NEWS-Sportexperte Andy Jaros analysiert: Austrias doppelter Skandal im Wiener Derby
- Von lustlosen Veilchen und violetten Krawallmachern

Österreichs Fußball liefert in den letzten Augusttagen wahnwitzige Aha-Erlebnisse in Serie: Erst die Komödie von Nizza mit den vier Toren des ÖFB-Teams im freundschaftlichen Länderkampf gegen Weltmeister Italien, die am Ende trotzdem nur ein 2:2 ergaben, dann der Schall und Rauch beim Wiener Derby im Spitzenspiel der 7. Bundesligarunde.
Die Rapid-Fans im Westsektor hatten auf Spruchbändern vor dem Duell mit den Violetten keck mit Hollywood kokettiert: "And the oscar for best club in the world goes to ..." und "Die Bundesliga ist wie ein Film, Rapid spielt die Hauptrolle".
Blöderweise kamen die Favoritner auf die Idee, das grünweiße Script mit explosiven Special Effects aufpeppen zu wollen. Leider nicht auf spielerische Art, sondern durch tumbes Knallkörpergetöse. Als Rapid seinen Blitzstart mit dem 1:0 durch Branko Boskovic in der 5. Minute krönte, lag plötzlich auf der Gegenseite Rapid-Tormann Georg Koch am Boden. Aus dem Austria-Sektor war einer von viel zu vielen Böllern geflogen, der das rechte Ohr des in Hütteldorf ohnehin leidgeprüften Deutschen betaeubte und sein weiteres Mitwirken verhinderte. Er hatte nämlich zu diesem Zeitpunkt nicht nur sein Gehör verloren, sondern auch einen Kreislaufkollaps erlitten. Der Wiener Gipfel stand am Rande des Abbruchs und wurde wohl nur deshalb wieder angepfiffen, um eine möglicherweise drohende Straßenschlacht zu verhindern.
Nach dem destruktiven Knalleffekt schlief das Spiel ein. Rapid war zwar klar aktiver, wartete mit der endgültigen Entscheidung aber generös bis zur 57. Minute, wieder durch Boskovic. Die Austria stand weiter völlig neben den Schuhen, konnte Koch-Ersatz Raimund Hedl kaum jemals gefährden und ließ noch ein drittes Tor (Hofmann, 81.) zu. Sie erinnerte frappant an ihre laue Performance im letzten Derby im Hanappi-Stadion, als Coach Georg Zellhofer fatalerweise vorher seinen Abschied angekündigt hatte.
Beste Austria-Aktion in der zweiten Hälfte: Wie Trainer Karl Daxbacher, der ursprünglich ja auf Sieg spielen wollte, an der Outlinie gekonnt einen hohen Ball pflückte. Die Performance vom Sonntag - die Mannschaft passiv, Fans überaggressiv - hatte nicht mal B-Movie-Format und wurde unabhaengig von den bevorstehenden Sanktionen des Strafsenats bereits von den Tabellenbauern gnadenlos geahndet: And the new league leader was... Rapid.
von Andy Jaros








