Große Koalition seit 1945 Standardmodell:
Rot-Schwarz regierte in 35 von 63 Jahren
- Auch FPÖ, BZÖ & KPÖ fungierten als Koalitionspartner
- Letzte Große Koalition hatte nur kurze Haltbarkeit

Nach der gescheiterten Wiederauflage haben die Wähler die Große Koalition wieder einmal satt. Dieser Regierungsform war bisher die weitaus häufigste der Zweiten Republik: Fast 35 der beinahe 63 Jahre seit der ersten Wahl im November 1945 regierten SPÖ und ÖVP gemeinsam - von 1945 bis 1966 unter ÖVP-Kanzlern und von 1987 bis Anfang 2000 unter SPÖ-Kanzlern. Die ÖVP ist seit nunmehr fast 22 Jahren durchgehend Regierungspartei. Die SPÖ drückte von 2000 bis 2007 die Oppositionsbank - nachdem sie zuvor fast 30 Jahre (13 davon allein) regiert hat.
Mit diesen 13 Jahren Alleinregierung kommt die SPÖ in Summe auf eine längere Regierungsbeteiligung - nämlich fast 52 Jahre - seit 1945; bei der ÖVP waren es fast 46 Jahre (mit vier Jahren Alleinregierung von 1966 bis 1970). Bei den Kanzlern hat die SPÖ mit den zuletzt eineinhalb Jahren Gusenbauer die ÖVP knapp überholt: 31,4 Jahre stellte die SPÖ den Regierungschef, 31,3 Jahre die ÖVP.
Dies war anderen Parteien bisher nicht gegönnt - aber in der Regierung waren auch schon FPÖ, BZÖ und KPÖ. Die beiden anderen Parlamentsparteien der Zweiten Republik, Grüne (seit 1986 im Nationalrat) und LIF (1993 bis 1999), waren bisher nur in der Opposition.
FPÖ mit neun Jahren Regierungsbeteiligung
Die FPÖ kommt auf fast neun Jahre Regierungsbeteiligung, das 2005 abgespaltete BZÖ auf etwas mehr als eineinhalb Jahre. Die KPÖ war nur kurz, von Dezember 1945 bis Jänner 1947, in der ersten Regierung der Zweiten Republik - einer Konzentrationsregierung - vertreten.
Eine Kleine Koalition mit der FPÖ sind sowohl SPÖ als auch ÖVP schon eingegangen. Die SPÖ vor langer Zeit - vom Verlust der Absoluten 1983 bis zu den nach Jörg Haiders Machtübernahme vorgezogenen Neuwahlen 1986. Die ÖVP verabschiedete sich Ende der 90er-Jahre von der Absage an eine Koalition mit der Haider-FPÖ und ging nach der Wahl 1999 Schwarz-Blau ein. Dies war bisher die einzige Regierung, an der die stimmenstärkste Partei - die SPÖ - nicht beteiligt war und in der die drittstärkste Partei, die ÖVP, den Kanzler stellte. Auch nach den vorgezogenen Neuwahlen 2002 setzte die ÖVP - nunmehr als stimmenstärkste Partei - Schwarz-Blau fort; nach der Spaltung der FPÖ 2005 mutierte diese Regierung zu Schwarz-Orange.
Letzte Große Koalition mit geringer Haltbarkeit
Nach der Wahl 2006 wurde die Große Koalition unter Führung der Wahlsiegerin SPÖ wiederbelebt - hielt aber nur knapp eineinhalb Jahre. Dennoch ist für SPÖ-Chef Werner Faymann die Fortsetzung vorstellbar, während ÖVP-Chef Wilhelm Molterer andere Varianten präferiert - neben Schwarz-Grün sogar notfalls die Minderheitsregierung. Eine solche gab es bisher erst einmal, für eineinhalb Jahre, zu Beginn der Ära Kreisky von 1970 bis 1971.
(apa/red)








