Böller setzt Koch 2 Wochen außer Gefecht:
"Schande von Hütteldorf" hat ein Nachspiel

  • Kracher aus Austria-Fansektor verletzt Goalie schwer
  • Langzeitschäden im Ohr werden nicht ausgeschlossen

Über den Sieger im 286. Wiener Fußball-Derby gab es keine Diskussionen. Meister Rapid schlug zum Abschluss der siebenten Bundesliga-Runde den Stadtrivalen Austria 3:0 nach spielerisch und kämpferisch starker Leistung völlig verdient und setzte sich erstmals in dieser Saison an die Tabellenspitze. Aber dieses Duell wird aus anderem Grund noch lange in Erinnerung bleiben, für Gesprächsstoff sorgen und ein Nachspiel vor den Liga-"Richtern" haben.

Es waren vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Hanappi-Stadion noch keine sechs Minuten gespielt, da lag beim Stand von 1:0 für die Hausherren Rapids Torhüter Georg Koch auf dem Boden und wand sich vor Schmerzen. Der Deutsche war von einem aus dem Austria-Sektor hinter ihm geworfenen und explodierenden Böller außer Gefecht gesetzt worden und musste nach sechsminütiger Erstversorgung durch Raimund Hedl ersetzt werden.

Koch, der über Übelkeit und Kreislaufschwäche klagte, bekam in der Kabine von Rapid-Arzt Benno Zifko Infusionen, auf die der Patient gut ansprach. Daher verbrachte der Keeper die Nacht auch nicht im Spital, sondern zu Hause. Am Tag nach dem Derby wurde im Krankenhaus eine eingehende HNO-Untersuchung durchgeführt. "Koch wollte vorher nichts sagen, hatte auch sein Handy abgeschaltet", teilte Rapids Pressesprecher Sharif Shoukry mit.

Lebenslanger Gehörschaden möglich
Nach der Audiometrie und Gehörgangsuntersuchungen wurde dann bei Koch eine Vertäubung und ein Tinnitus (Rauschen bzw. Piepsen im Ohr) am verletzten rechten Ohr festgestellt. Er leidet noch immer an Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit. Es entstand keine Trommelfellverletzung, Koch wird mindestens zwei Wochen pausieren müssen. Weitere regelmäßige Tests in den kommenden Wochen zur Kontrolle des Heilungsprozesses folgen unter der Leitung von Clubarzt Benno Zifko. Es wird eine ambulante Behandlung mit täglichen Infusionen durchgeführt.

Wie lange der Heilungsprozess dauern wird, kann jetzt noch niemand prognostizieren, im schlimmsten Fall könnte der Gehörschaden dem Rapid-Goalie lebenslang zu schaffen machen. Koch soll, wenn alles gut verläuft, in den nächsten Tagen ein leichtes Fitness-Training absolvieren. Er habe den Vorfall wie einen Schock empfunden, gestand er. "Ich habe in meiner Karriere schon viele hitzige Derbys absolviert, bin aber noch nie durch solche Aktionen von gegnerischen Fans verletzt worden", sagte der 36-Jährige dann nach seinem Spitalbesuch und den Untersuchungen.

"Mannschaft gab die richtige Antwort"
Er hoffe, bald wieder im Tor zu stehen, und freute sich sehr, dass "unsere Mannschaft auf dem Platz die richtige Antwort gegeben" habe. Rapid habe das Derby verdient und sehr souverän gewonnen, sagte Koch. Der deutsche Torhüter war erst vor der Saison für den erkrankten ÖFB-Teamgoalie Helge Payer (Thrombose im Bauchbereich) verpflichtet worden.

Für Peter Pacult war gleich nach dem Vorfall im Stadion klar, dass seine Elf das Derby fortsetzen würde. "Wir können ja nicht wegen ein paar Holzköpfen unsere Spieler bestrafen", meinte der Meistermacher, der im Nachhinein gut daran getan hatte, dass er am Wochenende davor im ÖFB-Cup Hedl auswärts gegen den FC Kärnten eingesetzt hatte.

Nicht nur die Hütteldorfer, sondern auch die Austrianer verurteilten den Zwischenfall. "Das war ein Skandal. Dass es solche Leute im Fußball gibt, ist tragisch", meinte Franz Schiemer, der wegen einer Wadenverhärtung beim Aufwärmen hatte passen müssen. Sein Ersatzmann in der Innenverteidigung, Michael Madl, fügte hinzu: "Es tut uns alle leid, wir wünschen Georg gute Besserung und dass er bald wieder gesund wird."

Austria distanziert sich von "Rowdys"
Für Austria-Manager Markus Kraetschmer gehören solche Leute, die Koch verletzt haben, nicht auf den Fußball-Platz. "Was heute passiert ist, ist unentschuldbar. Egal, ob vorher Provokationen waren, wir sind nicht im alten Mesopotamien. Wir werden mit den Fans gemeinsam versuchen, diese wenigen Leute auszuforschen. Das wollen wir nicht auf uns sitzen lassen, es wird Stadion-Verbote geben", sagte der violette AG-Vorstand.

Die Favoritner schrieben auf ihrer Homepage im Internet von "der Schande von Hütteldorf" und distanzierten sich von Rowdys, die solche Taten ausführen. Man könne nach so einem bedauerlichen Vorfall nicht zur Tagesordnung übergehen, die Austria würde sofort damit beginnen, diese negativen Ereignisse im Detail aufzuarbeiten. Kraetschmer hielt aber fest, dass man nicht alle Fans über einen Kamm scheren dürfe und 90 Prozent der Anhänger in Ordnung seien und viele Stunden für den Verein investierten.

(apa/red)

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25.8.2008 16:10
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