"Super-Fisch" und "Sprintrakete": Phelps
und Bolt prägten Olympische Sommerspiele
- Saubere Wettkämpfer: Nur 6 offizielle Dopingfälle
- Gastgeber China überholt USA im Medaillenspiegel

Zwei Männer haben die 29. Olympischen Sommerspiele mehr geprägt als alle anderen. Schwimmer Michael Phelps und Sprinter Usain Bolt sind zu den absoluten Superstars der abgelaufenen Spiele von Peking avanciert. Während der Jamaikaner Bolt mit Weltrekorden über 100 m, 200 m und mit der Staffel über 4 x 100 m in neue Sphären vordrang, realisierte der US-Amerikaner Phelps ein von vielen für unerreichbar gehaltenes Ziel - acht Goldmedaillen.
Phelps triumphierte über 200 m Kraul, 100 und 200 m Delfin, 200 und 400 m Lagen sowie mit allen drei US-Staffeln und übertraf damit sogar die ewige Bestmarke seines Landsmannes Mark Spitz, der 1972 in München sieben Goldmedaillen geholt hatte. Gemeinsam mit seinen sechs Titeln von Athen hält Phelps bei 14 Olympia-Siegen und ist damit der mit Abstand erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. "Nichts ist unmöglich", betonte der 23-Jährige aus Baltimore.
Nach diesem Motto will sich Phelps in der kommenden Olympiade neuen Herausforderungen stellen und 2012 in London vielleicht andere Strecken schwimmen. Seinen Sport hat er bereits wie kein Zweiter geprägt. Mit insgesamt 25 neuen Weltrekorden waren die Schwimmbewerbe in Peking eines der Highlights der Spiele. An sieben Bestmarken war Phelps selbst beteiligt, mit zwölf Goldmedaillen dominierten die US-Schwimmer wie erwartet das Geschehen.
"Grand Slam" für Jamaika
Gleiches galt für die jamaikanischen Sprinter, die angeführt von Bolt den "Grand Slam" schafften und bei Männer und Frauen sowohl die 100 und als auch die 200 m für sich entschieden. Über 4 x 100 m holte sich Bolt in 37,10 Sekunden sein drittes Gold. Davor hatte der 22-Jährige die Sportwelt bereits mit Weltrekorden über 100 und 200 m geschockt. Über 100 m triumphierte der 1,96-m-Mann in 9,69 Sekunden, obwohl er nach 80 Metern bereits zu jubeln begonnen hatte.
Über die halbe Stadionrunde legte der Entertainer noch einen drauf, löschte in 19,30 Sekunden sogar die Fabel-Bestmarke des US-Amerikaners Michael Johnson (19,32) vom Olympia-Finale 1996 in Atlanta aus. "Ich bin selbst geschockt", gestand Bolt. Selbst über 400 m werden dem schlaksigen Ausnahme-Athleten, der den Sprint revolutioniert hat, in Zukunft ausgezeichnete Leistungen zugetraut. Vorerst durften sich die US-Athleten noch mit einem Dreifachsieg über 400 m sowie dem Zehnkampf-Titel für Bryan Clay trösten.
Gastgeber die Nummer 1
Im Medaillenspiegel mussten sich die USA aber wie erwartet China beugen. Die Chinesen gaben zwar nicht vorrangig in den olympischen Kernsportarten den Ton an, dominierten aber in zahlreichen anderen Disziplinen. Am Ende standen 51 Gold-, 21 Silber- und 28 Bronzemedaillen. Damit ist die neue Sport-Großmacht 24 Jahre nach ihrem ersten Olympia-Gold bereits die Nummer eins. 50 Titel waren vom kommunistischen Regime als Ziel für die Heimspiele ausgegeben worden.
Im Tischtennis räumten die Chinesen alle möglichen Medaillen ab, dazu spielten die Gastgeber ihre Überlegenheit etwa im Wasserspringen, im Badminton und im Turnen aus. Turn-Medaillen waren zuletzt aber ins Zweilicht geraten, weil bei einigen Athleten - etwa der Doppel-Olympiasiegerin He Kexin - das Geburtsdatum geändert worden sein soll. Erst ab dem 16. Lebensjahr dürfen Turnerinnen an den Spielen teilnehmen, He soll aber erst 14 gewesen sein.
Pferde wurden gedopt
Den größten Dopingskandal der Spiele gab es im Springreiten. Bei vier Pferden wurde die verbotene Substanz Capsaicin nachgewiesen, die das Schmerzempfinden der Tiere erhöht. Norwegen könnte daher seine Bronzemedaille im Teambewerb verlieren. Wegen Dopings wurden auch der ukrainischen Siebenkämpferin Ludmila Blonska (Silber) sowie dem nordkoreanischen Schützen Kim Jong Su (Silber 50 m Pistole, Bronze Luftpistole) ihre Medaillen aberkannt. Insgesamt gab es sechs offizielle Dopingfälle. Die Griechin Fani Halkia, Titelverteidigerin über 400 m Hürden, war bereits im Vorfeld überführt worden.
Zum stärksten Mann Olympias kürte sich der gebürtige Österreicher Matthias Steiner, der wegen eines Streits mit dem österreichischen Verband für Deutschland antritt. Der 25-Jährige triumphierte im Gewichtheben in der offenen Klasse über 105 kg mit der Zweikampf-Leistung von 461 kg. Im Juli 2007 war Steiners Ehefrau bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Nach einem Schicksalsschlag triumphierte auch Maarten van der Weijden im Langstrecken-Schwimmen. Der Niederländer litt an Leukämie.
US-Basketballer sorgten für Hysterie
Ihren Vorschusslorbeeren gerecht wurden die US-Basketballer, die sich 2004 in Athen noch mit Bronze blamiert hatten. Kobe Bryant, LeBron James und Co., die in China eine wahre Hysterie ausgelöst hatten, degradierten die Konkurrenz zu biederen Statisten. Lediglich im Finale gegen Spanien waren die US-Stars gefordert, siegten aber schließlich 118:107. Im nicht unumstrittenen Fußball-Turnier der Männer wiederholte Argentinien seinen Triumph von 2004 mit einem 1:0-Finalsieg gegen Nigeria. (apa/red)








