Weiße Weihnachten nur Wunschdenken: Meteorologen können bisher nichts sagen
- Langzeit-Wetterprognosen sind praktisch unmöglich
- Bis zuletzt herrscht Hochspannung über das Wetter
Der gesamte Dezember - weiß. Ebenso der Jahreswechsel, der Jänner, sogar der Februar. Weiß ist eine gute Farbe, ganz besonders im Winter. Leider hat jenes Weiß über Österreich, auf das Walter Zwieflhofer mit seinem Zeigestab deutet, mit Schnee absolut nichts zu tun. Es zeigt lediglich, dass es verdammt schwierig ist, für die kommenden Monate eine halbwegs seriöse Prognose für die kleine Alpenrepublik zu erstellen. Und wenn es Zwieflhofer nicht schafft, dann niemand. Denn der Österreicher zählt zu den renommiertesten Meteorologen weltweit.
Seit 1981 forscht der Klimaexperte nun schon am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) in Reading, England. "In den vergangenen 20 Jahren haben wir ständig Fortschritte gemacht", betonte er im Rahmen eines Vortrags an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte in Wien. Die sukzessive Abnahme von Fehlprognosen basiert auf akribischer Detailarbeit und dem Sammeln von ganzen Datengebirgen. "100 Wissenschafter arbeiten bei uns ständig an der Verbesserung des Systems", so Zwieflhofer.
Doch wenn er eines mit Sicherheit sagen kann, dann, dass man bei der Erstellung von Langzeitprognosen nichts mit Sicherheit sagen kann. Es ist eine ständige Annäherung, ein Durchspielen von unzähligen möglichen und bereits stattgefundenen Wettermodellen, es wird gerechnet, verglichen, analysiert. Mittlerweile sind schon relativ genaue Monats-, sogar Jahresvoraussagen möglich. Dabei wird so ziemlich alles in Betracht gezogen, was nur irgendwie Einfluss auf die Wettersituation nehmen könnte: Lokale Landflächentemperatur, Niederschlag, Bodenluftdruck, Meeresoberflächentemperatur, stratosphärische Einflüsse, Schwankungen in Randbedingungen in der Atmosphäre und vieles mehr.
Prognose für Weihnachten unmöglich
Wer nun aber glaubt, Ende November eine exakte Vorhersage für den 24. Dezember zu erhalten, und ob der in Wien, Salzburg oder Vorarlberg "weiß" sein würde, der ist auf dem Holzweg. Je länger die Zeitspanne einer Prognose, desto unmöglicher ist es, eine Punktvorhersage zu treffen. Zwieflhofer zieht einen Vergleich: "Wie das Wetter in den kommenden zwei bis vier Monaten in Europa wird, kann man nur sehr schwer sagen. Weil es nämlich sehr weit entfernt ist vom Pazifischen Ozean." Dieser sei für Meteorologen hingegen recht einfach zu prädiagnostizieren. Weil es sich um eine riesige Fläche handelt, die sich gebietsweise aufwärmt oder abkühlt und damit enormen Einfluss auf weltweite Wetterereignisse haben kann.
Fazit: Die in Reading errechneten Langzeitvorhersagen sind keine Wetterprognosen. Es wird niemals möglich sein, sich mehrere Wochen oder sogar Monate vor Weihnachten festzulegen, ob in Österreich Schnee fallen wird. Vielmehr geht es darum, Wahrscheinlichkeiten und Mittelwerte für Jahreszeiten zu berechnen - doch auch da lediglich für Kontinente, nicht für bestimmte Bundesländer.
Spannung bis zuletzt
Welches Wetter wir also am Weihnachtstag 2008 haben werden, sei "sehr schwierig vorauszusagen", meint Zwieflhofer und zeigt wieder auf diese Landkarte, auf der Europa in reinstes Weiß getaucht ist. Wie gesagt: Weiß bedeutet in diesem Fall, dass es "leider keine starken Signale" gibt, mit denen die Experten eine Vorhersage wagen könnten. Wer jetzt schon genau zu wissen behauptet, ob es am 24. Dezember schneit, stürmt, regnet oder frühlingshafte Temperaturen herrschen, ist mit Sicherheit kein Meteorologe. Für Spannung bis zuletzt ist also gesorgt.
(apa)








