Chinesisches Kapital rollt in den Westen:
Banken profitieren von Deviseneinnahmen
- Reichtum des Staatsfonds beruht auf US-Schulden
- Chinesische Banken nehmen gehören zur Weltspitze

Es ist nicht einmal drei Jahre her, da bot die amerikanische Citigroup 2,5 Mrd. Euro für die chinesische Guangdong Entwicklungsbank. Inzwischen haben die Chinesen den Spieß umgedreht. Im Oktober 2007 beteiligte sich der chinesische Staatsfonds Citic Securities mit rund 700 Mio. Euro an der US-Investmentbank Bear Stearns, seit Dezember 2007 ist die staatliche China Investment Corp. mit 3,5 Mrd. Euro an der zweitgrößten US-Investmentbank Morgan Stanley beteiligt.
Begünstigt wurde der Einstieg der Chinesen durch die US-Hypothekenkrise. Vor allem aber zeigt der Vorgang einen Trend: Staatsfonds nicht nur aus China kaufen sich immer mehr in die Wirtschaft ein, vor allem im Westen.
Chinesische Banken auf Spitzenplätzen
Dazu passt, dass chinesische Banken inzwischen nach Börsenwert die Spitzenplätze auf der Welt einnehmen. Auf Platz eins nach der Marktkapitalisierung steht seit Sommer 2007 die ICBC, die Industrial & Commercial Bank China. Auf Platz zwei der Bankenrangliste folgt die China Construction Bank, und mit der Bank of China auf Platz fünf ist noch ein drittes chinesisches Geldhaus unter den Top 10. Als wertvollste europäische Bank lag Ende 2007 HSBC auf Platz drei vor der Bank of Amerika.
Der Reichtum der chinesischen Staatsfonds und der staatlich kontrollierten Banken beruht zu einem Gutteil auf den Schulden der USA. China verfügt über Währungsreserven von rund 1,68 Bill. Dollar (1.16 Bill. Euro), angelegt hauptsächlich in US-Schatzbriefen. Das ist fast so viel wie die deutsche Gesamtverschuldung. Die Schulden von Bund, Ländern, Gemeinden summieren sich auf knapp 1,49 Bill. Euro.
Devisen für Investment Gesellschaft
Ende 2007 stattete China aus seinen Devisenreserven die staatliche Chinesische Investment Gesellschaft CIC mit einem Kapital von etwa 200 Mrd. Dollar aus. Seither sind chinesische Fonds und Banken im Westen auf Einkaufstour. So bekundete inzwischen die staatliche Entwicklungsbank China Development Bank (CDB) Interesse an der für Herbst geplanten Teil-Privatisierung der Deutschen Bahn. Die CDB war auch als möglicher Käufer der Dresdner Bank gehandelt worden, bevor die Commerzbank zu Zuge kam.
Und auch andere Staaten spielen mit: Russland hat Profite aus dem Öl- und Gasgeschäft ebenfalls in staatliche Fonds gesammelt, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen. Auch die Russen sollen sich für die Bahn interessieren. Singapur ist auf dem Markt vertreten, die Ölstaaten am Golf, Südkorea. Die US-Investmentbank Merrill Lynch schätzte Ende November 2007 das Gesamtvermögen der Staatsfonds auf über 2 Bill. Dollar, mehr als alle Hedgefonds der Welt zusammen aufweisen können.
Jüngstes Beispiel: Die staatseigene Korea Development Bank bestätigte Gespräche über einen Kauf der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers. Die traditionsreiche US-Bank hatte im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres wegen der US-Hypothekenkrise einen Verlust von 2,87 Mrd. Dollar hinnehmen müssen und damit erstmals seit seiner Ausgliederung aus American Express rote Zahlen geschrieben.
Und der Ölstaat Abu Dhabi ist mit dem Abu Dhabi Investment Council aktiv, einem der größten Staatsfonds überhaupt. Abu Dhabi stieg im November 2007 mit 7,5 Mrd. Dollar bei der Citigroup ein, als die für viele Jahre größte Bank der Welt über die faulen Hypothekenpapiere strauchelte. Dem Fonds aus dem ölreichen Emirat gehören inzwischen übrigens auch 75 Prozent eines der berühmtesten Wolkenkratzer in New York, des Chrysler Buildings.
(von Joachim Sondermann, AP)








