Gemischte Austro-Bilanz bei Olympia 2008:
Weniger Medaillen, aber mehr Top-Plätze
- Nur wenige große ÖOC-Enttäuschungen in Peking
- Viele Athleten erfüllten die gesetzten Erwartungen

Einmal Silber für Judokämpfer Ludwig Paischer sowie Bronze für Wildwasser-Kanutin Violetta Oblinger-Peters und Brustschwimmerin Mirna Jukic - Nur drei Medaillen bei den Olympischen Spielen in China klingen nach einer herben Niederlage für Österreich, wenn man sich erinnert, dass es vor vier Jahren in Athen sieben waren, davon zwei in Gold.
Tatsächlich hat die Alpenrepublik im Spitzenbereich aber zugelegt, auch wenn es erstmals seit zwölf Jahren (Atlanta 1996) keinen rot-weiß-roten Olympiasieger gibt. Insgesamt 30 Top-Ten- und 38 Top-16-Platzierungen wurden erreicht, vor vier Jahren waren es 22 und 34. Bei den Spielen in Griechenland gab es übrigens auch keinen vierten und keinen fünften Rang, in Peking klirrte gleich viermal Blech, hinzu kamen sechs Eintragungen auf Platz fünf.
"Perfekte Niederlage"
Zu den größten Enttäuschungen zählten in Peking Schwimmer Markus Rogan, der noch vor vier Jahren zwei Silbermedaillen errang, sowie die Tornado-Doppelolympiasieger Roman Hagara/Hans Peter Steinacher, die vor Qingdao nur an neunter Stelle landeten. Die Olympioniken von Sydney und Athen waren nach später Materialauswahl in Zeitverzug geraten und vernachlässigten das Regattatraining, was sich im schwierigen Revier bitter rächte. Rogan sucht immer noch nach der Erklärung für die "perfekte Niederlage".
Bei all den vielen, schönen Einzelleistungen besteht aber Handlungsbedarf in einigen rot-weiß-roten Sommersportverbänden. Und nicht nur in jenen, die in China unter den Erwartungen blieben. Auch in solchen, die überhaupt keine Athleten qualifizieren konnten, aber in vergangenen Zeiten schon große Erfolge gefeiert haben - wie Rudern, Ringen, Taekwondo und Gewichtheben. In der Leichtathletik war nur ein dreiköpfiges Rumpfteam mit geringer Aussicht am Start, nur ein Fechter kreuzte die Klingen mit den Gegnern.
Pech bei den Auslosungen
Zum Teil darf man den österreichischen Sportler auch zugestehen, dass sie während der Sommerspiele Pech hatten mit Auslosungen (Judo, Fechten, Tischtennis-Teams), und kein Glück bei knappen Rennausgängen - wie die oben genannten vierten und fünfte Plätze zeigten. Im Judo wäre mehr als eine Medaille möglich gewesen, im Schwimmen sowieso, aber auch im Radsport und Schießen hätte es mit Edelmetall klappen können.
Zusätzlich zu den Medaillengewinnern schafften es viele, ihr Leistungspotenzial abzurufen und die Erwartungen zu erfüllen. Darunter fallen die Tennisprofis Jürgen Melzer und Sybille Bammer, bei den Straßen-Radfahrer vor allem Christiane Soeder sowie die Mountainbiker Elisabeth Osl und Christoph Soukup, aber auch die Flachwasser-Kanutinnen Yvonne Schuring/Viktoria Schwarz. Und auch die Rhythmische Gymnastin Caroline Weber, für die der Sprung ganz an die Spitze aber ein Kampf gegen Windmühlen ist.
Überraschungen im Beach-Volleyball
Als Überraschung ist das starke Auftreten im Beach-Volleyball zu werten, Österreich brachte mit Doris und Stefanie Schwaiger sowie Florian Gosch/Alexander Horst zwei Paarungen auf Platz fünf. Wenige blieben deutlich unter den Erwartungen, so die Wasserspringer und die Pferdesportler. Dressurreiterin Victoria Max-Theurer schied als 27. im Grand Prix aus, Vielseitigkeitsreiter Harald Ambros musste aufgeben.
Die sonst so verlässlichen Schützen kamen nur in einem Bewerb in die Nähe der Medaillenränge. Und im Triathlon hat die 38-jährige Titelverteidigern Kate Allen bei einem Radunfall im April die Schwimmform eingebüßt und nicht mehr aufholen können, und musste letztlich der Jugend klar den Vortritt lassen.
Viele von Österreichs Top-Sportlern im Sommer werden in London 2012 nicht mehr dabei sein. Nun muss dafür gesorgt werden, dass mit ihnen nicht auch die Sportart aus den Schlagzeilen verschwindet. (apa/red)








