Drastische Maßnahme gegen Finanzkrise:
Britische Regierung will teilverstaatlichen

  • Finanzministerium: 8 Großbanken davon betroffen
  • Angekündigter Rettungsplan 200 Mrd. Pfund schwer

Mit einem beispiellosen Notfallplan kämpft die britische Regierung gegen die Finanzkrise. Sie kündigte die Teilverstaatlichung von acht der größten Geldhäuser an, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Premierminister Gordon Brown sprach von "radikalen" Eingriffen ins Bankensystem. Zudem kündigte er einen Rechtsstreit mit Island an, um die Einlagen von 300.000 britischen Sparern bei der verstaatlichten Landsbanki zurückzuholen.

Von der angekündigten Teilverstaatlichung betroffen sind die britischen Geldhäuser Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered. Der sogenannte Rekapitalisierungsplan umfasst bis zu 50 Mrd. Pfund (64 Mrd. Euro), die in Vorzugsaktien investiert werden sollen. Zudem soll die Bank von England weitere 200 Mrd. Pfund an kurzfristigen Krediten bereitstellen.

Investoren befürchten seit Tagen, dass britische Banken die aktuelle Finanzkrise ohne staatliche Hilfe nicht überstehen könnten. Am Dienstag waren mehrere Bankaktien in London ins Bodenlose gestürzt: Die Royal Bank of Scotland hatte 39 und HBOS mehr als 41 Prozent verloren.

System damit stabilisieren
Finanzminister Alistair Darling sagte, die Regierung reagiere auf außergewöhnliche Umstände. Der Prozess werde aber Zeit brauchen: "Es ist keine sofortige Änderung, sondern eine Restrukturierung", sagte Darling im Fernsehsender Sky News. Das System werde damit stabilisiert, und dies sei sehr wichtig. Darling betonte aber, es gehe "absolut nicht" darum, die Kontrolle über die Banken zu übernehmen. "Wir reden nicht darüber, die Banken in Zukunft selbst zu betreiben."

Die deutsche Regierung begrüßte die Ankündigung aus London. Die teilweise Verstaatlichung werde zu einer Stabilisierung führen und stehe zudem im Einklang mit den jüngst von den EU-Finanzministern aufgestellten Prinzipien für Interventionen von Staaten, sagte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen. "Jeder weiß, welche Bedeutung der britische Bankensektor für Europa hat", sagte er. Ähnlich äußerte sich die französische Finanzministerin Christine Lagarde.

Briten wollen Island verklagen
Mit rechtlichen Schritten will die britische Regierung für die Einlagen britischer Sparer bei der verstaatlichten isländischen Landsbanki kämpfen. Berichten zufolge haben 300.000 Briten Millionen bei deren Internet-Filiale Icesave angelegt, wo keine Abhebungen mehr möglich sind. Im britischen Fernsehen sagten Darling: "Glauben Sie es oder nicht: Die isländische Regierung hat mir gestern gesagt, dass sie nicht beabsichtigt, ihren Verpflichtungen in Großbritannien nachzukommen."

In Island gab es unterdessen keine Anzeichen für ein Ende der Krise. Die größte isländische Bank Kaupthing erhielt am Mittwoch einen 500-Mio.-Euro-Kredit von der schwedischen Zentralbank. Dort hieß es, Kaupthing sei solvent. Es gehe lediglich darum, "temporäre Liquiditätsprobleme" der Bank zu lösen.
(apa/red)

8.10.2008 15:49
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