Hypothekenmarkt kränkelt weiter dahin:
Keine Genesung trotz US-Regierungseingriff

  • Hypotheken im Gesamtwert von zwölf Billionen Dollar
  • Immoblien-Preise seit 2006 um 20 Prozent gesunken

Trotz der radikalen Maßnahme der US-Regierung bleibt die Zukunft des US-Hypothekenmarktes ungewiss. Zwar wird eine gewisse Entspannung erwartet, doch rechnen Experten mit einem langfristigen Prozess der Rekonvaleszenz. Viele Betroffene rechnen eher mit einer kurzen Verrschnaufpause als mit einer wirklichen Trendwende.

Der Patient US-Hypothekenmarkt bleibt auch nach der Notoperation auf der Intensivstation. Sein Zustand ist weiter kritisch. Nach der Verstaatlichung der angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac blickten Experten nur verhalten optimistisch in die Zukunft. "Wir stehen vor einem langwierigen Prozess. Das war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung", sagte William Larkin, Händler von Cabot Money Management.

Entspannung erwartet
Analysten gehen davon aus, dass sich durch den Einstieg der US-Regierung bei den angeschlagenen Hypothekenfinanzierern die Lage am Immobilienmarkt entspannt. Beide Unternehmen garantieren direkt oder indirekt knapp die Hälfte der US-Hypotheken im Gesamtwert von zwölf Billionen Dollar. Außerdem sind die halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer für den US-Markt wegen ihrer Vermittlerrolle wichtig: Sie kaufen Banken Hypotheken ab und refinanzieren sie durch Weiterverkauf oder die Ausgabe eigener Anleihen.

"Fannie Mae und Freddie Mac sind entscheidend, um den Häuser-Markt über den Berg zu bringen", sagte US-Finanzminister Henry Paulson. Von der Stabilisierung des Hypotheken- und Immobilienmarktes dürften auch anderen Branchen wie Baufirmen sowie Möbel- und Haushaltsgerätehersteller profitieren. Eine schlagartige Entspannung am Häusermarkt, wo die Preise seit 2006 um rund 20 Prozent eingebrochen sind, ist jedoch nicht zu erwarten. "Es wird nicht zu einem Anstieg von Hauspreisen kommen", sagte Immobilien-Manager Peter Kenny von Knight Equity Markets.

Kurze verschnaufpause
Auch Händler Scott Bennett von Aberdeen Asset Management geht nur von einer kurzen Verschnaufpause aus. "Wahrscheinlich wird diese Neuigkeit bald von anderen schlechten Nachrichten aus der Kreditbranche verdrängt", befürchtet er. "Anleger werden auf eine Erholung der angeschlagenen Konjunktur wetten und die Rohstoffpreise sowie den Greenback in die Höhe treiben", sagte Marktanalyst Heino Ruland von FrankfurtFinanz. "Die US-Regierung und die Fed verschaffen sich nur etwas Zeit, da die zugrundeliegenden strukturellen Probleme nicht gelöst werden."

Der Einstieg der US-Regierung, der bis zu 200 Mrd. Dollar (140 Mrd. Euro) kosten könnte und damit die teuerste staatliche Übernahme in der Geschichte Amerikas wäre, kann zudem andere Probleme verschärfen. Manche Experten warnen vor weiter steigenden Inflationsraten, wenn Investoren darauf setzten, dass die US-Regierung auch anderen kriselnden Unternehmen finanziell unter die Arme greift. Die Sorgen um die Gesundheit der US-Wirtschaft dürften also auf unbestimmte Zeit weitergehen.
(apa/red)

8.9.2008 15:38
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