Von Subprime-Fiasko bis zu Rettungsplan:
Die Chronologie der weltweiten Finanzkrise
- Platzen der US-Immobilienblase 2006 machte Anfang
- Hypothekenfinanzierer rissen Bankenbranche mit sich

Die Finanzmarktkrise, die mit einem Abschwung am US-Immobilienmarkt im Herbst 2006 begann, greift immer weiter um sich. Eine Chronologie:
15. November 2008:Beim Weltfinanzgipfel in Washington vereinbaren die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer einen Plan zur Reformierung des Finanzsystems. Neue Regeln zur Stärkung der Transparenz der Bilanzierung werden beschlossen, internationale Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank sollen neue Funktionen erhalten. Ein Folgetreffen zu Beginn des nächsten Jahres wird vereinbart.
3. November 2008: Der Staat Österreich übernimmt die angeschlagene Bank Kommunalkredit für den symbolischen Betrag von zwei Euro.
30. Oktober 2008: Die Erste Bank Group nimmt als erstes heimisches Kreditinstitut in Österreich staatliche Hilfe im Ausmaß von 2,7 Mrd. Euro in Anspruch.
29. Oktober 2008:Weltbank, IWF und EU schnüren für das von einem Staatsbankrott bedrohte Ungarn ein 20 Milliarden Euro schweres Rettungspaket. Die Gelder sollen der ungarischen Regierung dabei helfen, den bestehenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
24. und 25. Oktober 2008: Europa und Asien stimmen beim siebenten Asien-Europa-Treffen überein, ihre Zusammenarbeit zur Bewältigung der Krise auszuweiten. Der IFW soll daher reformiert werden, um als Krisenfeuerwehr rascher einschreiten zu können.
20. Oktober 2008: Mit zehn Milliarden Euro sichern die Niederlande das Überleben des Allfinanz-Konzerns ING, zu dem auch die größte europäische Direktbank ING-DiBa gehört.
13. Oktober 2008: Mehrere EU-Staaten schnüren Bankenrettungspakete. Das Österreich-Paket ist bis zu 100 Mrd. Euro schwer, Deutschland stellt 470 Mrd. Euro zur Verfügung, Frankreich präsentiert einen 360 Mrd. Euro schweren Hilfsplan. Großbritannien steigt mit rund 37 Mrd. Pfund bei den drei größten Banken ein. Spanien hilft mit 100 Mrd. Euro aus.
11. Oktober 2008: Bei einem Treffen in Washington verständigen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industriestaaten auf einen Fünf-Punkte-Plan mit dem Ziel, die Kreditklemme auf den internationalen Finanzmärkten zu beenden.
10. Oktober 2008: Erneut Panik an den Börsen: Der Deutsche Aktienindex rauscht im Sog der Wall Street knapp 12 Prozent in die Tiefe und schließt mit einem Minus von 7 Prozent. Der Dow-Jones-Index verzeichnet die schlechteste Handelswoche seiner Geschichte: Der Leitindex brach um insgesamt 18 Prozent ein.
8. Oktober 2008: Erstmals seit den Terrorschanschlägen vom 11. September 2001 senken die wichtigsten Notenbanken der Welt in einer konzertierten Aktion die Leitzinsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkt für die USA und Deutschland die Wachstumsprognose.
7. Oktober 2008: In Island spitzt sich die Krise dramatisch zu. Die Regierung gibt eine Garantieerklärung für alle Spareinlagen ab und übernimmt die Kontrolle über die zweitgrößte Bank des Landes, die Landsbanki. Regierungschef Geir Haarde warnt vor einem Staatsbankrott.
6. Oktober 2008: Nächster "Schwarzer Montag" an den Börsen: Der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börse verliert im Handelsverlauf über 800 Punkte - so viel wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Der Index schließt erstmals seit Oktober 2004 unter 10.000 Punkten.
3. Oktober 2008: Das US-Repräsentantenhaus stimmt im zweiten Anlauf für das 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die angeschlagenen Banken.
25. September 2008: Die größte US- Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen und wird in einem Notverkauf von der Großbank J.P. Morgan Chase aufgefangen.
21. September 2008: Historischer Einschnitt für die Wall Street: Die beiden letzten verbliebenen unabhängigen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley verzichten auf ihren 75 Jahre alten Sonderstatus und werden zu gewöhnlichen Geschäftsbanken. Sie stehen künftig damit wie andere Banken unter schärferer Kontrolle und dürfen keine extremen Risiken für hochlukrative Geschäfte mehr eingehen.
19. September: Die US-Regierung kündigt ein mehrere hundert Milliarden Dollar umfassendes Rettungspaket für die Finanzbranche an und löst damit ein Kursfeuerwerk an den Börsen aus. Unter anderem will der Staat den Banken notleidende Wertpapiere und faule Kredite abkaufen. Die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien verhängen ein weitreichendes Verbot für Leerverkäufe, also den Verkauf geliehener Aktien.
16. September 2008: Die US-Notenbank rettet den Versicherungsriesen AIG mit einem Kredit über 85 Milliarden Dollar und bekommt dafür faktisch die Kontrolle bei dem Versicherungsriesen. Die Notenbanken pumpen fast 150 Milliarden Euro in den Geldmarkt, um eine Kreditklemme der Banken zu verhindern.
15. September 2008: Der "schwarze Montag": Die Wall Street verliert auf einen Schlag zwei ihrer unabhängigen Investmentbanken. Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden, Konkurrent Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft. Die Börsen gehen weltweit auf Talfahrt, der US-Leitindex Dow Jones erleidet den stärksten Tagesverlust seit den Terrorattacken am 11. September 2001.
Berichte über eine dramatische Lage beim größten US-Versicherer AIG machen die Runde. Zehn Großbanken bilden einen 70 Milliarden Dollar (49,2 Mrd. Euro) großen Kreditpool zur gegenseitigen Unterstützung.
6. September 2008: Die US-Regierung übernimmt die Kontrolle bei Fannie Mae und Freddie Mac.
10. Juli 2008: Zweitgrößter Banken-Crash in der US-Geschichte: Die Hypotheken- und Bausparbank IndyMac wird von den Aufsichtsbehörden geschlossen. Der US-Senat beschließt ein Gesetz, das schätzungsweise 400.000 verschuldeten Hausbesitzern Entlastung verspricht.
16. März 2008: JPMorgan Chase übernimmt die Traditionsbank Bear Stearns mit Hilfe der US-Notenbank. Bear Stearns wird so vor dem Zusammenbruch gerettet. Die US-Regierung springt mit Garantien ein.
Februar 2008: Der US-Kongress billigt ein Konjunkturprogramm im Umfang von 150 Mrd. Dollar (103,4 Mrd. Euro).
29. Jänner 2008: Die Bundespolizei FBI ermittelt im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise gegen 14 Unternehmen wegen des Verdachts auf Betrugs oder Insiderhandels.
17. Jänner 2008: Merrill Lynch macht 2007 einen Nettoverlust von 8,05 Mrd. Dollar.
Oktober 2007: Beim US-Finanzkonzern Citigroup bricht der Gewinn stark ein. Von nun an meldet ein großes Finanzhaus nach dem anderen Milliardenabschreibungen und hohe Verluste.
September 2007: Besorgte Kunden stürmen die Schalter der britischen Bank Northern Rock. Die Regierung und die Bank von England garantieren die Einlagen, Northern Rock wird vom Staat übernommen.
Juli/August 2007: Auch in Deutschland geraten Banken wegen Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt in den Sog der Krise - etwa die Mittelstandsbank IKB, die Sachsen LB, die WestLB und die BayernLB.
26. Juli 2007: Das US-Handelsministerium teilt mit, dass der Verkauf neuer Häuser um 6,6 Prozent gesunken sei. Die Aktienkurse stürzen weltweit ab.
Juni 2007: Alarmglocken an der Wall Street: Zwei Hedge-Fonds der New Yorker Investmentbank Bear Stearns straucheln, weil sie in großem Stil in mit Immobilien besicherten Papieren engagiert sind.
9. Februar 2007: Der US-Hypothekenfinanzierer New Century Financial gerät ins Straucheln und meldet später Insolvenz an.
(apa/red)








