Es gibt ein Leben nach vier Hauben: NEWS über Absteiger - Umsteiger - Neueinsteiger
- 3 der besten Köche Österreichs orientieren sich neu
- Rezept: Spiegelei mit Trüffel und Erdäpfelpuffer

Jörg Wörther, Helmut Österreicher und Reinhard Gerer sind so unterschiedlich, wie man nur sein kann. Gemeinsam ist ihnen nur eines: Sie haben erreicht, wovon andere nur träumen, nämlich "vier Hauben" zu erkochen - und sie haben diesen Traum längst wieder hinter sich gelassen
"A g'scheit's Saftl"
Jörg Wörthers alldienstägliches "Stargastspiel" in Toni Mörwalds "Ambassador" ist mittlerweile Geschichte und in ein gemeinsames Kochbuchprojekt der beiden gemündet. Über Nobelfastfood aus Tüten spricht Wörther, während er gerade laut über ein Angebot aus Moskau nachdenkt, auffallend wenig. Wirklich ins Schwärmen gerät er indessen bei seiner gegenwärtigen Lieblingsidee, einer völlig neuartigen Kochschule für Professionisten: "Sobald ich ein Wirtshaus find - in Salzburg oder Wien -, mach ich eine Akademie auf, in der jeden Abend auch Gäste bewirtet werden. Ein Mittelding aus Gasthaus und Kochhochschule, die Profis wieder zurück zu den Fakten führt." Das Faktum heißt: "Kochen ist Handwerk, Kunst kommt später." Genau das will Wörther vermitteln: "A g'scheit's Saftl und gemeinsames Kochen mit Liebe - das ist meine Berufung. Ich kämpfe gegen diese Mirnixdirnix-Küche, die es heute fast überall gibt."
Scampi auf Erdäpfelgulasch
Da ist auch Helmut Österreicher mit ihm eines Sinnes. Er hat sein erfolgreiches "Österreicher im MAK", das mittlerweile der Raiffeisen-OÖ-Tochter Vivartis Kulinarik gehört, "kettenfähig" gemacht und wird es schon im Jänner auf den traditionsreichen Wiener Rathauskeller ausdehnen. Österreicher wird freilich auch dort nicht selbst in der Küche stehen, sondern in Schulungen über sein striktes "Bodenständigkeitsgebot" wachen, auch wenn er seinen Küchenchefs gewisse Freiräume lässt. "Scampi auf Erdäpfelgulasch", räumt er ein, "das darf schon auch einmal sein."
Das klingt fast ein wenig nach der legendären Taube auf Krautfleckerln des im Frühjahr unschön entsorgten Ex-Korso-Chefs Reinhard Gerer, dem mittlerweile viele Fans nachtrauern. Gerer selbst betreut zwischenzeitlich das Palazzo-Gourmetzirkus-Konzept und ist als Konsulent "für einen alten Freund von mir" tätig - nämlich für die unter Stadtflüchtlingen besonders beliebte Hinterbrühler Gourmetklause "Hexensitz".
Gut, gesund, preiswert
"Konsulententätigkeit ist nicht mein Ziel", sagt Gerer, dementiert aber gleichzeitig das Gerücht, dass er demnächst in Hans Schmids Grinzinger Kirchenwirt antreten wird. Dass er in seinem Leben "noch einmal Sterne schmecken" will, leugnet er jedoch keineswegs.
Ganz im Gegensatz zu Jörg Wörther. "Die Haubengeierei", gibt sich der einstige "Koch des Jahrzehnts" selbstsicher, "ist etwas für Dreißigjährige." Es sei denn, so fügt er einschränkend hinzu, "es kommt ein russischer Oligarch daher und kauft sich meinen Heimatort Badgastein. Dann wär ich vielleicht noch einmal dabei."
Helmut Österreicher hingegen hat mit seiner Vierhaubenvergangenheit abgeschlossen: "Ich habe mich verändert, mir kommt es nicht auf Hauben, sondern auf die Essenz an. Und die heißt: gut, gesund und preiswert zu kochen. Beim Streben nach Superlativen bleibt immer zumindest eines von den dreien auf der Strecke."
TRÜFFELREZEPT der Woche
Zutaten: 400 g vorwiegend fest kochende Erdäpfel, 5 Eier, 35 g frischer Trüffel, 1 EL Butter, Salz, Pfeffer, etwas Olivenöl
Zubereitung: Erdäpfel schälen, grob reiben, einsalzen und andrücken. Mit einem Ei verrühren, salzen, pfeffern. Öl in einer großen Pfanne erhitzen, mit einem Löffel 4 Pfuffer hineinsetzen und diese flach drücken. Beidseitig goldgelb anbraten, auf Küchenkrepp setzen und im heißen Backrohr bei 70 °C warm halten. Butter in einer Pfanne erhitzen, 4 Eier vorsichtig hineinschlagen und zu Spiegeleiern braten. Je einen Puffer auf einem vorgewärmtem Teller anrichten, ein Spiegelei daraufsetzen und Trüffel darüberhobeln.
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