'Internetgeneration ist Autorität geworden':
Experte ortet neue Richtwerte für Wirtschaft
- Arbeit, Lernen und Spaß soll zusammenwachsen
- Internetzugang in Zukunft für Fortschritt maßgeblich
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Die erste Generation, die ihre Jugend mit dem Internet und digitalen Techniken verbracht hat, ist erwachsen geworden und drängt auf den Arbeitsmarkt. Allen Unkenrufen zum Trotz sind sie weder politisch uninteressiert, oberflächlich noch computersüchtig - ganz im Gegenteil. "Das sind Stereotype und Vorurteile", erklärte Don Tapscott, Trendforscher, Mitautor des Bestsellers "Wikinomics" und Chef des Strategieunternehmens nGenera.
"Diese neue Generation setzt auf Beziehungen und Zusammenarbeit. Arbeiten, lernen und Spaß haben wächst zusammen. Das wird massive Auswirkungen auf die Unternehmenskultur haben", prognostiziert Tapscott. Strategiespiele, recherchieren im Web und Online-Kommunikation hätten sich sehr positiv auf die Jugendlichen ausgewirkt. "Freiheit ist wie Sauerstoff für sie, sie wollen alles an ihre Anforderungen anpassen, sie hinterfragen alles", so der Experte.
Tapscott bezeichnet diese auf den Arbeitsmarkt drängende Generation als "Net Generation" und nicht - wie andere Experten - als "Millennials", da sie "nicht durch die Jahrtausendwende geprägt sind, sondern durch das Internet". Die Zeit, die sie online verbringen, geht nicht zulasten von Freundschaften, sondern zulasten des TV-Konsums. Fernsehen läuft nebenbei und wird zum "Hintergrundmedium", erklärte der Trendforscher, der Hauptredner des Kongresses "Talk the future" im niederösterreichischen Krems war.
"Internetgeneration ist Autorität geworden"
Er hat für sein neues Buch "Grown Up Digital", das im Dezember auf den Markt kommt, rund 11.000 Jugendliche befragt, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Ergebnis: "Die Internetgeneration ist eine Autorität geworden. Sie wird Teil einer Entwicklung, die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verändert", sagte Tapscott. Die große Herausforderung für Europa sei, dass die Zahl der jungen Menschen abnimmt. Das werde den Kampf um Talente weiter anheizen.
Die Gesellschaft müsse ihre Einstellung gegenüber Jugendlichen ändern, sie mehr miteinbeziehen, auf sie hören und von ihnen lernen. "Das neue Web bietet die Chance, große globale Probleme wie etwa die Klimaveränderung zu lösen. In den nächsten zehn Jahren werden wir das Entstehen einer weltweiten Bewegung, die hundert Millionen Menschen oder mehr umfasst, erleben - im Internet", so Tapscott. Die Welt sei früher schon mobilisiert worden, etwa in Weltkriegen. "Aber jetzt werden erstmals alle auf einer Seite stehen. Und das brauchen wir auch, um die großen Probleme zu bewältigen", gab sich der Experte überzeugt.
Informationsmöglichkeit wichtigstes Gut
Allerdings bestehe die Gefahr, "dass wir eine Welt erschaffen, die zwischen Wissern und Nichtwissern, Begüterten und Habenichtsen oder Leuten, die mit der Welt kommunizieren und solche, die das nicht können, aufgeteilt ist". Durch den fehlenden Zugang zum Internet würde eine strukturelle 'Unterklasse' in der Gesellschaft entstehen. Dies zu verhindern sei nicht die alleinige Aufgabe der Regierungen, Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Eltern. "Aus meiner Sicht sind alle verantwortlich, weil diese neue Entwicklung alle betrifft", erläuterte Tapscott. (apa/red)









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