Sarah Palin geht jetzt in die Offensive:
Gouverneurin kontert Kritik an ihrer Person

  • "Ich gehöre nicht zu Washingtons politischer Elite"
  • McCain und Palin offiziell als Kandidaten nominiert

Die Republikaner haben offiziell John McCain zu ihrem Spitzenbewerber ernannt. Die rund 2.400 Delegierten des Parteitages in Minneapolis-St. Paul (Minnesota) sprachen sich für den 72- jährigen Senator aus Arizona aus, der bei der Wahl am 4. November mit der 44-jährigen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, als Vizekandidatin ins Rennen ums Weiße Haus gehen will. Palin wandte sich in einer mit Spannung erwarteten Rede an den Parteitag und war dabei nach anhaltender Kritik wegen ihrer politischen Unerfahrenheit in die Offensive gegangen. Sie setzte sich gegen den Vorwurf der Unerfahrenheit zur Wehr und stellte ihre ländliche Herkunft als Vorteil hin.

In ihrer mit Spannung erwarteten Rede ging die wegen ihrer politischen Unerfahrenheit und der Schwangerschaft ihrer minderjährigen Tochter kritisierte Gouverneurin in die Offensive. Vor den jubelnden Delegierten präsentierte sich Palin als Politikerin, die sich in ihrer Zeit als Gouverneurin als Reformerin erwiesen und sich nicht gescheut habe, gegen Parteifilz und Lobbyisten-Einfluss vorzugehen. Massiv und oft mit spöttischem Unterton griff sie den Demokraten Obama als elitären und karriereorientierten Opportunisten an, der große Reden schwinge, aber wenig vorzuweisen habe. Harsche Kritik äußerte sie an den Medien, nachdem sie in den vergangenen Tagen wegen der Schwangerschaft ihrer minderjährigen Tochter in die Schlagzeilen geraten war.

"Gut geschlagen"
TV-Kommentatoren äußerten sich in ersten Reaktionen positiv: Palin habe sich gut geschlagen. McCain zeigte sich kurz nach ihrer Rede erstmals vor den Delegierten und gratulierte Palin zu ihrem Auftritt. "Glauben Sie nicht, dass ich die richtige Wahl getroffen habe?" Die 44-Jährige Palin ist die erste republikanische Vizekandidatin in der US-Geschichte. 1984 hatte der Demokrat Walter Mondale mit Geraldine Ferraro als seiner Nummer Zwei gegen Ronald Reagan verloren. McCain wäre im Fall seines Sieges am 4. November der älteste Politiker, der jemals neu ins Weiße Haus gezogen ist.

Den Delegierten in St. Paul versprach Palin, gemeinsam mit McCain werde sie "Washington aufmischen". In den vergangenen Tagen habe sie gelernt, "dass man, wenn man bei der Washingtoner Elite nicht gut angesehen ist, schon allein aus diesem Grund als Kandidat bei manchen Medien als unqualifiziert angesehen wird." Aber sie gehe nicht nach Washington, um das Wohlwollen jener Reporter und Kommentatoren zu erlangen, sagte die Gouverneurin. "Ich gehe nach Washington, um den Menschen in diesem Land zu dienen."

Auf die Schwangerschaft ihrer Tochter Bristol ging Palin, eine strikte Gegnerin des Abtreibungsrechts und Sexualkundeunterrichts in den Schulen, nicht ein. Bristol und der Vater des Kindes, den sie heiraten will, saßen jedoch während der Rede auf der Zuschauertribüne.

Irakkrieg als Auftrag Gottes
Im Internet kursierten Videomitschnitte einer Rede Palins, in der die fünffache Mutter den Irakkrieg als "Auftrag Gottes" bezeichnet. "Betet für unsere Soldaten, die danach streben, das zu tun, was richtig ist für das Land", bat sie in der in einer Kirche in ihrer Heimatstadt Wasilla. "Unsere nationalen Führer schicken sie in einen Auftrag, der von Gott ist." Palins Sohn Track soll noch in diesem Monat als Soldat im Irak eingesetzt werden.

Mit offensichtlichem Bezug auf Obamas Wahlkampfmotto erklärte Palin, es gebe in der Politik einige Kandidaten, die "Wandel" benutzten, um ihre Karrieren zu fördern. John McCain benutze dagegen seine Karriere, um Wandel zu bewirken. Mit Blick auf den Irakkrieg warf sie Obama außerdem vor, dass Wort Sieg nur in den Mund zu nehmen, wenn es um den Wahlkampf gehe.

Giuliani macht Werbung für Palin
Ein flammendes Plädoyer für Palin lieferte neben anderen auch der New Yorker Exbürgermeister Rudy Giuliani. Sie habe mehr Regierungserfahrung als der demokratische Präsidentschaftskandidat Obama und dessen Vize Joe Biden zusammen. "Sie stand an der Spitze einer Stadt und eines Staates. Sie hat Steuern und Regierungsausgaben reduziert." Obama und Biden sind Senatoren. Palin ist seit zwei Jahren Gouverneurin von Alaska und war vorher Bürgermeisterin von Wasilla, einem Vorort von Anchorage mit etwa 9O00 Einwohnern.

Palin war außerhalb Alaskas praktisch unbekannt, bevor McCain sie an seine Seite rief. Seine Entscheidung wird vor allem als Versuch gewertet, die konservative Basis zufriedenzustellen und zugleich die Stimmen enttäuschter ehemaliger Anhängerinnen der Demokratin Hillary Clinton und moderater Wähler zu gewinnen.

(apa/red)

4.9.2008 12:57
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