Schlagabtausch Van der Bellen vs. Haider:
Ein TV-Duell ohne gemeinsame Positionen

  • Disput von Asyl über Tieraktivisten bis zu Ortstafeln
  • Wahl-Duell erzielt mit 883.000 Sehern Quotenrekord

Grünen-Chef Van der Bellen und BZÖ-Obmann Haider haben beim ORF-TV-Duell kaum Gemeinsames dafür Differenzen bei Themen wie Asyl, Ortstafeln und Verkehrspolitik gefunden. Zwischendurch wurden beide recht laut, auch wenn Haider wegen einer Operation kurz vor dem Auftritt noch unter Vollnarkose gestanden ist. Die TV-Konfrontation sahen 883.000 Personen - das ist die höchste Zuseherquote der bisherigen Wahl-Duellen.

Van der Bellen und Haider stiegen gleich am Beginn angreifend in die Diskussion ein und lieferten sich einen Streit über die Kandidatur von Tieraktivisten für die Grünen, die Abschiebungen von Asylwerbern aus Kärnten und zweisprachige Ortstafeln. Van der Bellen bekannte sich zur Kandidatur der kürzlich aus der U-Haft entlassenen Tieraktivisten wegen der ungerechtfertigten Anwendung des Anti-Mafia-Paragrafen gegen die Aktivisten.

Von Tierschützern zu Asylwerbern
Haider warf den Grünen vor, sich mehr aus Tieren als aus Menschen zu machen, weil sie im Parlament gegen die Verschärfung des Kinderschutzes gestimmt hätten. Van der Bellen nützte diese Attacke zu einem Gegenangriff und bezeichnete es als "typisch" für Haider, nicht rechtskräftig verurteilte Menschen anzuprangern. Als Beispiel nannte er die Abschiebungen von Asylwerbern aus Kärnten, was direkt zum Asyl-Thema führte.

Haider meinte, er habe das Recht, sich Kärnten zugeteilte Asylwerber auszusuchen. Außerdem würde sich auch Innenministerin Fekter mittlerweile für Abschreibungen ohne rechtskräftige Verurteilungen aussprechen. Haider brachte gleichzeitig Anzeigen der Grünen in Sachen Ortstafeln gegen sich zur Sprache und meinte wörtlich: "Ihr seid eine alte Vernaderer-Partie." Van der Bellen konterte: "Wir stehen auf dem Boden des Rechtsstaates, Sie offensichtlich nicht."

Wenig Gemeinsamkeiten
Die einzigen Parallelen fanden der Grünen-Chef und Haider beim Thema Pensionen. Beide sprachen sich für eine Verlängerung der Hacklerregelung aus. Van der Bellen plädierte außerdem für ein "liberales System", bei dem jeder solange arbeiten könne, wie er wolle. Haider meinte, dies sei dank des BZÖ schon möglich.

Die Pensionen machten aber gleichzeitig einen weiteren Unterschied deutlich. So sprach sich Van der Bellen im Sinne von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung für eine "gesteuerte und gemäßigte Zuwanderung" aus. Haider wollte dagegen nicht über Zuwanderer nachdenken, sondern über die arbeitslosen Österreicher.

Disput über Umweltschutz
In die Haare gerieten sich Van der Bellen und Haider auch als es um Umweltschutz ging. Der Kärntner Landeshauptmann lobt wieder einmal sein Bundesland als besonders fortschrittlich. So sei Kärnten, "wo die Grünen nichts zu sagen haben", in Sachen erneuerbarer Energie viel erfolgreicher als das von den Grünen mitregierte Oberösterreich. "Vielleicht machen Sie mal eine Exkursion nach Kärnten", so Haider.

BZÖ-Chef vor Duell unter Vollnarkose
Haider hatte sich vor dem TV-Duell einer Operation wegen eines Insektenstichs unterziehen müssen. Zu Beginn der Debatte meinte Haider, sollte er etwas ermüdet wirken, liege das nicht daran, dass er sich "stillmäßig" an Van der Bellen anpassen wolle, sondern an der Narkose. Die Diskussion wurde dennoch hart geführt und sogar Van der Bellen wurde manchmal lauter. (apa/red)

5.9.2008 15:24
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