Der Mythos Karel Brückner: NEWS deckt die
Erfolgsgeheimnisse des ÖFB-Teamchefs auf

  • Fußball begleitete den Tschechen von Kindheit an
  • "System Brückner" dient der Kenntnis des Gegners

Wie tickt Karel Brückner? Was macht ihn so außergewöhnlich? NEWS war auf Spurensuche in Olmütz und fand heraus, wie der Tscheche Österreichs Team zur WM 2010 führen. Sein Credo, seine Tricks, seine Taktik.

Karel Brückner - die Sphinx. Wer ist dieser Mann eigentlich, der so karge Kommunikation nach außen betreibt, dass ihn Journalisten bereits mit einer geheimnisvollen Sphinx vergleichen, dem aber gleichzeitig so viel Genialität nach innen nachgesagt wird? Was ist sein Rezept, sein Geheimnis, sein Masterplan, um Österreich zur WM nach Südafrika zu bringen? Und wie tickt ein Mann, der in einer Zeit, in der schon Provinztrainer Starallüren entwickeln, einfach beschlossen hat, zu schweigen?

Wer nach Antworten auf all diese Fragen sucht, muss dorthin fahren, wo Karel Brückner herkommt. Flaches, fruchtbares Land, gut 200 Kilometer nördlich von Wien, eine Region, von den Tschechen Haná genannt, mit der historischen Metropole Olmütz in ihrer Mitte. Am Rande der Stadt, im Dörfchen Repcín, kam Karel am 13. November 1939 als Sohn eines Stoffwarenhändlers zur Welt. Schon als Sechsjähriger, als der Krieg kaum vorbei war, begann der Bub Fußball zu spielen. "Auf einem Aschenplatz gleich hinter dem Haus seiner Eltern kickten wir oft, bis es dunkel wurde", erinnert sich sein damaliger Freund Jan Vavrecka. Später, nachdem Brückner die Maschinenbau-HTL abgeschlossen hatte, arbeitete er als Projektant bei den Eisenhütten Olmütz.

"Dem Fußball dienen …"
Und dieser kommunistische Vorzeigebetrieb besaß, wie es sich damals gehörte, auch ein Werksteam, für das Brückner stürmte. "Karel war kein Schnellzug, dafür aber ein umso besserer Techniker, der stets den Überblick bewahrte", weiß ein früherer Mitspieler.

Brückner schaffte es mit seinem Team bis in die zweite tschechoslowakische Liga, spielte selbst, bis er 34 war - und begann im letzten Jahr seine Mannschaft, die nun Sigma Olmütz hieß, auch gleich zu trainieren. "Im Fußball kann man nicht bloß arbeiten, dem Fußball hat man zu dienen", verriet Brückner selbst einmal sein Credo, das er schon damals beherzigte: Er hängte den Job als Projektleiter an den Nagel, um fortan nur noch Sigma zu coachen.

"Fußball ist eine kosmopolitische Angelegenheit", teilte er der tschechischen Tageszeitung "Lidové Noviny" selbst einmal mit, "zu ihm gehört Wissenschaft genauso wie Intelligenz und Philosophie, ein wunderbar kreativer und intellektueller Sport." Weniger philosophisch hingegen seine Antwort, was denn Erfolg sei: "Erfolg ist, wenn Ihnen im Garten gute Paradeiser gedeihen."

Das System Brückner
Viel Arbeit steckte auch hinter dem Erfolg von Sigma Olmütz, wie dessen Manager Jiri Kubicek berichtet. Wie das System Brückner funktioniert, erklärt Kubicek anhand des damaligen Qualifikationsspiels gegen die Niederlande, in dem die Entscheidung über den Gruppensieg fiel: "Die Holländer waren damals stärker als wir, aber Karel begann bereits drei Monate vor dem Match mit den Vorbereitungen, sah sich insgesamt 40 DVDs mit all ihren Matches aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln an, analysierte Stärken und Schwächen und entwarf schließlich 17 mögliche Aufstellungsvarianten der Holländer. Egal, wie die Holländer auch aufgelaufen wären", so Kubicek, "Karel wusste genau, wie er kontern und deren entscheidende Spieler neutralisieren würde." Erfolgreich, denn Tschechien gewann das Match 3:2.

"Karel wird euch nicht jedes Spiel gewinnen können, denn das vermag kein Trainer der Welt", sagt Kubicek, "aber er hat über Jahre gezeigt, dass er aus durchschnittlichen Spielern eine überdurchschnittliche Mannschaft formen kann. Er ist kein Blender, keiner dieser gegelten Trainertypen, die herumlaufen und ständig hinausposaunen, wie toll sie sind. Er ist das Gegenteil, ein Arbeiter von ganz unten, ein Stiller, der über viel Erfahrung verfügt und bereit ist, alle Zeit der Welt zu investieren, im Grunde ein Besessener, der alles gibt, weil Fußball für ihn alles ist."

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS 08/41!

9.10.2008 16:46
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