werden kann. Es ist anzunehmen, dass Ihr schlechtes Gewissen Sie zur Brieftasche greifen lässt, Sie Ihre Kreditkarte zücken und die Patenschaft über ein Bäumchen übernehmen.

Vielleicht aber verbringen Sie Ihren Urlaub auf der anderen Seite der Erdkugel? Vielleicht in Thailand? Oder im angesagten Vietnam? Vielleicht sind Sie in Nha Trang, auf Phuket oder in Hua Hin in einem der ganz hervorragenden Hideaway-Resorts von Evason abgestiegen, jener schicken Hotelkette, die mit ihren Six Senses Spas und ihrem lässigen Lifestyle Trends in Sachen Luxusurlaub setzt. Dann werden Sie, nachdem Sie Ihr persönlicher Butler in Ihren Bungalow gebracht hat, auf Ihrem Schreibtisch unter anderem eine schöne, in Palmenblätter gebundene und auf umweltverträglichem, ungechlortem Papier gedruckte Mappe vorfinden: das „Little Green Book“. Es erklärt auf 22 Seiten die strenge „sustainability policy“ des Hauses.

Jetzt heißt die Parole: Act local.
Vor allem Resorts in Südostasien, wie Evason oder das nicht minder angesehene Banyan Tree oder die superfeinen Ketten Aman und One & Only, aber auch Safari-Lodges in Süd- und Ostafrika und Hotelanlagen in der Karibik setzen auf diesen Trend und auf die betuchte Zielgruppe, die damit angesprochen wird.

Doch dieser Trend zurück zur Natur hat nichts mit einer aufgewärmten Jute-statt-Plastik-Philosophie zu tun. Was diese Hotels bieten, ist Luxus pur. Auch preislich sind sie in der oberen und obersten Kategorie angesiedelt. Wie sich zeigt, schließen Umweltbewusstsein und Fünf-Sterne-Qualität einander nicht aus.

Sehr gut bringt das der nun gebräuchliche Begriff „Barefoot Chic“ auf den Punkt. Früher hätte man vielleicht „Hippie Chic“ gesagt. Hier mitzumachen, darauf kann keine Hotelkette, keine Fluglinie und auch kein Reiseveranstalter verzichten. Die Tourismusindustrie hat also jene Zielgruppen entdeckt, die unter Abkürzungen wie Bobos oder Lohas firmieren. Bobos, das sind jene bourgeoisen Bohemiens, die zu Geld gekommen sind, aber die engagierten Überzeugungen ihrer Jugend noch nicht über Bord geworfen haben und ob ihres aufwendigen Lifestyles auch ein etwas schlechtes Gewissen haben; Lohas steht für einen „Lifestyle of Health and Sustainability“, was etwas schicker klingt als „ökologisch korrekt“.


Partizipatorischer Tourismus
Partizipatorischer Tourismus ist der nächste Schritt. Schrittmacher ist hier die Hotelkette Ritz-Carlton, die als eine der angesehensten der Welt gilt. „Community Footprints“ heißt ihr Programm. Hier können sich Gäste während ihres Aufenthalts aktiv in lokalen Hilfsorganisationen und karitativen Vereinen engagieren.

Die ganze Story lesen Sie im FORMAT Nr. 33

14.8.2008 12:59
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