Noch keine Klarheit bei den 'Nesthäkchen':
Chinas Turnerinnen werden genau geprüft
- IOC fordert Geburtsurkunden & Familienbücher ein
- China spricht von "Missverständnis" bei den Daten
Die chinesischen Turn-Olympiasiegerinnen dürfen sich ihrer Olympia-Goldmedaillen noch nicht endgültig sicher sein. "Wir haben den Weltverband um weitere Nachforschungen gebeten, es ist eine ernste Geschichte. Wir haben Geburtsurkunden und Familienbücher eingefordert und werden die Dokumente sorgfältig prüfen", erklärte IOC-Boss Jacques Rogge auf seiner Abschluss-Pressekonferenz. Allerdings fügte der Belgier auch hinzu: "Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein."
Der Weltverband FIG hatte tags zuvor mitgeteilt, dass die Überprüfungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Hintergrund der neuerlichen Anstrengungen des IOC war ein Bericht der Londoner "Times", die sich auf Nachforschungen des US-Computer-Experten Mike Walker berief. Diese hatten ergeben, dass zwei neue chinesische Regierungsdokumente das Geburtsdatum von He Kexin nicht, wie ihr Pass besagt, mit dem 1. Jänner 1992, sondern erst mit dem 1. Jänner 1994 ausweisen.
Schon seit Wochen gibt es Zweifel am Alter von mindestens drei Turnerinnen Chinas, nachdem frühere Online-Aufzeichnungen, Meldelisten und auch ein Bericht der Staatsagentur Xinhua ans Tageslicht kamen, die das Alter der Goldmedaillen-Gewinnerinnen He Kexin, Jiang Yuyuan und Yang Yilin mit 14 Jahren ausweisen.
"Missverständnis" bei Daten-Übertragung?
Chinas Sport-Minister führt das Durcheinander um das Alter von He Kexin inzwischen auf Fehler beim Wechsel einiger Athletinnen aus Provinz- in Auswahlmannschaften zurück. Es habe ein "Missverständnis" bei der Daten-Übertragung gegeben, räumte Minister Cui Dalin in Peking ein. "Jedoch kann ich jetzt sagen, dass das Alter aller Turnerinnen den Olympia-Anforderungen entspricht", meinte er. Turnerinnen müssen im Jahr der Spiele das 16. Lebensjahr vollenden, um die Regularien des Weltverbandes zu erfüllen.
Sollten doch noch Beweise für eine Manipulation gefunden werden, droht den Chinesinnen die Medaillen-Aberkennung gleich im großen Stil: Neben Team-Gold wären dann auch der Sieg von He Kexin am Stufenbarren und zwei weitere Medaillen-Platzierungen betroffen. (apa/red)









