Nach Aufwärtstrend folgt der Abschwung:
Weltwirtschaft steht vor einer Abkühlung

  • Krise soll Ungleichgewichte auf Finanzmärkten lösen
  • Erholdung der US-Wirtschaft wird Jahre benötigen

Die Finanzkrise wird nach Einschätzung führender Ökonomen einen langanhaltenden Abschwung der Weltwirtschaft auslösen. "Nachdem die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren über ihrem langfristigen Trend gewachsen ist, wird sie in den kommenden Jahren darunter liegen", sagte die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro dem deutschen "Handelsblatt". Der Abbau von Ungleichgewichten, die aus der hohen Verschuldung der US-Haushalte und den "aufgeblasenen Bilanzen der Banken bestehen, wird die große Aufgabe der kommenden Jahre werden".

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, zeigte sich noch skeptischer: "Die US-Wirtschaft wird enorm geschwächt aus dieser Krise hervorgehen. Bis wir erste Anzeichen einer Erholung sehen, wird bedeutend mehr Zeit als ein Jahr vergehen." Zum einen warteten noch erhebliche finanzielle Risiken. Zum anderen würden sich die bisher bekannten Bankpleiten verzögert auf die Investitionen, den Arbeitsmarkt und den Konsum auswirken. Die Finanzkrise werde selbst Wachstumstreiber wie den technischen Fortschritt beeinträchtigen; Innovationen müssten schließlich finanziert werden.

Schwächen des Paulson-Plans
Den Plan von US-Finanzminister Henry Paulson über 700 Milliarden Dollar sieht Snower skeptisch: Er habe eine "fatale Schwäche", sagt der Ökonom: "Entweder zahlt die US-Regierung weniger für das Vermögen als es wert ist, dann hätten die Banken zu wenig Kapital. Oder der Staat zahlt ihnen zu viel, dann würden ausgerechnet diejenigen belohnt, die verantwortungslos gehandelt haben."

Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, es werde im kommenden Jahr eine Trendwende zum Schlechteren auf den deutschen Arbeitsmarkt befürchtet. Der Forschungsleiter des zur Bundesagentur für Arbeit gehörenden Instituts, Eugen Spitznagel, sagte laut der Zeitung, man gehe für 2009 nunmehr lediglich von einem Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von 0,5 Prozent aus.

Anstieg der Erwerbslosenquote
Die Arbeitslosenzahl werde vor diesem Hintergrund zwar im Jahresdurchschnitt weiter bei knapp über 3,2 Millionen verharren. Allerdings werde sich die insgesamt zuletzt rückläufige Entwicklung der Erwerbslosenzahl in der zweiten Jahreshälfte nicht fortsetzen. "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit würde dann erstmals seit 2005 zum Erliegen kommen, könnte sich im Jahresverlauf sogar in einen Anstieg umkehren", wird Spitznagel zitiert.
(apa/red)

29.9.2008 10:36
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