Kommerzielles DORF-Portal eingeäschert:
Web-Idee wird laut Wrabetz nicht umgesetzt

  • Website sollte "Erfolgsrezepte" des Web 2.0 vereinen
  • ORF-Redakterussprecher kritisiert Online-Direktor

Als "Sturm im Wasserglas" bezeichnet ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz die Aufregung um "DORF", das kommerzielle ORF-Online-Konzept, das Walter Meischbergers Agentur Zehnvierzig Online-Direktor Thomas Prantner präsentiert hatte. Dieses sah vor, die Onlineerfolgsrezepte von MySpace, YouTube, Ebay und Parship auf einem Internetportal des ORF zu vereinen. "Der ORF wird diese Idee nicht umsetzen", sagte Wrabetz.

Es handle sich um einen externen Projektvorschlag, der vom ORF geprüft und von der Rechtsabteilung für "rechtlich nicht umsetzbar" befunden wurde, beruhigte der ORF-Chef. Es sei bedauerlich, dass dieses "externe Papier" den Weg in die Öffentlichkeit gefunden und dort zu Besorgnis geführt habe. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) hatte in dem Vorhaben einen Skandal und Rechtsverstoß des ORF geortet.

Zur Grundaufgabe des ORF und seines Online-Direktors gehöre auch, "Ideen, die an uns herangetragen werden, zu prüfen". Das von Meischberger vorgelegte Konzept werde nicht umgesetzt - auch eine "DORF"-light-Version werde es nicht geben. "Es ist unsere Aufgabe, zu sehen, was am Markt ist und dann zu entscheiden, was geht und was nicht. Wir haben hier ein enges rechtliches Korsett", so der Generaldirektor.

Normaler Umgangston von Pirker gefordert
An VÖZ-Präsident Horst Pirker appellierte Wrabetz, "dringend zu einem normalen Umgangston zurückzukehren". Pirker habe sich "in der Wortwahl einigermaßen vergriffen", so der Generaldirektor. "Wenn man gleich mit strafrechtlichen Vorwürfen kommt, nur weil intern über etwas nachgedacht wird, scheint mir überzogen. Außerdem ist ein Teil des DORF-Inhalts genau das, was wir mit den Verlegern jahrelang als österreichische Internetplattform diskutiert haben. Vielleicht ist das ja ein Konzept, das sich die Verleger anschauen können, wenn wir das rechtlich schon nicht können."

Dass der ORF in jüngster Vergangenheit immer wieder wegen Gesetzesübertretungen bei der Cross-Promotion verurteilt wurde, erklärte Wrabetz damit, dass man die Möglichkeiten nutzen müsse, den "engen gesetzlichen Rahmen maximal auszuschöpfen". Dass es dabei "so lange die Fälle nicht ausjudiziert sind, immer wieder zu Interpretationsunterschieden mit Gerichten und Behörden kommt, ist klar".

Interne Kritik von ORF-Redakteurssprecher
ORF-Redakteurssprecher Fritz Wendl kommentierte die Causa "DORF" hingegen nicht ganz so gelassen: "Während in der ORF-Tochter Online- und Teletext-GmbH, in den Landesstudios, im Radio und Fernsehen tagaus tagein überaus erfolgreich im besten Sinn öffentlich-rechtlicher Online-Journalismus praktiziert wird, werkt offenbar gleichzeitig - ein für journalistische Inhalte glücklicher Weise absolut unzuständiger - Onlinedirektor an Konzepten, die weder mit dem ORF-Gesetz, noch mit EU-Vorgaben und schon gar nicht mit ethischen journalistischen Grundsätzen (Stichwort: bestellte Geschichten) vereinbar sind", so Wendl.

Für Wendl stelle sich damit die Frage nach der Zukunft von Online-Direktor Prantner: "ORF-Unternehmenssprecher Pius Strobl hat vor einigen Tagen zu Anregungen, den Posten des Online-Direktors einzusparen, gemeint, dies sei Angelegenheit des Generaldirektors und des Stiftungsrats. Stimmt. Bleibt nur die Frage, was die - spätestens nach den jüngsten Vorfällen - noch hält, entsprechend tätig zu werden." (apa/red)

5.9.2008 15:37
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